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Die italienische Region Molise steht vor einem akuten Ärztemangel und will diesem nun mit Unterstützung aus Kuba begegnen. Nach dem Vorbild Kalabriens sollen kubanische Mediziner die Versorgung in Krankenhäusern sichern, die seit Jahren unter Unterbesetzung leiden.
26.08.2025 16:17 Uhr
Die italienische Region Molise will kubanische Ärzte einsetzen, um den akuten Mangel an medizinischem Personal zu überbrücken. Wie Regionalpräsident Francesco Roberti mitteilte, habe die Regionalregierung dazu ein Abkommen mit der kubanischen Botschafterin in Italien, Mirta Granda Averhoff, geschlossen. Damit orientiert sich Molise am Nachbar Kalabrien, wo bereits seit drei Jahren Hunderte kubanische Ärzte tätig sind und deren Arbeit von den örtlichen Kliniken überwiegend positiv bewertet wird.
Ein Gesundheitswesen am Limit In Molise fehlen nach Angaben der Behörden mindestens 100 Mediziner verschiedener Fachrichtungen, vor allem in den ländlichen Gebieten und in den Notaufnahmen. Besonders prekär ist die Situation im Krankenhaus Veneziale von Isernia, der zweitgrößten Stadt der Region, wo Ärzte regelmäßig Überstunden leisten müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Im Caracciolo-Krankenhaus von Agnone, einer kleinen Stadt nahe der Grenze zu den Abruzzen, sind nur noch die Notaufnahme und die innere Medizin in Betrieb; weitere Abteilungen stehen vor der Schließung. In Bojano wiederum können die medizinischen Notdienste kaum noch besetzt werden. Ein Bericht der italienischen Zentralbank hatte jüngst auf die strukturellen Probleme hingewiesen: Seit über einem Jahrzehnt verlassen Ärzte und Pflegekräfte den öffentlichen Gesundheitsdienst der Region. Gründe seien mangelnde berufliche Perspektiven, prekäre Arbeitsbedingungen und niedrige Gehälter. Bereits in der Vergangenheit hatte Molise versucht gegenzusteuern – etwa durch die Rückkehr pensionierter Ärzte, durch Verträge mit Gesundheitseinrichtungen außerhalb der Region oder sogar durch die Anwerbung venezolanischer Mediziner während der Corona-Pandemie. Das Modell Kalabrien Roberti betonte, man wolle die positiven Erfahrungen aus Kalabrien nutzen. Dort wurde im Juli 2022 ein Abkommen mit Kuba geschlossen, das die Entsendung von knapp 500 Ärzten vorsah. Der Vertrag wurde im Dezember 2024 um zwei Jahre verlängert. Nach Einschätzung vieler Klinikleitungen haben die kubanischen Fachkräfte die Versorgung spürbar stabilisiert. Molise erhofft sich von der Vereinbarung eine ähnliche Entlastung. Noch ist allerdings offen, wie viele Ärzte konkret nach Italien kommen und wann sie ihren Dienst antreten werden. Kritik am "Notbehelf" Nicht alle teilen den Optimismus der Regionalregierung. Der Gewerkschaftsverband UGL Salute kritisiert den Schritt als „bloße Notlösung“, die die strukturellen Probleme des italienischen Gesundheitssystems nicht behebe. „In einem Land wie Italien darf es nicht sein, dass man auf ausländische Ärzte setzt, statt in das eigene Personal zu investieren“, erklärte Generalsekretär Gianluca Giuliano. Nötig seien feste Verträge, bessere Arbeitsbedingungen, angemessene Bezahlung und echte Perspektiven für italienische Mediziner, um deren Abwanderung ins Ausland oder in den privaten Sektor zu stoppen. Auch Roberti räumt Versäumnisse der Vergangenheit ein. Er spricht von einer verfehlten Planung, die durch die Zentralisierung der regionalen Gesundheitsverwaltung höhere Kosten, aber keine bessere Versorgung gebracht habe. „Hier hat das System an die Kaste und nicht an die Zukunft gedacht“, sagt der Regionalpräsident rückblickend. Seine Regierung setze nun auch auf den Ausbau der medizinischen Fakultät der Universität von Molise, um langfristig eigenes Fachpersonal auszubilden. In den kommenden fünf Jahren sollen neue Jahrgänge von Fachärzten direkt in den regionalen Krankenhäusern eingesetzt werden. Kubas Rolle als medizinischer Partner Für Kuba bestätigt die Vereinbarung einmal mehr seine Rolle als international gefragter Anbieter medizinischer Dienstleistungen. Die kubanische Regierung entsendet seit Jahrzehnten Ärzte ins Ausland – sowohl in Entwicklungsländer als auch in wohlhabendere Staaten wie Italien. Während Havanna dadurch dringend benötigte Devisen einnimmt, profitieren die Partnerländer kurzfristig von qualifiziertem Personal, das in Krisenzeiten Engpässe abfedern kann.
Quelle: Il Fatto Quotidiano (https://t1p.de/69dae), EFE (https://t1p.de/zt4b7)
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Text: Leon Latozke
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