Neues aus Kuba
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Mexiko hat sich zum wichtigsten Lieferanten von Erdöl und Treibstoffen für Kuba entwickelt. Nach dem weitgehenden Wegfall venezolanischer Lieferungen gewinnt die Versorgung aus Mexiko für die Insel zunehmend an Bedeutung. Zugleich wächst der politische und wirtschaftliche Druck auf beide Seiten.
15.01.2026 08:00 Uhr
Mexiko wird wichtigster Öllieferant Kubas – steigende geopolitische Kosten
Mexiko ist zum zentralen Lieferanten von Erdöl und Treibstoffen für Kuba aufgestiegen. Diese Entwicklung verändert nicht nur die energetische Abhängigkeit der Insel, sondern erhöht auch die geopolitischen Spannungen im Verhältnis zu den USA. Hintergrund ist der drastische Rückgang der Lieferungen aus Venezuela, nachdem Washington den Druck auf Caracas massiv verschärft hat. Für Havanna springt nun Mexiko ein – mit politisch heiklen Folgen. Nach Expertenmeinung, ist Mexiko derzeit die sichtbarste externe Quelle für Kubas Treibstoffversorgung. Erst kürzlich lief der Tanker Ocean Mariner mit rund 86.000 Barrel Kraftstoff aus Mexiko in der Bucht von Havanna ein. Schätzungen, unter anderem aus Recherchen der Financial Times, gehen von durchschnittlich etwa 12.000 Barrel pro Tag aus, die aktuell von Mexiko nach Kuba geliefert werden. Offizielle Zahlen dazu veröffentlicht die mexikanische Regierung allerdings nicht. In Washington wird die Entwicklung aufmerksam beobachtet. Zwar erklärte der US-Energieminister Chris Wright, bislang habe es keine formelle Aufforderung an Mexiko gegeben, die Lieferungen einzustellen. Gleichzeitig verweisen Analysten auf die politische Volatilität in den USA. Präsident Donald Trump könnte – ähnlich wie im Fall Iran – Zölle oder andere Maßnahmen nutzen, um den Ölfluss nach Kuba indirekt zu begrenzen. Für Mexiko steigt damit der geopolitische Preis seiner Unterstützung für Havanna. Das Energieverhältnis zwischen Mexiko und Kuba ist nicht neu. Bereits seit den 1980er Jahren exportiert Mexiko Öl und Derivate auf die Insel. Neu ist jedoch der regionale Kontext: Mit dem Wegfall Venezuelas als Hauptlieferant rückt Mexiko stärker ins Rampenlicht. Genau diese Sichtbarkeit erhöht den Druck aus den USA und macht das Geschäft politisch riskanter. Hinzu kommen operative und wirtschaftliche Zweifel. Die staatliche Ölgesellschaft Pemex und ihre Partner fördern derzeit rund 1,6 Millionen Barrel pro Tag, davon etwa 1,3 Millionen durch Pemex selbst – deutlich weniger als das offiziell angestrebte Ziel von 1,8 Millionen Barrel. Jeder Barrel, der nach Kuba geht, fehlt damit entweder im Inland oder auf anderen Exportmärkten. Experten sprechen von einem wachsenden „Kosten-Nutzen-Problem“, das innerhalb von Pemex zunehmend kritisch gesehen werden dürfte, solange die Produktionsziele verfehlt werden. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum verteidigt die Lieferungen als humanitäre Hilfe. Angesichts der Energiekrise Kubas und des Wegfalls venezolanischer Lieferungen sei Mexiko „evident“ zu einem wichtigen Versorger geworden. Zugleich betont sie, dass nicht mehr Öl exportiert werde als historisch üblich. Konkrete Daten blieb auch sie schuldig – ein Umstand, der die politische Sensibilität des Themas unterstreicht. Ökonomisch sind die Lieferungen für Mexiko ebenfalls problematisch. Nach Einschätzung von Branchenkennern erfolgen die Exporte mit Preisabschlägen, während Kuba faktisch nicht zahlt. Die Forderungen werden in den Büchern von Pemex als offene Posten geführt, bis sie als uneinbringlich abgeschrieben werden. In der Vergangenheit wurden solche Schulden schließlich politisch erlassen, etwa 2013 unter Präsident Enrique Peña Nieto. Für Kuba bedeutet die neue Rolle Mexikos kurzfristig eine gewisse Stabilisierung der Energieversorgung. Langfristig jedoch bleibt die Abhängigkeit von politisch motivierten Lieferungen bestehen – und damit die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Machtverschiebungen. Mexiko wiederum bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen regionaler Solidarität, wirtschaftlicher Vernunft und dem Risiko einer erneuten Konfrontation mit den USA.
Quelle: EFE (https://t1p.de/o0ztb)
Autor: Leon Latozke
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