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07.06.2026 08:00 Uhr
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Kuba kämpft mit dem dritten nationalen Blackout 2026. Zehn Stunden nach dem Zusammenbruch des Stromnetzes (SEN) am Montag läuft die langsame Wiederherstellung
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Die dritte landesweite Strompanne innerhalb weniger Monate hat Kuba am Montag (6.) erneut lahmgelegt, doch die Behörden melden eine zögerliche Erholung. Rund zehn Stunden nach der totalen Netzabschaltung, die etwa neun Millionen Menschen ohne Elektrizität zurückließ, arbeite das nationale Stromsystem (SEN) nach offiziellen Angaben an einer schrittweisen Wiederherstellung. Bereits in den vergangenen knapp zwei Jahren erlebte die Insel den achten Totalausfall dieser Art – ein deutliches Zeichen für die tiefe strukturelle Krise der kubanischen Energieversorgung.
Das Ministerium für Energie und Bergbau (MINEM) gab auf X bekannt, dass unmittelbar nach dem Kollaps die Notfallprotokolle aktiviert wurden. Dabei liegt der Fokus auf der Bildung sogenannter Mikrosysteme, die vorerst essentielle Dienste wie Krankenhäuser und Trinkwasserpumpen am Laufen halten. Der Generaldirektor für Elektrizität im Ministerium, Lázaro Guerra, präzisierte im staatlichen Fernsehen, dass im Westen des Landes mehrere Generatoren angefahren worden seien, um das Netz zu stabilisieren. Dieser Schritt gelte als „Schlüssel", um letztlich die großen, aber veralteten Wärmekraftwerke wieder ans Netz zu bringen. In der Hauptstadt Havanna, die rund zwei Millionen Einwohner zählt, zeigt sich die Erholung besonders schleppend. Nach Informationen der staatlichen Gesellschaft Unión Eléctrica (UNE) konnten dort bisher lediglich 48.252 Kunden – nur 5,6 Prozent der 787.000 registrierten Haushalte – wieder mit Strom versorgt werden. Die UNE betonte auf ihren Kanälen, dass die Wiedereinspeisung „schrittweise und progressiv" erfolge, abhängig von den jeweiligen Bedingungen des Gesamtsystems. Der technische Prozess der Wiederherstellung gestaltet sich als komplexe Puzzlearbeit. Zunächst müssen kleine, autarke „Inseln" aus einfach zu startenden Quellen wie Solaranlagen, Wasserkraftwerken oder kleinen Dieselaggregaten aufgebaut werden. Diese Einheiten werden dann sukzessive vernetzt, um regionale Bereiche zu versorgen. Erst wenn diese Voraussetzungen geschaffen sind, können die großen, beim Start stromfressenden Wärmekraftwerke – das Herz des kubanischen Systems – wieder hochgefahren und synchronisiert werden. Frühere, ähnliche Ausfälle haben gezeigt, dass dieser Prozess durchaus mehr als 24 Stunden bis hin zu mehreren Tagen in Anspruch nehmen kann. Die aktuelle Misere wird durch einen eklatanten Mangel verschärft. Während in der Vergangenheit oft auf schwimmende Kraftwerke oder schnell startende Diesel- und Schwerölgeneratoren zurückgegriffen wurde, um den Wiederanlauf zu beschleunigen, sind diese mittlerweile verschwunden oder stehen still Der Grund ist so einfach wie fatal: Es fehlt der Brennstoff. Dieser Mangel ist die direkte Folge der verschärften US-Sanktionen der letzten Jahre, die faktisch einen Stopp nahezu aller Ölimporte nach Kuba bedeuten. Seit über einem halben Jahr erreichte nur ein einziges Schiff, der russische Tanker „Anatoly Kolodkin", die Insel mit rund 100.000 Tonnen Rohöl – eine Lieferung, die als humanitäre Hilfe deklariert wurde und die akute Not für etwa zwei Wochen linderte. Die Regierung in Havanna bezeichnet die Lage im nationalen Stromnetz als „kritisch" und „extrem angespannt". Die Sanktionen aus Washington werden als Akt des „Genozids" angeprangert, eine Bewertung, die von den Vereinten Nationen als völkerrechtswidrig eingestuft wird. Technisch gesehen sind die meisten Netzzusammenbrüche jedoch auf die desolate Infrastruktur der Kraftwerke zurückzuführen. Die Anlagen sind seit Jahrzehnten in Betrieb, leiden unter chronischem Investitionsmangel und sind störanfällig. Allein der jüngste Ausfall des wichtigsten Kraftwerksblocks der Insel, der Antonio Guiteras, ist in diesem Jahr bereits der 17. seiner Art. Die täglichen Blackouts haben ein extremes Ausmaß angenommen. In den letzten Tagen erreichten die Stromabschaltungen neue Rekordwerte: zeitweise fielen abends bis zu 72 Prozent der Versorgung gleichzeitig aus. In Havanna sind Stromausfälle von über 24 Stunden, in einigen Stadtteilen sogar bis zu 40 Stunden, keine Seltenheit mehr. Diese permanente Unsicherheit und die alltäglichen Belastungen heizen die soziale Stimmung an. In mehreren Vierteln der Hauptstadt kam es bereits zu friedlichen Protesten mit „Carzelazos“ genannten Topfdeckelkonzerten – ein deutliches Signal des wachsenden Unmuts über die anhaltende Energiekatastrophe.
Quelle: EFE (https://t1p.de/ikvll)
Autor: Leon Latozke
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