|
26.08.2026 08:00 Uhr
Die Gesundheitsbehörde bestätigt eine Lebensmittelvergiftung: In Santiago de Cuba wurden 52 Menschen mit Vergiftungserscheinungen behandelt, keiner von ihnen in kritischem Zustand.
Abbildung: Zu diesem Beitrag liegt kein Bildmaterial vor.
In Santiago de Cuba sind 52 Menschen mit Vergiftungserscheinungen behandelt worden. Unter den Betroffenen sind nach Angaben der Provinzdirektion für Gesundheit zwei Schwangere und drei Kinder. Die Behörde führt die Erkrankungen auf den Verzehr von Lebensmitteln zurück, nennt aber bislang kein Produkt: Man habe den mutmaßlichen Ursprung eingegrenzt, warte jedoch noch auf Laborergebnisse.
Die Patienten wurden am Montagnachmittag in der Poliklinik José Martí Pérez versorgt. Das Krankheitsbild beschreibt die Behörde als Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und ein Krampfgefühl und Kribbeln in Mund und Händen; bei einem Teil der Betroffenen kam es infolge des Flüssigkeitsverlusts zu leichter bis mittlerer Dehydrierung. Niemand befinde sich in einem schweren oder kritischen Zustand. Die Kinder sowie 13 Erwachsene wurden zur weiteren Beobachtung in andere Kliniken verlegt. Zwei mögliche Erklärungen
Während die staatliche Mitteilung keine Ursache benennt, kursieren vor Ort konkrete Vermutungen. Gegenüber Martí Noticias sagte ein Anwohner, verantwortlich seien Nitritsalz, das industriell als Konservierungsmittel eingesetzt wird, sowie Brot, das mit nicht für den Verzehr geeignetem Öl hergestellt worden sei. Der Aktivist Yasser Sosa bestätigte dem Sender diese Darstellung und ergänzte, das betroffene Brot stamme aus einer staatlichen Bäckerei.
Verifiziert ist das nicht, die Ursache ist bis zu den Laborergebnissen unbekannt. Die Symptomlage – insbesondere das Kribbeln in Mund und Händen – ist mit einer Nitritvergiftung vereinbar, ein Beleg ist sie nicht. Ein tödlicher Präzedenzfall
Der Verdacht wiegt schwer, weil es ihn schon einmal gab. Im Februar 2025 starben in Guanabacoa bei Havanna eine junge Frau und ihre fünfjährige Tochter, nachdem sie Nitritsalz für gewöhnliches Speisesalz gehalten und damit gekocht hatten. Drei weitere Familienmitglieder, darunter ein Kleinkind, kamen ins Krankenhaus. Der 74-jährige Onkel der Verstorbenen hatte das Pulver nach eigener Aussage in der Calle Compostela in Habana Vieja gekauft – im guten Glauben, es handle sich um Speisesalz. Wenige Tage später wurde er von den Behörden beschuldigt, das Salz beschafft zu haben.
Speisesalz gehört auf der Insel zu den Produkten, die in der rationierten Grundversorgung am häufigsten fehlen – bei gleichzeitig hohem Verbrauch: Kubanerinnen und Kubaner nehmen etwa doppelt so viel Salz zu sich, wie die WHO empfiehlt. Wer nachkaufen will, landet zwangsläufig auf dem Schwarzmarkt, wo Herkunft und Zusammensetzung niemand garantiert. Futtermittel im Verkauf
Der zweite Verdachtsstrang passt in ein Muster, das die Behörden selbst dokumentieren. Vergangene Woche warnte die Gesundheitsdirektion der Provinz Mayabeque öffentlich vor einem Speiseöl, das auf dem Messegelände El Rodeo verkauft worden war. Laborproben ergaben: rohes Pflanzenöl für die Tierfütterung, nicht für den menschlichen Verzehr.
Die Häufung solcher Fälle ist keine Frage mangelnder Vorsicht, sondern eine Folge der Versorgungslage. Kuba steckt in einer Energie- und Wirtschaftskrise, die sich seit Jahren verschärft: langanhaltende Stromausfälle seit 2024, galoppierende Inflation, fortschreitende Dollarisierung, weitgehend stillgelegte Krankenhausdienste und Müll, der mangels Treibstoff für die Abfuhr auf den Straßen liegen bleibt. Hinzu kommen das US-Ölembargo seit Januar und Sekundärsanktionen gegen Schlüsselsektoren seit Mai. Im August warnten UN-Menschenrechtsexperten in einer Mitteilung davor, auf der Insel könne ein „stilles Gaza" entstehen. Washington verlängerte am Dienstag dennoch den Trading with the Enemy Act für Kuba bis September 2027. Havanna sprach von dem Vorsatz, eine ganze Nation zu ersticken.
Wer unter diesen Bedingungen Lebensmittel kauft, kauft häufig auf der Straße – und weiß oft nicht, was er bekommt. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|

RSS-Feed