Neues aus Kuba
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26.07.2026 08:00 Uhr
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Kubas wichtigster Containerhafen verliert seinen internationalen Betreiber: Nach US-Sanktionen gegen Mariel zieht sich PSA International aus dem Kuba-Geschäft zurück.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: YouTube. Rechte beim Uploadenden.
Der Hafen von Mariel, seit 2014 das industrielle Prestigeprojekt der kubanischen Regierung, erleidet einen weiteren schweren Rückschlag. Der singapurische Hafenbetreiber PSA International hat Kuba aus seinem Verzeichnis internationaler Destinationen entfernt – nur wenige Tage, nachdem die USA die Container-Terminal-Gesellschaft des Hafens mit neuen Sanktionen belegt hatten.
Auslöser war eine Entscheidung des Office of Foreign Assets Control (OFAC), der Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums. Sie setzte am Donnerstag (23.) die Terminal de Contenedores de Mariel S.A. auf ihre schwarze Liste. Nach Auffassung der OFAC wird die Anlage direkt oder indirekt vom kubanischen Militärkonzern GAESA (Grupo de Administración Empresarial S.A.) kontrolliert – jenem undurchsichtigen Firmengeflecht, das weite Teile der kubanischen Wirtschaft dominiert, von Tourismus über Einzelhandel bis zum Devisenhandel. In derselben Sanktionsrunde traf es auch Coral Marítima S.A., ein Unternehmen der Reederei- und Hafengruppe GEMAR (Grupo Empresarial de Transporte Marítimo Portuario), die ebenfalls auf der US-Liste landete. Die Begründung der Behörde liest sich wie ein Lehrstück in Verschleierungstaktik: GAESA habe über seine Tochtergesellschaft den Hafen Mitte Juni in einer Transaktion an Coral Marítima übertragen – mit dem erklärten Ziel, die Sanktionen zu umgehen. Vom Vorzeigeprojekt zum Sanktionsopfer
Für den Hafen von Mariel ist der Rückzug von PSA ein weiterer Tiefschlag in einer langen Reihe von Rückschlägen. Die Anlage war 2014 als Herzstück der Sonderzone für Entwicklung Mariel (ZEDM) eröffnet worden und sollte Kuba zu einem regionalen Logistikzentrum machen – mit ambitionierten Plänen für Freihandel, ausländische Investitionen und moderne Containerumschlagskapazitäten.
PSA International hatte den Zuschlag für den Betrieb der Terminal im Jahr 2010 nach einer internationalen Ausschreibung erhalten. The Guardian berichtete damals, das Abkommen habe sich ausschließlich auf die Verwaltung des Hafens beschränkt; direkte Investitionen seitens PSA seien darin nicht vorgesehen gewesen. In den vergangenen Jahren hat sich die Terminal zu einem zentralen Knotenpunkt für den Warenverkehr nach Kuba entwickelt. Über Mariel liefen Schiffe mit Lebensmitteln, landwirtschaftlichen Produkten, Fahrzeugen und anderen Gütern, die in den USA und Drittländern eingekauft wurden. Private Unternehmer besonders betroffen
Experten warnen vor den praktischen Folgen der verschärften US-Sanktionen für die Handelslogistik. Die zunehmenden Sanktionen und der Druck auf Reedereien, Häfen sowie kubanische und ausländische Unternehmen zwingen demnach den gesamten Warenverkehr nach Kuba faktisch auf einen einzigen Transitweg über die Straße von Florida.
Dies trifft besonders die kubanischen Privatunternehmer hart: In Häfen weltweit liegen derzeit Tausende Container mit Waren fest, die vom kubanischen Privatsektor gekauft wurden, ohne ins Land gelangen zu können – oder sie werden zu umständlichen und teuren Umwegen gezwungen. Ein erheblicher Teil der Ware verdirbt dabei oder verteuert sich drastisch, was zu erheblichen Verlusten für private Unternehmen führt. Ein globaler Hafenbetreiber zieht sich zurück
PSA International zählt zu den größten Hafenbetreibern der Welt und verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 70 See-, Bahn- und Binnenland-Terminals in über 45 Ländern. Das Unternehmen ist auch in den USA präsent und betreibt Terminals in Argentinien, Panama, Kolumbien und Kanada.
In der Sonderzone Mariel sind derzeit 56 Unternehmen mit ausländischem Kapital aktiv, aus Ländern wie Spanien, Mexiko, Brasilien, Vietnam und den Niederlanden. Die jüngsten Sanktionen reihen sich ein in eine Kette von Maßnahmen, die seit 2019 unter Titel III des Helms-Burton-Gesetzes ergriffen wurden und bereits zu Klagen vor US-Gerichten gegen Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zum Hafen von Mariel geführt haben.
Der Rückzug von PSA International reiht sich ein in eine Serie ähnlicher Entscheidungen internationaler Schifffahrtsunternehmen. Bereits im Mai 2026 hatten die französische Reederei CMA CGM und ihr deutscher Konkurrent Hapag-Lloyd angekündigt, sämtliche Buchungen für Frachttransporte von und nach Kuba auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Beide Unternehmen begründeten den Schritt mit einer am 1. Mai erlassenen Executive Order der US-Regierung, die bestehende Sanktionen gegen die Insel deutlich verschärft hatte.
Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters könnten durch die Aussetzung der beiden Reedereien bis zu 60 Prozent des gesamten kubanischen Frachtverkehrsvolumens zum Erliegen kommen – ein potenziell verheerender Einschnitt für eine Wirtschaft, die bereits unter einer massiven Versorgungskrise und der US-Ölblockade leidet. Besonders betroffen wäre der Warenverkehr aus China sowie aus Nordeuropa und dem Mittelmeerraum. Auch hier spielte die Furcht vor Verwicklungen mit dem Militärkonglomerat GAESA eine zentrale Rolle bei der Entscheidung der Reedereien.
Quelle: Cubatrade (https://t1p.de/ab2p4)
Autor: Leon Latozke
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