Neues aus Kuba
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Nach dem Einbruch der venezolanischen Ölexporte ist Mexiko für Kuba wichtiger geworden. Die USA scheinen dies zu akzeptieren. Für Havanna bedeutet der Nachschub vor allem eines: kurzfristige Hilfe in einer tiefen Energie- und Versorgungskrise.
20.01.2026 07:22 Uhr
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Kuba erhält seit einigen Monaten einen wachsenden Teil seines Treibstoffbedarfs aus Mexiko. Nach dem weitgehenden Zusammenbruch der venezolanischen Lieferungen ist das nordamerikanische Land zum wichtigsten aktuellen Öl- und Derivatezulieferer der Insel geworden. Nach Einschätzung des kubanischen Historikers Rafael Rojas wird dies jedoch nicht zu ernsthaften Spannungen mit den USA führen. Washington werde Mexiko wegen der Lieferungen nicht unter Druck setzen, da diese weder stabil noch strukturell seien, sagte Rojas in einem Interview mit der Nachrichtenagentur EFE.
Zwar gebe es vereinzelt politische Forderungen aus dem US-Kongress, etwa von Abgeordneten kubanischer Herkunft wie Carlos Giménez. Diese seien jedoch nicht Teil einer zentralen Strategie der US-Regierung gegenüber Mexiko. Die aktuellen Lieferungen unterschieden sich grundlegend von den früheren venezolanischen Ölexporten nach Kuba, die über Jahre hinweg einen festen Pfeiler der kubanischen Energieversorgung darstellten. Die mexikanischen Lieferungen seien dagegen „intermittierend“ und quantitativ begrenzt. Nach Schätzungen von Rojas liegen die Liefermengen deutlich unter 17.000 Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Venezuela hatte Kuba zeitweise mit rund 100.000 Barrel täglich versorgt. Auch das staatliche mexikanische Erdölunternehmen Pemex hat bislang keine offiziellen Zahlen veröffentlicht, trotz wiederholter Anfragen. Der US-Energieminister Chris Wright erklärte unterdessen, die Vereinigten Staaten hätten Mexiko bislang nicht aufgefordert, die Lieferungen an Kuba einzustellen. Der Kontext ist für Havanna entscheidend. Seit Mitte 2024 steckt Kuba in einer tiefen Energiekrise. Veraltete Kraftwerke fallen regelmäßig aus, gleichzeitig fehlen dem Staat die Devisen, um ausreichend Treibstoff auf dem Weltmarkt zu kaufen. Die Folge sind langanhaltende Stromausfälle, die Wirtschaft und Alltag massiv beeinträchtigen. Anfang Januar erreichte mit dem Tanker Ocean Mariner ein Schiff mit rund 86.000 Barrel mexikanischen Treibstoffs den Hafen von Havanna – ein Beitrag zur kurzfristigen Entlastung der angespannten Lage. Politisch knüpfen die Lieferungen an eine lange Tradition guter Beziehungen zwischen Mexiko und Kuba an, die bis zur kubanischen Revolution von 1959 zurückreichen. Zwar seien in den vergangenen Jahren mexikanische Investitionsprojekte auf der Insel zurückgegangen, so Rojas, der politische Rückhalt sei jedoch erhalten geblieben. Unter dem früheren Präsidenten Andrés Manuel López Obrador wurde zudem ein Modell etabliert, bei dem Mexiko vergünstigtes Öl liefert und im Gegenzug kubanische Ärzte beschäftigt. Rojas spricht in diesem Zusammenhang offen von subventionierten Lieferungen, da die Zahlungen letztlich vom mexikanischen Staat getragen würden. Die amtierende Präsidentin Claudia Sheinbaum wies zuletzt zurück, Mexiko habe seine Ölexporte nach Kuba ausgeweitet. Gleichzeitig räumte sie ein, das Land sei angesichts der venezolanischen Ausfälle zu einem „wichtigen Lieferanten“ geworden. Für die USA, so Rojas, dürfte Mexiko in anderen Politikfeldern – Migration, Grenzsicherung, Drogenbekämpfung – deutlich höhere Priorität haben als die begrenzten Öltransporte nach Kuba. Für Havanna bleibt das mexikanische Öl dennoch ein wichtiger, wenn auch unsicherer Rettungsanker in einer anhaltenden Energie- und Wirtschaftskrise.
Quelle: SwissinfåΩo/EFE (https://t1p.de/ex65y)
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