Neues aus Kuba
Miami-Plakatkrieg: Kubanischer Milliardär investiert Millionen gegen Trumps Einwanderungspolitik7/8/2025
Michael B. Fernández, erfolgreicher Unternehmer und prominenter Philanthrop kubanischer Herkunft, geht in den politischen Widerstand: In Südflorida finanziert der 73-Jährige eine groß angelegte Plakatkampagne gegen die restriktive US-Einwanderungspolitik unter Donald Trump.
08.08.2025 00:00 Uhr
Abbildung: Anzeigen gegen die Einwanderungspolitik der Trump-Regierung. Screenshot von keepthemhonestnow.com
Miguel "Mike" B. Fernández ist in den USA kein Unbekannter. Der in Manzanillo, Kuba, geborene Unternehmer gehört zu den prominentesten Philanthropen der kubanisch-amerikanischen Community. Bekannt wurde er durch großzügige Spenden für medizinische Forschung und Bildungsprojekte. Jetzt aber tritt der 73-Jährige mit einer politischen Mission in die Öffentlichkeit: Seit Monaten finanziert er – bislang anonym – eine groß angelegte Plakatkampagne gegen die restriktive Einwanderungspolitik der US-Regierung unter Donald Trump. Nun hat sich Fernández entschieden, sein Engagement öffentlich zu machen.
Anlass für sein Outing waren mehrere Drohungen, die Fernández in den vergangenen Wochen erhalten hat. So fand er vor seinem Haus in Miami eine Tüte mit Hackfleisch und einem Zettel: „Wir wissen, dass du Hunde magst.“ Wenig später wurde er auf offener Straße verbal bedroht. Den Schneid abkaufen lässt sich Fernández damit nicht. „Ich werde mich nicht einschüchtern lassen“, zitiert ihn El País. „Wenn ich 10, 20 oder 30 Millionen Dollar in diesen Kampf investieren muss, dann werde ich das tun.“ Seit April lässt er Plakatwände in Südflorida aufstellen, die sich gegen prominente republikanische Kongressmitglieder richten, darunter Marco Rubio sowie die kubanischstämmigen Abgeordneten Mario Díaz-Balart, Carlos Giménez und María Elvira Salazar. Die Slogans auf den Plakaten sind deutlich: „Deporting immigrants is cruel“ – „Abschiebung von Immigranten ist grausam.“ Die Aktion zielt auf die harte Linie der republikanischen Migrationspolitik, die unter Trump weiter verschärft wurde. Fernández kritisiert besonders die geplanten Massenabschiebungen, Quoten für tägliche Verhaftungen und das Aussetzen humanitärer Schutzprogramme, die Hunderttausende Menschen in einen rechtlichen Schwebezustand versetzen. „Die Richtung, in die wir uns als Nation bewegen, widerspricht der Verfassung und der Art, wie man mich als Kind hier behandelt hat“, sagt er. Er übt insbesondere scharfe Kritik an den Verhältnissen in Südflorida. Die dortigen Abschiebezentren seien überfüllt, viele Inhaftierte hätten keine Vorstrafen. Fernández spricht von einer systematischen Entmenschlichung: „Diese Menschen verdienen das nicht. Sie sind ein Gewinn für unser Land – so wie einst die Iren, Italiener und andere Einwanderer.“ Dass ausgerechnet kubanischstämmige Politiker diese Linie mittragen, empört ihn besonders. Fernández selbst kam im Alter von zwölf Jahren in die USA, nachdem seine Familie vor dem kubanischen Regime fliehen musste. „Ich habe mein Zuhause, meine Familie, meine Sprache verloren“, sagt er. Die USA hätten ihm alles ermöglicht – aus Dankbarkeit diente er später in der US-Armee. „Dieses Land bedeutet mir mehr als vielen, die hier geboren wurden.“ Obwohl er früher den Republikanern nahestand und diese auch finanziell unterstützte, fühlt sich Fernández heute keiner Partei mehr zugehörig. „Ich bin kein Republikaner. Ich bin kein Demokrat. Ich bin Amerikaner – mit Werten“, erklärt er. Die aktuelle parteipolitische Landschaft bezeichnet er als korrupt und eigennützig. Beide Parteien würden nicht mehr im Interesse des Landes handeln. Fernández will nicht nur protestieren, sondern auch aktiv politische Veränderungen herbeiführen. Künftig plant er, politische Aktionskomitees zu unterstützen und gezielt Kandidaten zu fördern, die seinen Werten entsprechen. Vor allem die drei Kongressabgeordneten, die seine Plakataktion kritisiert, will er politisch ablösen. Sie hätten es versäumt, auf die Sorgen der Community zu hören und sich gegen unmenschliche Maßnahmen zu stellen. „Diese Leute sind machttrunken und haben ihren Rückgrat verloren“, so Fernández. „Sie mögen hart reden, aber das ist nur ein Deckmantel für ihre Feigheit.“ Ein politisches Amt strebt er bislang nicht an, will aber dabei helfen, „ernstzunehmende Persönlichkeiten“ zu finden, die für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit eintreten. Seine politische Motivation sei nicht materiell, sondern moralisch: „Ich habe 32 Firmen aufgebaut und verkauft. Geld ist für mich kein Thema. Prinzipien und Moral sind das, was zählt.“ Ob seine Investitionen konkrete Ergebnisse erzielen, sei ungewiss. Doch das halte ihn nicht davon ab, weiterzumachen. „Ich bin gesegnet worden im Leben“, sagt er. „Und ich werde alles investieren, was nötig ist, um meinen Standpunkt deutlich zu machen.“ Fernández’ Vorstoß bringt Bewegung in die politische Debatte Südfloridas, einem der wichtigsten Schauplätze der US-Einwanderungspolitik. Sein Beispiel zeigt, dass Teile der kubanisch-amerikanischen Community nicht bereit sind, die harte Linie der Republikaner widerspruchslos mitzutragen. Ob aus dem politischen Philanthropen ein politischer Akteur wird, bleibt abzuwarten. Dass er bereit ist, für seine Überzeugungen tief in die Tasche zu greifen, hat er jedenfalls deutlich gemacht.
Quelle: EL PASÍS (https://t1p.de/3b8ki)
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |

RSS-Feed