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Die neue US-Zölle gegen Länder, die Kuba mit Öl beliefern, verschärfen die ohnehin dramatische Energiekrise auf der Insel. Mexikos Präsidentin Sheinbaum warnt vor einer humanitären Krise auf der Insel. Stromausfälle, Treibstoffmangel und knappe Reserven bringen Kubas Grundversorgung an den Rand des Zusammenbruchs.
31.01.2026 06:30 Uhr
Abbildung: Claudia Sheinbaum bei öffentlichen Auftritt. Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Die ohnehin angespannte Versorgungslage auf Kuba droht sich weiter dramatisch zu verschärfen. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum hat vor einer möglichen humanitären Krise auf der Karibikinsel gewarnt, nachdem US-Präsident Donald Trump neue Strafzölle gegen Länder angekündigt hat, die Kuba mit Öl beliefern. Kuba leide bereits unter chronischem Treibstoffmangel, regelmäßigen Stromausfällen und einer immer fragileren Grundversorgung, so Sheinbaum.
Auslöser ist ein von Trump unterzeichnetes Dekret, mit dem die USA den nationalen Notstand ausgerufen und den rechtlichen Rahmen für Zölle auf Exporte von Ländern geschaffen haben, die Öl nach Kuba liefern. Ziel sei es, den politischen Druck auf die kommunistische Regierung in Havanna massiv zu erhöhen. Das Weiße Haus begründete den Schritt mit angeblichen Verbindungen Kubas zu Russland sowie zu Hamas und Hisbollah. Mexiko ist von der Maßnahme besonders betroffen. Seit 2025 gilt das Land als größter Öllieferant Kubas und hat damit Russland und Venezuela überholt. Sheinbaum kündigte an, ihre Regierung werde zunächst Gespräche mit dem US-Außenministerium suchen, zugleich aber nach Wegen suchen, um der kubanischen Bevölkerung humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Man wolle Solidarität zeigen, ohne Mexiko selbst zu gefährden, sagte sie. Die Präsidentin warnte ausdrücklich vor den unmittelbaren Folgen der US-Politik: Die Zölle könnten Krankenhäuser, die Lebensmittelversorgung und andere grundlegende Dienstleistungen auf Kuba direkt treffen. Schon jetzt ist die Lage prekär. Nach Schätzungen verfügt Kuba nur noch über Ölreserven für 15 bis 20 Tage, sollte der derzeitige Verbrauch anhalten. In vielen Regionen sind Stromausfälle von bis zu zwölf Stunden pro Tag zur Normalität geworden. Familien haben Schwierigkeiten zu kochen, da Gas knapp ist, und weichen zunehmend auf Holzkohle aus. Kuba weist die US-Maßnahmen scharf zurück. Präsident Miguel Díaz-Canel warf Trump vor, die Wirtschaft der Insel „ersticken“ zu wollen, und sprach von einem aggressiven Vorgehen, das auf rein eigennützigen Motiven beruhe. Die Situation habe sich zusätzlich zugespitzt, nachdem die USA zu Jahresbeginn Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro, einen wichtigen Verbündeten Havannas, festgesetzt und außer Landes gebracht hatten. Kurz darauf erklärte Trump öffentlich, es werde „kein Öl und kein Geld mehr für Kuba“ geben. Washington erhöht den Druck weiter. US-Vertreter ließen verlauten, dass sogar der Einsatz von Kanonenbooten vor Kuba erwogen werde. Zugleich arbeite man daran, kubanische Regierungsmitglieder zur Zusammenarbeit mit den USA zu bewegen. Der US-Diplomat Mike Hammer sprach offen davon, dass aus der lange beklagten „Blockade“ nun eine reale werde. Für Mexiko ist die Lage politisch heikel. Sheinbaum versucht, sich gegenüber der Trump-Regierung als verlässliche Partnerin in Handels- und Sicherheitsfragen zu positionieren, ohne den linken Flügel ihrer Partei Morena zu verprellen. Gleichzeitig drohen neue Spannungen mit Washington, das zuletzt auch mit einseitigen Militärschlägen gegen Drogenkartelle in Mexiko gedroht hat – ausgerechnet zu Beginn der Neuverhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen USMCA. Energieexperten warnen vor einer weiteren Eskalation. Sollten in den kommenden sechs bis acht Wochen keine nennenswerten Öl- oder Treibstofflieferungen eintreffen, stehe die kubanische Regierung vor einer schweren Krise. Die US-Zollpolitik könnte damit nicht nur geopolitische, sondern vor allem gravierende humanitäre Konsequenzen für die Bevölkerung der Insel haben.
Quelle: The Guardian (https://t1p.de/caezr)
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