Neues aus Kuba
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Mexiko bestätigt Berichte über einen möglichen Stopp von Öllieferungen nach Kuba nicht und verweist auf nationale Souveränität. Präsidentin Claudia Sheinbaum betont historische Solidarität mit der Insel, während der politische Druck aus den USA wächst.
27.01.2026 23:30 Uhr
Abbildung: Claudia Sheinbaum in Santa Elena, 15.08.2025 von Presidencia de Guatemala, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
Die mexikanische Regierung hat Berichte über einen möglichen Stopp von Öllieferungen nach Kuba weder bestätigt noch dementiert. Präsidentin Claudia Sheinbaum bezeichnete die Entscheidung über Umfang und Zeitpunkt der Lieferungen als „souveräne“ Angelegenheit des mexikanischen Staates und des staatlichen Ölkonzerns Pemex. Anlass der Debatte ist ein Bericht der Finanzagentur Bloomberg, wonach Mexiko Mitte Januar geplante Lieferungen an die Karibikinsel ausgesetzt habe – mutmaßlich unter dem Eindruck politischen Drucks aus den USA.
Sheinbaum wich in ihrer täglichen Pressekonferenz einer klaren Stellungnahme aus. Mexiko entscheide eigenständig, ob Erdöl auf kommerzieller Basis oder aus humanitären Gründen nach Kuba geliefert werde. Diese Praxis bestehe seit vielen Jahren und sei kein spezifisches Merkmal der aktuellen Regierung. Pemex handle dabei im Rahmen bestehender Verträge oder auf Grundlage politischer Entscheidungen der Bundesregierung. Die Präsidentin verwies zugleich auf das seit Jahrzehnten bestehende US-Embargo gegen Kuba. Dieses habe erhebliche Versorgungsprobleme auf der Insel verursacht. Mexiko verstehe seine Politik gegenüber Havanna als Ausdruck historischer Solidarität und wolle an dieser Linie festhalten. Nach Darstellung der Regierung handelt es sich bei den gelieferten Mengen um einen vergleichsweise kleinen Teil der nationalen Ölproduktion. Gleichwohl ist die Unterstützung politisch umstritten. In Mexiko kritisieren oppositionelle Kräfte, die Regierung stütze mit den Lieferungen ein autoritäres System und setze damit die Beziehungen zu den USA aufs Spiel. Tatsächlich hat Mexiko seine Rolle als Energiepartner Kubas in jüngster Zeit deutlich ausgebaut. Das Land gilt inzwischen als wichtigster Lieferant von Erdöl und Treibstoffen für die Insel. Diese Entwicklung ist auch eine Folge der veränderten Lage in Venezuela. Nach der Festnahme von Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar brach ein zentraler Versorgungsweg für Kuba weg. Caracas hatte Havanna über Jahre hinweg zu Vorzugskonditionen mit Öl beliefert. Der Ausfall venezolanischer Lieferungen verschärfte die ohnehin angespannte Energiesituation auf der Insel erheblich. Vor diesem Hintergrund gewann Mexiko an Bedeutung. Mitte Januar erreichte der Tanker Ocean Mariner mit rund 86.000 Barrel Treibstoff aus Mexiko die Bucht von Havanna, wie das Energieinstitut der Universität von Texas bestätigte. Solche Lieferungen gelten als kurzfristig stabilisierend, ändern jedoch nichts an den strukturellen Problemen der kubanischen Wirtschaft. Beobachter sehen Kuba in einer tiefen Krise. Der Politologe Rojas spricht von der schwersten Situation seit der gescheiterten Invasion in der Schweinebucht 1961. Anders als in den frühen Jahren der Revolution fehle heute jedoch ein wirtschaftliches Entwicklungspotenzial. Das staatssozialistische Wirtschaftsmodell sei weitgehend unproduktiv, Deviseneinnahmen seien eingebrochen, und dem Staat fehlten die Mittel, um regelmäßig Treibstoff auf dem Weltmarkt zu kaufen. Die wirtschaftliche Misere hat auch gesellschaftliche Folgen. Über Jahrzehnte hinweg verließen mehr als 2,4 Millionen Kubaner das Land, viele von ihnen siedelten sich in den USA an. Nach den landesweiten Protesten vom 11. Juli 2021 halten einige Analysten einen grundlegenden politischen Wandel für kaum noch aufzuhalten, auch wenn dessen Verlauf offen ist. Mexikos Ölpolitik gegenüber Kuba bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen außenpolitischer Tradition, humanitärem Anspruch und geopolitischem Risiko. Ob die Lieferungen fortgesetzt, eingeschränkt oder ausgesetzt werden, bleibt unklar. Die Regierung in Mexiko-Stadt verweist auf ihre Souveränität – und lässt damit eine Frage offen, deren Bedeutung weit über die Energieversorgung Kubas hinausgeht.
Quelle: EFE (https://t1p.de/7npz7)
Autor: Leon Latozke
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