Neues aus Kuba
Nach erneutem Blackout: Kubas Energieminister verspricht Rückkehr zur „energetischen Souveränität"15/7/2026
15.07.2026 08:00 Uhr
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Kubas Energieminister Vicente de la O Levy Details zur Wiederherstellung des Systems bekanntgegeben. Während einzelne Stadtteile Havannas bereits wieder Strom erhalten, drohen neue Verzögerungen.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Kubas Energie- und Bergbauminister Vicente de la O Levy hat am Dienstag (14.) über die laufenden Maßnahmen zur Wiederherstellung des Nationalen Elektroenergiesystems (SEN) informiert. Um 11:05 Uhr Ortszeit war das Stromnetz erneut vollständig zusammengebrochen – der fünfte landesweite Blackout des Jahres 2026 und bereits der achte seit Oktober 2024.
Gegenüber regierungsnahen Medien wie Cubadebate erklärte der Minister, dass mehrere Anlagen bereits wieder mit Strom versorgt würden, während Brigaden vom Westen des Landes aus in Richtung weiterer Kraftwerke vorrückten. Er wies zugleich Vorwürfe zurück, wonach der Kollaps auf Bedienfehler oder den Verlust von Fachpersonal bei der staatlichen Stromgesellschaft Unión Eléctrica zurückzuführen sei. Die Beschäftigten verfügten über die notwendige technische Ausbildung und arbeiteten in langen Schichten an der Wiederherstellung, so de la O Levy. „Es waren keine Bedienfehler", betonte er – auch wenn er einräumte, dass in den vergangenen Jahren tatsächlich Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hätten. Kettenreaktion nach Netzschwankungen
Nach Darstellung des Ministers begann der Ausfall mit Schwankungen im nationalen Netz, die zum Abschalten eines Generatorblocks führten. In der Folge trennten sich weitere Kraftwerke nacheinander vom Netz, bis es zum vollständigen Zusammenbruch kam.
Zum Zeitpunkt der Erklärung liefen bereits Einheiten des Kraftwerks Energás Boca de Jaruco, und der Strom hatte Santa Cruz del Norte erreicht, wo die Vorbereitungen zum Hochfahren des dortigen Wärmekraftwerks begannen. Auch in Havannas Umspannwerken machte die Wiederherstellung Fortschritte: Erste Stadtteile der Hauptstadt erhielten wieder Strom, und das System erreichte die Gemeinde Cotorro, wo kürzlich installierte Batterien zur Frequenzregulierung des Netzes beitrugen. Als nächstes Ziel nannte der Minister Varadero, von wo aus die Techniker anschließend die Kraftwerke von Cienfuegos sowie später Nuevitas und Felton wieder hochfahren wollten. Neue Sorge um das Kraftwerk Guiteras
Deutlich problematischer stellt sich die Lage am Wärmekraftwerk Antonio Guiteras dar, der wichtigsten Erzeugungseinheit des Landes. Nach Angaben des Ministers weist der Kessel der Anlage eine strukturelle Schwäche auf; die Abschaltung habe offenbar ein Leck verursacht. Die Techniker müssen zunächst abwarten, bis sich die Anlage abgekühlt hat, um das Schadensausmaß bewerten zu können. Erst danach lässt sich sagen, ob die Reparatur zwei, drei, vier Tage oder länger dauern wird.
US-Sanktionen und marode Infrastruktur
Der Minister machte erneut die US-Sanktionen für die prekäre Lage des Stromsektors verantwortlich und verwies auf Treibstoffmangel sowie Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ersatzteilen für Wärmekraftwerke und Energás-Anlagen.
Zugleich offenbarten seine Ausführungen erhebliche hausgemachte Probleme: Eine Stichprobe von 1.500 Transformatoren in Havanna ergab, dass 755 von ihnen über dem empfohlenen Niveau überlastet waren. Die Hauptstadt verfügt über insgesamt rund 33.000 Transformatoren – hochgerechnet könnten damit etwa 13.000 Geräte im Land unter Überlastung arbeiten, was die Ausfallquote bei der Wiederherstellung nach längeren Blackouts erhöht. Um dem entgegenzuwirken, sollten am Mittwoch 15 Brigaden aus anderen Provinzen in Havanna eintreffen. Sie sollen an der Aufteilung von Stromkreisen, der Kapazitätserhöhung und dem Austausch von Transformatoren gegen leistungsstärkere Modelle arbeiten. Die Regierung ordnete zudem an, die Produktion entsprechender Geräte in der Hauptstadt zu verdoppeln. Der Minister räumte ein, dass die zuständigen Elektriker häufig bis 2, 3 oder 4 Uhr morgens arbeiteten und nur wenige Stunden später ihren Dienst fortsetzen müssten. Reorganisation von Stromkreisen
Vor dem jüngsten Kollaps hatten die Behörden bereits Stromkreise rund um die wichtigsten Wasserpumpwerke Havannas neu geordnet: Unión Eléctrica und das Nationale Institut für Wasserressourcen trennten diese Lasten, um die Versorgung der Pumpstationen vorrangig zu sichern. Zudem wurde die Zahl der Stromkreise im rotierenden Abschaltschema erhöht. Bei diesem Mechanismus schaltet das System gezielt einzelne Stromkreise ab, sobald die Netzfrequenz kritisch absinkt – so soll ein vollständiger Kollaps des Gesamtnetzes verhindert werden. Um zu vermeiden, dass stets dieselben Gebiete betroffen sind, gilt nun ein siebentägiger Wechselrhythmus – wobei nicht alle Kreise die technischen Voraussetzungen dafür erfüllten, wie der Minister einräumte.
In Provinzen wie Pinar del Río, Ciego de Ávila, Guantánamo und Villa Clara führen die Behörden eine teilweise Verringerung der Stromausfälle auf neu installierte Solarparks zurück. Allerdings habe die Instabilität der vergangenen Woche verhindert, die Wirkung dieser Investitionen vollständig zu bewerten, so de la O Levy. Der Minister bezeichnete die aktuelle Wiederherstellung als Teil eines langen Weges zur „energetischen Souveränität" auf Basis von heimischem Rohöl, Gas, Sonne und Wind. Bis dieses Ziel erreicht ist, bleibt die kubanische Bevölkerung von einem überalterten, unzureichend abgesicherten System abhängig, das jederzeit erneut kollabieren kann.
Quellen: Canal Caribe (https://t1p.de/rm856), Cubadebate (https://t1p.de/v6rqu, https://t1p.de/ekgn2)
Autor: Leon Latozke
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