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03.09.2026 07:00 Uhr
Wer übernimmt Kubas leerstehende Hotels? Nach dem Rückzug spanischer Ketten richten sich die Blicke auf US-Unternehmen. Ein Experte nennt die Voraussetzungen – von Eigentumsrecht bis Arbeitsstandards.
Neun Millionen Besucher zählte die Dominikanische Republik im Jahr 2025, Kuba knapp 1,8 Millionen. Zwischen den beiden karibischen Nachbarn liegt damit nicht nur Meerwasser, sondern eine Kluft, die sich in den vergangenen Jahren stetig vergrößert hat – während zugleich die großen ausländischen Hotelbetreiber der Insel den Rücken kehren. Für den spanischen Branchenexperten Ivar Yuste ist genau dieser Umbruch jedoch kein reines Krisensignal, sondern womöglich der Auftakt zu einer neuen Phase des kubanischen Tourismusmarkts.
Kapital als Nadelöhr
Yuste, Präsident der International Society of Hospitality Consultants (ISHC) und Partner bei PHG Hotels & Resorts, benennt in einem Beitrag für das Fachmedium Hotel Management zunächst das eigentliche Kernproblem: Kapital. Ein Großteil der kubanischen Hotelinfrastruktur, deren Betrieb inzwischen überwiegend bei staatlichen kubanischen Unternehmen liegt, gilt nach Jahren unzureichender Instandhaltung als sanierungsbedürftig. Um Häuser auf das Niveau großer US-Marken zu heben, wäre nach seiner Einschätzung ein umfangreiches Investitionsprogramm notwendig – eines, für das bislang weder klare Investoren noch ein verlässlicher rechtlicher Rahmen in Sicht sind.
Denn Kapital allein reicht nicht. Damit US-Unternehmen überhaupt in Kuba einsteigen könnten, brauche es nach Yustes Analyse Rechtssicherheit über Vermögenswerte, Klarheit bei Eigentumsfragen und funktionierende Mechanismen zur Kapitalrepatriierung. Gerade große US-Konzerne mit Vorständen und institutionellen Aktionären tolerierten regulatorische Unsicherheit deutlich schlechter als die eher familiengeführten europäischen Gruppen, die bislang auf der Insel aktiv waren. Hinzu kommt aus Yustes Sicht ein zweiter, oft unterschätzter Faktor: Arbeit. Internationale Hotelketten benötigten verlässliche Lohn- und Arbeitsstandards, um die mit ihrer Marke verbundene Servicequalität überhaupt gewährleisten zu können. Ohne solche Bedingungen für die Beschäftigten sei ein konsistentes Gästeerlebnis kaum zu organisieren – ein Punkt, der aus seiner Sicht die weitreichendsten Folgen für das kubanische Wirtschaftsgefüge hätte, sollte es tatsächlich zu einem verstärkten Engagement amerikanischer Marken kommen. Wie der Ausstieg der Spanier möglich wurde
Dass Meliá, Iberostar und Barceló ihren Rückzug so vergleichsweise schnell vollziehen konnten, lag an einer strukturellen Besonderheit des kubanischen Marktes: Der Staat blieb durchweg Eigentümer der Hotelimmobilien, während die ausländischen Ketten sie lediglich im Rahmen von Managementverträgen betrieben. Finanziell war der Ausstieg dadurch für die spanischen Unternehmen deutlich leichter zu verkraften, als es ein Verkauf eigener Immobilien gewesen wäre.
