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Präsident Díaz-Canel bietet den USA Gespräche „über jedes Thema“ an, fordert aber Respekt und Nichteinmischung. Zugleich bereitet sich Kuba militärisch auf mögliche Bedrohungen vor.
05.02.2026 22:00 Uhr
Abbildung: Der kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel bei einer Fernsehansprache am Donnerstag in Havanna. Quelle: Youtube https://t1p.de/d4f0z
Kuba zeigt sich erneut offen für Gespräche mit den Vereinigten Staaten – knüpft diese jedoch an klare Bedingungen. Präsident Miguel Díaz-Canel erklärte in einer seltenen Fernsehansprache an Donnerstag (4.) , Havanna sei bereit zu einem Dialog mit Washington „über jedes Thema“, sofern dieser auf gegenseitigem Respekt, Anerkennung der Souveränität und ohne Einmischung in innere Angelegenheiten geführt werde. Ziel sei der Aufbau „einer zivilisierten nachbarschaftlichen Beziehung“ zum gegenseitigen Nutzen.
Wie Díaz-Canel ausführte, könne ein solcher Austausch Felder wie Migration, Sicherheit, den Kampf gegen Drogenhandel und Terrorismus, Umweltfragen sowie wissenschaftliche Zusammenarbeit umfassen. Voraussetzung sei jedoch eine Gesprächsbasis, die die Selbstbestimmung Kubas anerkenne. Themen, die aus Sicht der Regierung in Havanna als Einmischung zu verstehen seien, schloss der Präsident ausdrücklich aus. Es ist nicht das erste Mal, dass Díaz-Canel eine solche Linie formuliert. Bereits Mitte Januar hatte er in sozialen Netzwerken erklärt, Kuba sei zu einem „ernsten und verantwortungsvollen Dialog“ auf der Grundlage souveräner Gleichheit, gegenseitigen Respekts und völkerrechtlicher Prinzipien bereit. Die aktuellen Aussagen fallen jedoch in eine Phase deutlich erhöhter Spannungen zwischen beiden Ländern. Hintergrund ist insbesondere die jüngste Eskalation in der Region nach einer US-Militäroperation in Venezuela, die zur Festnahme von Präsident Nicolás Maduro führte. Kuba wertet das Vorgehen als schwere Bedrohung für die regionale Stabilität – und indirekt auch für die eigene Sicherheit. In diesem Kontext kündigte Díaz-Canel an, Kuba habe einen „Plan zur Vorbereitung auf die Verteidigung“ aktiviert. Der kubanische Staatschef bezeichnete diese Maßnahmen als „souveräne Pflicht“ angesichts einer aus seiner Sicht wachsenden Aggressivität der Vereinigten Staaten in Lateinamerika. Bereits am 18. Januar habe der Nationale Verteidigungsrat Pläne und Maßnahmen gebilligt, die den Übergang in einen möglichen „Kriegszustand“ vorbereiten sollen. Seitdem finden nach Angaben der Regierung wöchentlich Militärübungen statt. Der Verteidigungsansatz stützt sich auf das seit den 1980er-Jahren propagierte Konzept der „Guerra de todo el pueblo“ („Krieg des ganzen Volkes“), das auf eine umfassende Mobilisierung der Bevölkerung im Falle einer äußeren Bedrohung setzt. Laut Díaz-Canel reicht die Vorbereitung von der kommunalen Ebene bis in die nationale Führung. Gleichzeitig wies der Präsident zurück, dass derzeit konkrete Gespräche mit Washington geführt würden. Damit widersprach er wiederholt geäußerten Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der Havanna zuletzt öffentlich aufgefordert hatte, „ein Abkommen zu schließen, bevor es zu spät ist“. Auch der stellvertretende kubanische Außenminister Carlos Fernández de Cossío hatte erklärt, es gebe keine gemeinsam ausgearbeitete Verhandlungsagenda mit den USA. Auf amerikanischer Seite stellt sich die Lage anders dar. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, erklärte, Präsident Trump sei grundsätzlich zur Diplomatie bereit und diese finde „tatsächlich mit der kubanischen Regierung statt“. Zugleich forderte sie Havanna zu „vorsichtigen“ öffentlichen Äußerungen auf und bezeichnete die wirtschaftliche und politische Lage auf der Insel als äußerst fragil. Zusätzlichen Druck erzeugt die Energiefrage. Venezuela war in den vergangenen Jahren einer der wichtigsten Öllieferanten Kubas. Experten schätzen, dass das Land täglich rund 110.000 Barrel benötigt, um seinen Energiebedarf zu decken; etwa 30.000 Barrel sollen 2025 aus Venezuela gekommen sein. Der Wegfall dieser Lieferungen trifft die Insel schwer. Ende Januar verschärfte Washington den Kurs weiter, indem Trump eine Anordnung unterzeichnete, die mit Handelszöllen gegen Länder droht, die Kuba mit Erdöl beliefern. Damit entsteht ein widersprüchliches Bild: Während Havanna öffentlich Gesprächsbereitschaft signalisiert, gleichzeitig aber Verteidigungsmaßnahmen intensiviert, betont Washington sowohl seine Verhandlungsbereitschaft als auch den wirtschaftlichen und politischen Druck. Ob daraus tatsächlich ein strukturierter Dialog entsteht – oder die Konfrontation weiter zunimmt –, bleibt vorerst offen.
Quelle: EFE (https://t1p.de/mfyt9)
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