Neues aus Kuba
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15.07.2026 08:00 Uhr
Nach dem dritten Totalausfall des staatlichen Stromnetzes innerhalb von acht Tagen haben in Havanna nur vier Prozent der Haushalte wieder Elektrizität. Priorisiert wurden nur ein einziges Krankenhaus und eine Pumpstation.
Es ist ein Bild, das sich in Kuba in diesem Sommer wiederholt: Straßen ohne Licht, Kühlschränke ohne Kühlung, Krankenhäuser im Notbetrieb. Nach dem jüngsten Zusammenbruch des staatlichen Stromnetzes verfügen in Havanna gerade einmal vier Prozent der Haushalte wieder über Elektrizität. Es ist der dritte Totalausfall binnen acht Tagen – ein Tempo, das es in der Geschichte der kubanischen Energieversorgung bislang nicht gegeben hat.
33.188 von 787.000
Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft von Havanna (EELH) bezifferte den Fortschritt der Wiederherstellung am Dienstagabend präzise: neun wiederhergestellte Umspannwerke, elf Verteilerkreise, 33.188 versorgte Kunden, 17 Megawatt Leistung. Gemessen an den rund 787.000 Anschlüssen der Hauptstadt ist das ein Bruchteil. Unter den priorisierten Wiederanschlüssen findet sich landesweit nur ein einziges Krankenhaus, dazu eine Pumpstation der Wasserversorgung. Die Behörde selbst formulierte zurückhaltend, die Wiederherstellung erfolge "schrittweise, je nach den Bedingungen des Systems" – eine Umschreibung für Unsicherheit über den weiteren Verlauf.
Der Auslöser saß in Holguín
Um 11:05 Uhr Ortszeit am Dienstag trennte sich das Sistema Electroenergético Nacional (SEN) vollständig vom Netz. Verantwortlich war laut der staatlichen Unión Eléctrica (UNE) der Ausfall der Erzeugungseinheit 1 des Wärmekraftwerks Felton in der östlichen Provinz Holguín. Der Defekt löste eine Schwingung in den Netzparametern aus, gefolgt von einem abrupten Frequenzabfall – die Kettenreaktion, die das gesamte Land lahmlegte.
Erste Anzeichen eines Wiederaufbaus gibt es: Die Wärmekraftwerke Ernesto Guevara in Santa Cruz del Norte und Máximo Gómez im Mariel erhielten wieder Energie, um den Neustart der Blöcke Mariel 5, Habana 1 und Habana 2 vorzubereiten. Der Prozess steckt jedoch, nach eigenen Angaben der UNE, noch in einem sehr frühen Stadium. Drei Kollapse, acht Tage
Die Chronologie zeigt das Ausmaß der Instabilität. Am 10. Juli, einem Freitag, war das Netz bereits um 16:30 Uhr wegen eines Defekts an der 220-Kilovolt-Leitung zwischen Santa Clara und Sancti Spíritus zusammengebrochen – der vierte Totalausfall des Jahres. Nur vier Tage zuvor, am 6. Juli, hatte das System schon zum dritten Mal 2026 vollständig versagt, ohne dass die Verantwortlichen damals eine unmittelbare technische Ursache benennen konnten.
Drei vollständige Systemzusammenbrüche innerhalb von acht Tagen: Ein Wert, den es in der Geschichte des kubanischen Stromsektors zuvor nicht gab. Ein Netz ohne Puffer
Die Häufung der Ausfälle verweist auf ein strukturelles Problem, das über einzelne technische Defekte hinausgeht. Überalterte Kraftwerke, aufgeschobene Wartung, chronischer Treibstoffmangel: Diese Faktoren haben ein System geschaffen, das keine Reserven mehr besitzt, um Störungen abzufedern. Wo ein stabiles Netz einen einzelnen Ausfall kompensieren könnte, reicht in Kuba derzeit eine einzelne Frequenzschwankung, um das gesamte Land vom Strom zu trennen.
Die Folgen tragen die Menschen: Krankenhäuser im Ausnahmezustand, unterbrochene Trinkwasserversorgung, ein Alltag, der sich nach der Verfügbarkeit von Strom statt nach der Uhrzeit richtet. Die Frage, die sich in Havanna derzeit stellt, lautet nicht mehr, ob der nächste Totalausfall kommt – sondern nur noch, wann.
Quelle: EELH/facebook(https://t1p.de/n47hk)
Autor: Leon Latozke
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