Das Ausmaß des Rückzugs ist dennoch beträchtlich: Nach Yustes Zahlen kontrollierten die inzwischen abgezogenen internationalen Ketten zusammen rund 46 Prozent der kubanischen Hotelzimmer, die spanischen Gruppen allein etwa 40 Prozent. Bei mehr als 80.000 Hotelzimmern auf der Insel – knapp 18 Prozent davon in Havanna – ist das ein erheblicher Anteil. Meliá betrieb zuletzt mehr als 35 Hotels mit rund 14.000 Zimmern, Iberostar etwa 20 Häuser mit rund 7.000 Zimmern. Eine Lücke mit Adresse
Genau in dieser Größenordnung liegt für Yuste der eigentliche Hinweis auf die künftige Richtung des Marktes. Ein Anteil von rund 40 Prozent des gesamten Hotelangebots eines Landes ist keine Randerscheinung, sondern eine kritische Masse – ein Marktsegment, dessen Verlust sich nicht durch schrittweise Anpassungen kompensieren lässt, sondern eine strukturelle Neuordnung erzwingt. Genau diese Größenordnung, so Yustes Argumentation, mache es unplausibel, den Rückzug der spanischen Ketten als bloßes Nebenprodukt politischer Spannungen zu verstehen. Wer Betreiber verdrängt, die einen derart zentralen Teil der touristischen Infrastruktur eines Landes verwalten, handle nicht ohne Plan für das, was danach kommt.
Yuste geht dabei einen Schritt weiter als eine rein wirtschaftliche Lesart: Die Verdrängung ergebe seiner Ansicht nach nur dann Sinn, wenn am Ende tatsächlich US-amerikanische Marken die freiwerdenden Positionen einnehmen sollen. Der Rückzug der Spanier wäre demnach nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck – eine Marktbereinigung, die Raum für andere Akteure schafft, statt ihn dauerhaft leer zu lassen. Vor diesem Hintergrund erhält auch die aktuelle politische Konstellation eine andere Bedeutung. Washington hat in den vergangenen Monaten den Druck auf Unternehmen erhöht, die Geschäftsbeziehungen zum kubanischen Militärkonglomerat GAESA sowie zum kubanischen Tourismusministerium unterhalten – eine Politik, die europäische Hotelbetreiber unmittelbar zu treffen begann, da viele ihrer Verträge über genau diese staatlichen Strukturen liefen. Yuste liest diesen verschärften Kurs entsprechend weniger als generelles Rückzugssignal für den internationalen Tourismus in Kuba insgesamt. Vielmehr deutet er ihn als gezielte Umbauphase: Nicht der Tourismus als solcher solle zurückgedrängt werden, sondern die bisherige Konstellation von Akteuren – zugunsten einer neuen, in der US-Unternehmen eine deutlich größere Rolle spielen könnten, sobald die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. Ein Déjà-vu aus der Obama-Ära
Dass Kuba trotz Infrastrukturverfalls und akutem Einbruch der Besucherzahlen überhaupt als Ziel für einen möglichen US-Einstieg gehandelt wird, hat einen historischen Vorläufer. Gegen Ende der Obama-Administration, während der kurzen Annäherung zwischen Havanna und Washington, galt die Insel bereits einmal als möglicher Konkurrent der Dominikanischen Republik um die touristische Führungsrolle in der Region. Yuste selbst verwaltete Mitte der 2000er-Jahre ein Hotelportfolio in Kuba und finanzierte während der Obama-Jahre ein touristisches Immobilienprojekt auf der Insel – seine heutige Einschätzung speist sich also auch aus eigener Erfahrung mit einem Markt, der schon einmal kurz vor der Öffnung zu stehen schien und dann wieder zurückfiel.
Als mögliche Trümpfe für eine erneute Annäherung nennt er die geografische Nähe zu den USA – dem weltweit größten touristischen Herkunftsmarkt – sowie Potenzial in Segmenten wie Zweitwohnsitzen und markengebundenen Residenzen. Ob sich daraus tatsächlich ein Markteintritt US-amerikanischer Ketten entwickelt, hängt jedoch weiterhin an denselben Bedingungen, die Yuste eingangs als Hürden benennt: Rechtssicherheit, geklärte Eigentumsverhältnisse, funktionierende Kapitalrepatriierung und eine neue Arbeitsstruktur. Solange diese fehlen, bleibt die Lücke, die die spanischen Ketten hinterlassen haben, vor allem eines – offen.
Quelle: <OnCuba News, Hotel Management
Autor: Leon Latozke
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