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Ein Bericht einer mexikanischen NGO sorgt für Aufsehen: Mexikos staatlicher Ölkonzern Pemex soll zwischen Mai und August 2025 Öl im Wert von rund drei Milliarden US-Dollar nach Kuba geliefert haben – deutlich mehr als bisher bekannt.
16.10 2025 07:04 Uhr
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Ein Bericht der mexikanischen NGO Mexicanos Contra la Corrupción y la Impunidad (MCCI) wirft Fragen über das Ausmaß der wirtschaftlichen Unterstützung Mexikos für Kuba auf. Nach Angaben der Antikorruptionsgruppe hat die staatliche Ölgesellschaft Pemex zwischen Mai und August 2025 Rohöl und Treibstoffe im Wert von rund drei Milliarden US-Dollar an die Insel geliefert. Die Daten basieren auf Zollunterlagen und Satellitentrackings und weisen 58 Lieferungen aus, die über die Pemex-Tochter Gasolinas Bienestar abgewickelt worden sein sollen.
Als Importeur wird überwiegend die kubanische Firma Coreydan S.A. genannt, die dem staatlichen Ölkonzern Unión Cuba-Petróleo (CUPET) zugeordnet ist. Nach Berechnungen von MCCI übersteigen die Lieferungen den Gesamtumfang der Öltransfers der Regierung López Obrador der vergangenen beiden Jahre um ein Mehrfaches. Brisant ist, dass laut dem Bericht ein Teil der Transporte über den Tanker Sandino erfolgte, der seit 2019 auf der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums steht. Sollte sich bestätigen, dass Pemex Geschäfte mit einem sanktionierten Schiff tätigte, drohen Mexiko wirtschaftliche und diplomatische Konsequenzen. Unklare Zahlen und widersprüchliche Angaben Pemex selbst hat bislang deutlich niedrigere Exportmengen angegeben. In einem Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC nannte der Konzern für das erste Halbjahr 2025 Lieferungen von täglich rund 17.900 Barrel Rohöl und 1.700 Barrel Ölprodukten an Kuba – im Gesamtwert von etwa 300 Millionen US-Dollar. Für Juli und August liegen keine veröffentlichten Zahlen vor. Energieexperte Jorge Piñón von der Universität Texas warnt vor einer Überbewertung der MCCI-Zahlen. Zollstatistiken würden regelmäßig revidiert, zudem fehle Kuba die Infrastruktur, um solch große Mengen zu lagern, so Piñón gegenüber dem Miami Herald. Sollten die Zahlen dennoch zutreffen, stelle sich die Frage, wohin das Öl gelangt sei – zumal die kubanische Regierung weiterhin auf Engpässe und massive Stromausfälle verweist. Kritik an Intransparenz und politischer Nähe MCCI bezeichnet die Öltransfers als „politisch motivierte Unterstützung eines autoritären Regimes“. Präsidentin Claudia Sheinbaum setze die Linie ihres Vorgängers López Obrador fort, habe die Lieferungen jedoch deutlich ausgeweitet. Während Pemex tief in der Krise steckt, würden öffentliche Ressourcen in milliardenschwerem Umfang nach Havanna fließen. Nach Angaben unabhängiger Prüfer entsprechen die Verluste des Unternehmens fast dem Wert der an Kuba gelieferten Mengen. Pemex lehnt bisher Auskünfte zu den Transaktionen ab. Die Geschäfte der Tochtergesellschaft Gasolinas Bienestar seien nicht öffentlich auskunftspflichtig, heißt es. Kritiker sprechen von mangelnder Transparenz und werfen der Regierung vor, politische Solidarität über wirtschaftliche Vernunft zu stellen. Außenpolitisch heikle Lage Der Bericht fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Mexiko und den USA. Die US-Regierung unter Donald Trump verschärft ihren Kurs gegenüber Havanna, während Mexiko traditionell enge Beziehungen zu Kuba pflegt. Nach Medienberichten hat Washington in den vergangenen Wochen Visa für mehrere mexikanische Regierungsbeamte annulliert. Ob dies im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Ölexporten steht, ist offen. Für Kuba sind die mexikanischen Lieferungen eine überlebenswichtige Unterstützung in einer anhaltenden Energiekrise. Für Mexiko hingegen bergen sie erhebliche politische und diplomatische Risiken. Der Fall verdeutlicht, wie eng beide Länder wirtschaftlich verflochten sind – und wie wenig Transparenz über die tatsächlichen Dimensionen dieser Verbindung besteht.
Quellen: Miami Herald (https://t1p.de/g63nw), Martí Noticias (https://t1p.de/qcv8v)
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Text: Leon Latozke
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