|
29.09.2026 09:00 Uhr
Kubanische Forscher melden einen Erfolg gegen die Spätfolgen der Chikungunya-Epidemie. In einer Phase-3-Studie mit 300 Patienten soll das Präparat Jusvinza des Biotech-Zentrums CIGB bei vier von fünf Behandelten die Gelenkentzündungen deutlich gelindert haben.
Abbildung: KI-generiertes Symbolbild für die Behandlung chronischer Arthritis nach Chikungunya
Kubanische Wissenschaftler haben die Ergebnisse einer klinischen Phase-3-Studie zum Wirkstoff Jusvinza vorgelegt. Die Studie untersuchte Patienten, die nach einer Chikungunya-Infektion an anhaltender Arthritis leiden. Präsentiert wurden die Daten bei einem der regelmäßigen Treffen von Staats- und Parteichef Miguel Díaz-Canel mit Wissenschaftlern und Gesundheitsexperten. Díaz-Canel bezeichnete die Ergebnisse dabei als Beispiel für die großen Leistungen, die das Land in schwierigen Zeiten vollbringe.
Das Präparat stammt vom Zentrum für Gentechnik und Biotechnologie (CIGB) in Havanna. Nach Angaben der Entwickler handelt es sich um ein synthetisches Peptid aus 27 Aminosäuren, das von einem menschlichen Hitzeschockprotein abgeleitet ist und früher unter den Codes CIGB-814 und CIGB-258 geführt wurde. Es solle überschießende Entzündungsreaktionen dämpfen, ohne das Immunsystem insgesamt zu unterdrücken. Studiendesign und Ergebnisse An der Studie mit dem Namen Fénix-3 nahmen 300 Patienten teil. Jeder von ihnen erhielt über 45 Tage neun Dosen des Medikaments unter die Haut gespritzt. Rund 90 Prozent der Teilnehmer befanden sich im chronischen Stadium der Erkrankung. Die Behandlungen begannen Mitte März 2026 an zwei Standorten in Havanna: am Klinikum Diez de Octubre, der nationalen Referenzeinrichtung für die Behandlung von Arthritis, und an der Klinik 1 im Stadtbezirk La Lisa. Die Forscher hatten vorab angenommen, dass nach 45 Tagen mehr als 70 Prozent der Patienten eine Remission oder eine niedrige Krankheitsaktivität erreichen würden. Der Vorsprung gegenüber einer historischen Kontrollgruppe sollte mindestens 25 Prozentpunkte betragen. Julio Baldomero Hernández, Leiter der klinischen Forschung am CIGB, berichtete von besseren Werten: 80 Prozent der Patienten (240 von 300) hätten nach 45 Tagen eine Remission oder niedrige Krankheitsaktivität erreicht, der Abstand zur historischen Kontrolle liege bei mehr als 45 Prozent. Bei der Nachuntersuchung in der zwölften Woche habe der Anteil der Patienten mit Remission oder geringer Krankheitsaktivität 86,7 Prozent betragen. Die Wirkung habe also angehalten. Mehr als 95 Prozent der Patienten hätten zudem weniger Einschränkungen im Alltag gehabt, in Woche zwölf seien es über 97 Prozent gewesen. Zur Sicherheit gaben die Entwickler an, es seien weder schwere noch mittelschwere Nebenwirkungen aufgetreten, sondern nur leichte. Die meisten davon hätten keine Behandlung erfordert. Keine gleichzeitig behandelte Vergleichsgruppe Für die Bewertung der Studie ist entscheidend, womit die Ergebnisse verglichen werden. Die Forscher stellen die 86,7 Prozent dem Wert von 50 Prozent gegenüber, der in früheren Studien und unter konventioneller Therapie beobachtet wurde. Dabei handelt es sich um historische Vergleichswerte, nicht um eine Gruppe, die im selben Zeitraum eine andere Behandlung erhielt. In der internationalen Arzneimittelforschung gelten solche Vergleiche als weniger aussagekräftig als randomisierte, kontrollierte Studien. Ein Grund dafür ist, dass chronische Chikungunya-Beschwerden bei einem Teil der Patienten auch ohne spezielle Behandlung mit der Zeit nachlassen. Die vorausgegangenen Studien waren anders aufgebaut. Im Dezember 2025 begann am Provinzkrankenhaus Faustino Pérez in Matanzas eine Studie mit 120 Patienten, die seit mehr als drei Monaten Gelenkbeschwerden hatten. Sie wurden in zwei Gruppen zu je 60 Personen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt Jusvinza zusätzlich zur Standardtherapie, die andere nur die übliche Behandlung. Die Studienautoren erklären, alle drei Studien hätten eine Überlegenheit gegenüber der konventionellen Therapie gezeigt, mit schnellerer und länger anhaltender Wirkung. Zulassung steht aus Offizielle Stellen betonen selbst, dass die Ergebnisse nicht ausreichen, um das Mittel breit einzusetzen. Weil die Untersuchung bisher nur die Studienphasen umfasse, sei eine allgemeine Anwendung noch nicht zulässig. Die Autoren prüfen demnach, bei der nationalen Arzneimittelbehörde Cecmed eine Zulassung für diese Anwendung zu beantragen. Zudem schlagen sie vor, die Fénix-3-Ergebnisse in die nationalen Behandlungsleitlinien für Arthritis nach Chikungunya aufzunehmen. Jusvinza ist in Kuba kein neues Präparat. Es wurde ursprünglich gegen rheumatoide Arthritis und andere Autoimmunerkrankungen entwickelt und besitzt eine Notfallzulassung für die Behandlung schwerer Covid-19-Verläufe, bei denen es übermäßige Entzündungsreaktionen in der Lunge bremsen soll. Auch beim Guillain-Barré-Syndrom wurde es untersucht, dort allerdings erst in einer vorläufigen Auswertung. Hintergrund: die Epidemie 2025 Die Studien sind eine Folge der schweren Chikungunya-Welle, die Kuba seit dem Sommer 2025 erfasst hat. Der erste Ausbruch wurde Ende Juli 2025 in Matanzas bestätigt. Bis Ende Dezember meldeten die Behörden rund 80.000 Infektionen mit Dengue und Chikungunya und mindestens 55 Todesfälle, vor allem unter Kindern und Jugendlichen. Die tatsächliche Zahl der Erkrankten dürfte höher liegen, auch weil Tests fehlen, um Dengue und Chikungunya sicher zu unterscheiden. Chikungunya verursacht häufig Gelenkschmerzen, die monatelang anhalten können. Für viele Betroffene bedeutet das Arbeitsausfall und dauerhafte Einschränkungen. Auch international wird die kubanische Epidemie beobachtet: Bei einem Webinar der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPS) am 22. September 2026 berichtete Guadalupe Guzmán vom Instituto de Medicina Tropical Pedro Kourí (IPK) über Laborbefunde aus der jüngsten Epidemie in Kuba.
Quellen: Outbreak News Today, Granma, Presidencia de Cuba, Infomed, Directorio Cubano, Escambray, Netzwerk Cuba, 14ymedio, OPS, YouTube
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed