Neues aus Kuba
Nach Sherritts Rückzug: Russland plant die Ausbeutung kubanischer Nickel- und Kobaltvorkommen10/5/2026
10.05.2026 10:00 Uhr
Russland will den Rückzug des kanadischen Minenriesen Sherritt aus Kuba nutzen und prüft kubanische Angebote zur Förderung von Nickel und Kobalt – beides Schlüsselrohstoffe für die Batterieproduktion.
Russland plant in Kuba eine strategische Offensive im Rohstoffsektor. Nach dem Abzug des kanadischen Minenriesen Sherritt International bietet sich Moskau eine historische Chance, sich die begehrten Vorkommen an Nickel und Kobalt zu sichern – Metalle, die für die globale Hightech-Industrie und die Batterieproduktion unverzichtbar sind.**
Der russische Botschafter in Havanna, Viktor Koronelli, ließ am vergangenen Freitag (8.) keinen Zweifel an den Ambitionen seiner Regierung. In einem Interview mit dem kubanischen Staatsfernsehen Canal Caribe bestätigte der Diplomat, dass Moskau konkrete Angebote der kubanischen Führung prüft, um die Mineralienvorkommen auf der Karibikinsel zu erschließen. Besonders im Fokus: Nickel, Kobalt und weitere Edelmetalle. Das Thema sei ein zentraler Punkt bei der XXIII. Sitzung der russisch-kubanischen Regierungskommission gewesen, die Ende März und Anfang April in Sankt Petersburg tagte. „Wir haben mehrere Vorschläge der kubanischen Seite im Bergbausektor geprüft“, sagte Koronelli. Bereits im April hätten Delegationen russischer Unternehmer und Ministeriumsvertreter die Insel besucht, um die Projekte zu analysieren. „Wir hoffen, in naher Zukunft konkrete Ergebnisse zu sehen“, so der Botschafter. Das russische Interesse kommt zu einem denkbar günstigen Zeitpunkt – zumindest aus Moskauer Perspektive. Denn die kubanische Bergbauindustrie steckt in ihrer schwersten Krise seit Jahrzehnten. Auslöser ist der Abzug von Sherritt International, dem kanadischen Bergbaukonzern, der seit 1994 die wichtigste Mine des Landes in Moa (Provinz Holguín) betrieb. In einem Joint Venture zu gleichen Teilen mit dem kubanischen Staat förderte Sherritt dort Nickel und Kobalt. Doch nach neuen, drastischen Sekundärsanktionen der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, die am 1. Mai in Kraft traten, zog sich die Firma aus allen ihren Gemeinschaftsunternehmen auf der Insel zurück. Der Abzug hinterlässt eine tiefe Lücke: Sherritt war nicht nur der größte private Devisenbringer Kubas, sondern lieferte über seine Tochter Energas S.A. auch zwischen zehn und fünfzehn Prozent der nationalen Stromkapazität – umgerechnet rund 506 Megawatt. Kuba verfügt über etwa sechs Prozent der weltweiten Nickelreserven (Rang fünf) und belegt mit geschätzten 500.000 Tonnen den dritten Platz bei den Kobaltvorkommen. Beide Rohstoffe sind systemrelevant für die boomende Batterieindustrie und moderne Technologien. Doch die Produktion lahmt bereits seit Monaten: 2025 förderte Kuba gerade einmal 25.240 Tonnen Nickel und 2.728 Tonnen Kobalt – ein Rückgang von 17 beziehungsweise 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie Sherritt-Daten belegen. Die politischen Rahmenbedingungen sind also günstig für Russland. Präsident Wladimir Putin und Kubas Staatschef Miguel Díaz-Canel haben im Rahmen des bilateralen Paktes Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar vereinbart. Das Abkommen wurde auf der Regierungskommission in Sankt Petersburg besiegelt, die von den Vizepremierministern beider Länder geleitet wird. Neben der Erschließung neuer Rohstoffquellen laufen weitere russische Projekte auf der Insel. Botschafter Koronelli bestätigte, dass die Modernisierung des Stahlwerks Antillana de Acero fortgesetzt wird. Zudem habe der Aufbau einer Moskwitsch-Taxiflotte in Havanna begonnen; 50 Fahrzeuge stünden zur Verschiffung nach Kuba bereit. Die russische Rhetorik der unerschütterlichen Partnerschaft steht jedoch in scharfem Kontrast zur kubanischen Energiewirklichkeit. Zwar bekräftigt Moskau seine Unterstützung für das Regime in Havanna, doch die Hilfszusagen wirken zunehmend wacklig. Bereits Mitte April räumte Russlands Außenminister Sergej Lawrow ein, dass die zugesagten Öllieferungen „wahrscheinlich nur für ein paar Monate“ reichen. Der einzige nennenswerte russische Rohöllieferant, der Kuba im Jahr 2026 erreichte, war der Tanker Anatoly Kolodkin mit 100.000 Tonnen – eine Menge, die den nationalen Verbrauch für gerade einmal sieben bis zehn Tage deckt. Ein weiterer russischer Öltanker mit Kurs auf die Karibikinsel dumpelt seit Wochen im Atlantik etwa 1.600 Kikometer vor Kubas Küste. Das Vakuum, das Sherritts Abzug reißt, betrifft nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Energieversorgung des Landes. Während russische Konzerne nun in die Bresche springen wollen, steht die kubanische Regierung vor einem Paradox: Sie braucht dringend ausländische Investoren und Devisen, doch die Abhängigkeit von Moskau wächst, ohne dass eine verlässliche Energieversorgung gesichert ist. Der diplomatische Vorstoß ist ein strategisches Zeichen: Russland nutzt die Schwächephase Kubas, um seine geopolitische und rohstoffpolitische Position in der westlichen Hemisphäre auszubauen – unter den Augen der USA. Die kubanische Führung wiederum hat kaum eine Wahl: Sie muss das Risiko einer noch tieferen Abhängigkeit von Moskau eingehen, um den Kollaps ihres Bergbausektors und die damit verbundenen Devisenverluste abzuwenden.
Quelle: Facebook (https://is.gd/J8s6Aj)
Autor: Leon Latozke
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