Neues aus Kuba
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Die USA verschärfen ihren wirtschaftlichen Druck auf Kuba und nehmen gezielt die wichtigsten Devisenquellen des Landes ins Visier. Für die hochgradig importabhängige Insel verschärft sich damit eine ohnehin tiefe Wirtschafts- und Versorgungskrise. Der finanzielle Spielraum der Regierung in Havanna schrumpft weiter.
13.06.2026 07:32 Uhr
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Die wirtschaftliche Lage Kubas verschärft sich weiter. Die Vereinigten Staaten haben ihre Sanktionspolitik gegen Havanna deutlich intensiviert und zielen gezielt auf die wichtigsten Devisenquellen der Insel. Geldüberweisungen aus dem Ausland, der Tourismus, medizinische Auslandseinsätze und venezolanische Öllieferungen stehen gleichzeitig unter Druck. Für Kuba, das sich bereits in einer lang anhaltenden Wirtschafts- und Versorgungskrise befindet, verschärft sich die finanzielle Isolation weiter.
Die Strategie ist nicht neu, wurde unter Präsident Donald Trump jedoch erneut forciert. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte Trump Kuba wieder auf die US-Liste der Staaten, die den Terrorismus unterstützen. Diese Einstufung erschwert internationale Finanztransaktionen erheblich und hemmt Investitionen. Außenminister Marco Rubio, ein Vertreter der harten Kuba-Politik, treibt diesen Kurs konsequent voran. Ziel sei es, der Regierung in Havanna die wirtschaftlichen Grundlagen zu entziehen. Besonders einschneidend sind die Maßnahmen gegen Geldüberweisungen aus dem Ausland. Im Februar 2025 reaktivierte die US-Regierung die sogenannte „Restricted List“, die Geschäfte mit Unternehmen untersagt, die vom kubanischen Militär kontrolliert werden. In der Folge wurde der Betrieb von Orbit, dem kubanischen Partner von Western Union, eingestellt. Damit brach der einzige legale Kanal für Überweisungen von Exilkubanern praktisch zusammen. Offizielle Zahlen veröffentlicht die kubanische Zentralbank nicht, doch unabhängige Schätzungen gehen von jährlichen Überweisungen zwischen 1,8 und 2,1 Milliarden US-Dollar aus. Für viele Familien sind diese Gelder überlebenswichtig; zugleich stellen sie für den Staat eine zentrale Quelle harter Währung dar. Noch gewichtiger sind die Einnahmen aus der Entsendung medizinischer Fachkräfte ins Ausland. Kuba unterhält seit Jahrzehnten ein weit verzweigtes System von Ärzte- und Pflegeeinsätzen, vor allem in Lateinamerika, Afrika und der Karibik. Nach Untersuchungen von Menschenrechtsorganisationen behält der kubanische Staat dabei im Durchschnitt rund 85 Prozent der gezahlten Gehälter ein. Das US-Außenministerium beziffert die jährlichen Einnahmen aus diesen Dienstleistungen auf sechs bis acht Milliarden US-Dollar. Zeitweise machten sie mehr als 40 Prozent der gesamten kubanischen Exporterlöse aus. Washington kritisiert das Modell als ausbeuterisch und verhängte Visabeschränkungen gegen ausländische Regierungsvertreter, die solche Programme unterstützen, sowie gegen kubanische Diplomaten, die sie organisieren. Auch der Tourismus, lange eine tragende Säule der kubanischen Wirtschaft, ist stark geschwächt. Die USA halten an der Regel fest, dass Reisende, die Kuba besucht haben, vom vereinfachten ESTA-Einreiseverfahren ausgeschlossen sind. Dies hat insbesondere den europäischen Markt belastet. Hinzu kommen strukturelle Probleme: Versorgungsengpässe, Stromausfälle und ein spürbarer Qualitätsverlust im Dienstleistungssektor. Die Zahl der ausländischen Besucher sank von 4,7 Millionen im Jahr 2018 auf rund 1,8 Millionen im Jahr 2025. Zusätzlichen Druck erzeugt die Entwicklung im Verhältnis zu Venezuela. Seit 2006 hatte Kuba im Rahmen eines bilateralen Abkommens venezolanisches Erdöl erhalten und im Gegenzug medizinische und andere Dienstleistungen erbracht. Teile des Öls wurden weiterverkauft, um Devisen zu erwirtschaften. Nach der politischen Schwächung der venezolanischen Führung kündigte Washington an, diesen Ölfluss unterbinden zu wollen. Noch Mitte 2025 arbeiteten rund 13.000 kubanische Ärzte in Venezuela, ergänzt durch weiteres ziviles und sicherheitsrelevantes Personal. Für Kuba, das etwa 80 Prozent seiner Konsumgüter importieren muss, bedeutet die Kombination dieser Maßnahmen eine weitere Zuspitzung der Krise. Die Deviseneinnahmen schrumpfen, während die Importabhängigkeit hoch bleibt. Ob der wachsende wirtschaftliche Druck politische Veränderungen erzwingt oder vor allem die soziale Lage der Bevölkerung weiter verschlechtert, bleibt offen. Fest steht: Der finanzielle Handlungsspielraum der Regierung in Havanna wird zunehmend enger.
Quelle: Swissinfo/EFE (https://t1p.de/63002)
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