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28.08.2026 10:00 Uhr Kubas Schuljahr beginnt am 1. September für 1,4 Millionen Schüler – unter Bedingungen, die Bildungsministerin Naima Trujillo selbst als „gewaltige Schwierigkeiten" bezeichnet. Abbildung: Kuba ohne Schuluniformen? Nur zwölf Prozent des Bedarfs gedeckt (Bildquelle: Cuban school children von TopazSun, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY-SA 3.0) Wenn am 1. September rund 1,4 Millionen kubanische Schülerinnen und Schüler in die Klassenzimmer zurückkehren, tun sie das unter Bedingungen, die selbst die zuständige Ministerin nicht mehr schönredet. Bildungsministerin Naima Ariatne Trujillo Barreto sprach am Donnerstag (28.) auf einer Pressekonferenz in Havanna von gewaltigen Schwierigkeiten, unter denen das Schuljahr beginne. Das Ministerium präsentierte dort seine Rahmenvorgaben für den Kurs 2026/27 – ein Dokument, das in weiten Teilen wie ein Notfallplan liest. Das drängendste Problem ist das Personal. Landesweit sind laut Trujillo nur 73 Prozent der Lehrstellen mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt. Am schwierigsten ist die Lage in Havanna und den westlichen Provinzen, während der Osten der Insel bessere Werte aufweist; nach Angaben der Agentur EFE sollen rund 3.000 Lehrkräfte von dort in die Hauptstadt verlegt werden. Die verbleibenden Lücken sollen Studierende schließen sowie Fachkräfte aus Kultur, Wissenschaft und Industrie, die vor die Klassen treten. Hinzu kommt eine Neuregelung mit erheblicher Wirkung auf den Arbeitsalltag: Lehrdeputate werden umverteilt, eine Lehrkraft kann künftig an mehr als einer Einrichtung unterrichten. Für zusätzliche Lerngruppen und Mehrfacheinsätze stellte die Ministerin Vergütungen in Aussicht, ohne Beträge oder Mechanismen zu nennen. Angesichts einer Inflation, die kubanische Gehälter seit Jahren entwertet, bleibt das eine Absichtserklärung. Den Unterricht selbst will das Ministerium territorial differenzieren: Halbinternat, Doppelschicht und Präsenzfrequenz sollen sich nach den konkreten Möglichkeiten jeder Region richten. Vom 1. September bis zum 3. Oktober ist ein intensiver Einstiegsblock vorgesehen, der Stoff aus dem abgebrochenen Vorjahr nachholt und individuelle Lernpläne vorsieht. Leere Kleiderkammern Bücher und Hefte konnten beschafft werden. Bei den Schuluniformen dagegen erreichte Kubas Produktion im August nur zwölf Prozent des Bedarfs für die Grundstufe, in der Sekundarstufe ähnlich wenig. Eine exakte Abdeckungsquote könne man nicht nennen, räumte Trujillo ein – es ist das dritte Schuljahr in Folge, in dem die Versorgung scheitert. Die Ursachenkette beschrieb die Ministerin selbst: keine Elektrizität in den Werkstätten, kein Treibstoff für den Transport der Stoffe, keine Devisen für den Import von Vormaterial. Der Ausweg ist Improvisation. Restbestände werden über die staatliche Handelskette verteilt, Familien sollen aus zugeschnittenen Stoffen, die die Schulen ausgeben, selbst nähen, Nachbarschaftsinitiativen vorhandene Kleidung flicken. Kein Kind werde wegen einer fehlenden Uniform dem Unterricht fernbleiben, versicherte Trujillo; vorrangig würden die bedürftigsten Schüler versorgt, die Kleiderordnung werde gelockert. Bei der Schulverpflegung steht die härteste Zahl der gesamten Pressekonferenz: Abgesichert sind vorrangig die ersten 15 Kurstage. Die Abdeckung schwanke je nach Territorium erheblich. In den Internaten, wo Kinder über längere Zeiträume bleiben, soll die Versorgung Priorität haben. Stundenplan nach NetzlageDer Hintergrund ist die schwerste Energiekrise in der Geschichte der Insel. Das vergangene Schuljahr musste im Juni vorzeitig beendet werden; schon zuvor lief der Unterricht in Teilen im Notprogramm, einzelne Bildungsstufen wechselten in den Teilpräsenzbetrieb. 2026 verzeichnete Kuba bislang sieben landesweite Totalausfälle des Stromnetzes, rund 20 Stunden ohne Strom sind vielerorts Alltag. Verschärft wurde die Lage durch die im Januar von den USA verhängte Ölblockade, die Havanna als kollektive Erstickung bezeichnet. Bemerkenswert ist, wer nun in die Schulen geholt wird. Neben Studierenden und Quereinsteigern sollen kommunale Massenorganisationen wie die Red Juvenil Comunitaria und die Bewegung „Mi Barrio por la Patria" Aufgaben übernehmen – darunter ausdrücklich direkten Unterricht, Nachhilfelager, Englischkurse und die Instandsetzung von Mobiliar. Der Staat lagert damit Kernfunktionen des Bildungssystems an politisch organisierte Freiwilligenstrukturen aus. Die UNESCO hatte im Mai gewarnt, die Bildung einer ganzen Generation stehe in Kuba durch die Energiekrise auf dem Spiel. Trujillo widersprach: Diese Generation werde nicht ohne Bildung bleiben, man werde die bestmöglichen Bedingungen schaffen. Ihr Fazit klang dennoch defensiv – der größte Sieg dieses Schuljahres werde sein, es überhaupt durchzuführen. Klartext aus dem Bildungsministerium Bemerkenswert ist weniger die Bilanz als ihr Ton. Eine kubanische Ministerin, die vor der Presse Mangelquoten in Prozentzahlen ausbuchstabiert und Flexibilität bei der Uniformpflicht ankündigt, markiert eine Verschiebung: Der Anspruch, das Bildungssystem als Vorzeigeinstitution der Revolution zu präsentieren, ist der Verwaltung des Mangels gewichen.
Und offen ist, wie Unterricht bei 20 Stunden täglichem Stromausfall praktisch stattfinden soll. Die Antwort dürfte, wie im Vorjahr, Teilpräsenz heißen. Die Kriterienliste, nach der Schulen und Gemeinden für „bereit" erklärt werden, enthält bezeichnenderweise einen Punkt, der mit Pädagogik nichts zu tun hat: die Fortschritte beim Umbau der Energiematrix. Autor: Leon Latozke
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