Neues aus Kuba
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In seinem neuen Roman Morir en la arena zeichnet Leonardo Padura ein präzises Bild Kubas: Stromausfälle, Inflation und Exodus prägen den Alltag, während die politischen Strukturen unverändert bleiben. Er fordert eine tiefgreifende „chirurgische“ Wirtschaftsreform, um gesellschaftliche und politische Veränderungen zu ermöglichen.
21.11.2025 08:15 Uhr
Der kubanische Schriftsteller Leonardo Padura zeichnet in seinem neuen Roman Morir en la arena ein düsteres Bild der Gegenwart Kubas. Stromausfälle, Inflation und der Verlust gesellschaftlicher Perspektiven prägen den Alltag – eine Lage, die er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur EFE als „Multikrise“ bezeichnet. Kosmetische Maßnahmen reichten nicht mehr aus, so Padura. Statt kleiner „Pflasterchen“ brauche die kubanische Wirtschaft grundlegende „chirurgische“ Eingriffe. Nur tiefgreifende Reformen könnten gesellschaftliche und politische Veränderungen auslösen, die den Alltag der Menschen wieder erträglich machten.
Die Ausweglosigkeit spiegele sich im massiven Exodus wider. Einer der Erzähler des Romans bringt es auf den Punkt: Eine Lösung sei nicht in Sicht, weshalb immer mehr Menschen das Land verließen. Tatsächlich haben nach Schätzungen rund 1,2 Millionen Kubaner zwischen 2022 und 2024 die Insel verlassen – viele über die visafreie Route via Nicaragua, bevor sie weiter in Richtung USA oder inzwischen häufiger nach Brasilien zogen. Padura, der 2015 mit dem hoch angesehenen, als "Literatur-Nobelpreis" bekannten Prinzessin-von-Asturien-Preis ausgezeichnet wurde, bleibt dennoch in Havanna. Trotz schwindender Freiheiten sieht er für sich keine Alternative zum Verbleib auf der Insel. Nur wer die Realität täglich erlebe, könne sie literarisch verarbeiten. Seine Werke erscheinen jedoch seit Jahren nicht mehr in kubanischen Verlagen. Offiziell fehle Papier, tatsächlich herrsche aber wohl ebenso mangelnde Bereitschaft, kritische Stimmen zu publizieren. Die meisten Leser in Kuba greifen daher auf aus dem Ausland mitgebrachte Bücher oder digitale Raubkopien zurück. Die wirtschaftliche Not prägt auch das Straßenbild. Padura vergleicht die Situation mit Haiti – nicht hinsichtlich der Gewalt, sondern wegen der zunehmenden Verzweiflung, die in improvisiertem Straßenhandel und wachsender sozialer Unruhe sichtbar werde. Die kubanische Gesellschaft, so Padura, sei trotz politischer Kontinuität im Wandel. Der Zugang zum Internet habe Informationsmöglichkeiten erweitert, und die Lockerung früherer Ausreisebestimmungen habe die Migrationsdynamik noch verstärkt. Sein Roman greift zudem ein Thema auf, das Padura als kulturell tief verankert beschreibt: die auffällige Offenheit der Kubaner im Umgang mit Sexualität. Diese habe laut einem Figurenkommentar fast als „Überlebensstrategie“ gedient. Padura führt das auf eine karibische Kultur der Offenheit, das Klima und insbesondere die Verbreitung afro-kubanischer Religionen zurück, in denen das Konzept der Sünde kaum eine Rolle spielt. Für Padura bleibt die zentrale Frage jedoch die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Ohne strukturelle Veränderungen werde es nicht gelingen, die gesellschaftliche Stagnation zu überwinden und der Bevölkerung neue Perspektiven zu eröffnen. Seine Werke seien ein Versuch, diesen Schwebezustand – zwischen Hoffnung, Frustration und dem Bedürfnis nach tiefgreifender Veränderung – literarisch zu fassen. Autor: Leon Latozke
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