Neues aus Kuba
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27.05.2026 07:00 Uhr
Die Hoffnung Kubas auf eine dringend benötigte Diesel-Lieferung schwindet: Der unter Sanktionen stehende Tanker „Universal“ drehte nach wochenlangem Zögern ab und steuert nun den Südatlantik an.
Abbildung: Symbolfoto von Jens Rademacher auf Unsplash
Der russische Tanker "Universal", der mit rund 260.000 Barrel Diesel beladen ist und seit Wochen als mögliche Treibstofflieferung für das von einer schweren Energiekrise geplagte Kuba beobachtet wurde, hat überraschend den Kurs geändert. Das unter US-, EU- und britischen Sanktionen stehende Schiff beschleunigte in den vergangenen Tagen deutlich und drehte in Richtung Südatlantik ab, weg von der Insel. Das berichten maritime Trackingdienste sowie der Energieforscher Jorge Piñon von der University of Texas. Nach wochenlanger Irrfahrt mit minimaler Geschwindigkeit habe die "Universal" ihre Fahrt von 1,3 auf 10,5 Knoten erhöht. Es sei nicht nur die Kursänderung, sondern auch die deutliche Zunahme der Geschwindigkeit, die auf ein bestimmtes Ziel hindeute, wird der Experte in Medienberichten zitieret. Ein konkreter Zielhafen ist bisher nicht erkennbar.
Das Manöver beendet eine monatelange Odyssee des Tankers. Die "Universal" hatte den russischen Hafen Wyssozk am 18. Januar verlassen. Begleitet von einer russischen Fregatte passierte sie am 8. April den Ärmelkanal, mit einer prognostizierten Ankunft in der Karibik Ende April. Doch das Schiff erreichte Kuba nie. Stattdessen verharrte es über einen Monat lang im Nordatlantik, etwa 1000 Seemeilen vor der kubanischen Küste. Die Geschwindigkeit fiel zeitweise auf 1,3 Knoten, was Beobachter als nahezu treibend beschrieben. Schon Ende April war das Schiff mit lediglich 3,4 Knoten auf nordwestlichem Kurs unterwegs, um dann Mitte Mai noch langsamer zu werden. Die ungewöhnliche Stille um das Schiff nährte Spekulationen über politischen Druck oder technische Probleme. Der russische Militärbeobachter "Russian Forces Spotter" bezeichnete die Lage der "Universal" als politisch sensibler als die des Tankers "Anatoli Kolodkin", der im März als einzige russische Lieferung Kuba in diesem Jahr erreichte. Damals habe Moskau den Transport sichtbar durch eine Marine-Eskorte geschützt, und Washington habe die Lieferung trotz Sanktionen toleriert. Im Fall der "Universal" deute der wochenlange Stillstand auf stärkeren externen Druck oder operative Schwierigkeiten hin. Es könne Teil einer breiteren Risikoabwägung Moskaus sein. Die verstärkte US-Überwachung, verschärfte Sanktionsdurchsetzung und die politische Sensibilität Kubas machten solche Fahrten komplizierter als zuvor. Ob es sich um geopolitischen Druck oder ein routinemäßiges Problem handle, sei schwer zu unterscheiden. Die unterschiedliche Behandlung der beiden Tanker ist aufschlussreich. Die "Anatoli Kolodkin" hatte am 31. März rund 730.000 Barrel Rohöl nach Matanzas gebracht, das die kubanische Energiekrise vorübergehend milderte, aber bereits nach wenigen Wochen aufgebraucht war. Anfang April hatten hochrangige russische Politiker noch demonstrativ ihre Unterstützung für Kuba bekundet. Außenminister Sergej Lawrow versprach, Russland werde Kuba in der Energiekrise nicht im Stich lassen. Energieminister Sergej Ziwiljow erklärte, ein russisches Schiff habe die Blockade durchbrochen, ein zweites werde gerade beladen. Wochen später endete die "Universal" jedoch in der Sackgasse des Nordatlantiks. Analyst Sebastian Arcos vom Institut für Kubastudien warnte vor voreiligen Schlüssen. Es gebe nicht genügend Informationen, um das Schicksal der "Universal" zu bestimmen. Die Abwesenheit einer aktiven Durchsetzung der US-Marine-Quarantäne bedeute nicht, dass es keine abschreckende Wirkung auf Kubas Treibstofflieferanten gäbe. Arcos betonte, Kubas Energieproblem sei nicht allein der Treibstoffmangel, sondern vor allem die strukturelle Zerrüttung des Stromnetzes. Die mangelnde Erzeugungskapazität und der allgemeine Verfall der Elektroinfrastruktur seien die entscheidenden Faktoren. Kubas heimisches Rohöl beschleunige durch seine korrosive Zusammensetzung den Verschleiß der Kraftwerke. Die innere Krise Kubas hat sich parallel zu den Bewegungen des Tankers verschärft. Energieminister Vicente de la O Levy hatte am 14. Mai eingeräumt, dass das Land über keinerlei Reserven an Schweröl oder Diesel mehr verfüge. Die Kursänderung der "Universal" bestätigt nicht endgültig, dass Kuba die Ladung definitiv verloren hat. Sie markiert aber die erste klare Bewegung nach Wochen der Ungewissheit. Sollte das Schiff tatsächlich einen anderen Zielhafen ansteuern, stünde die Insel weiterhin ohne unmittelbare Dieselimporte da. Autor: Leon Latozke
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