Neues aus Kuba
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Knapp drei Jahre nach dem verheerenden Brand im Öllager von Matanzas entstehen neue Tanks – ein wichtiger Schritt für Kubas Energieinfrastruktur. Doch trotz moderner Technik und chinesischer Unterstützung lösen die neuen Kapazitäten nicht das Grundproblem: Kubas anhaltende Abhängigkeit von ausländischen Energielieferungen und fehlenden Devisen.
Abbildung: Das KI-generierte, auf der Vorlage https://giron.cu/wp-content/uploads/2025/05/1798957541-720x500.jpg basierende Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Drei Jahre nach dem verheerenden Großbrand im Öllager von Matanzas geht der Wiederaufbau sichtbar voran. Vier neue Tanks sollen die im August 2022 zerstörte Lagerkapazität ersetzen. Doch so beeindruckend die Fortschritte auf der Baustelle auch erscheinen mögen – die strukturellen Energieprobleme Kubas werden damit nicht gelöst. Die Abhängigkeit von externen Energielieferungen und internationalen Partnern bleibt bestehen – allen voran von China.
Die Arbeiten an den vier Tanks stehen kurz vor dem Abschluss. Laut Girón, dem Parteiorgan der Provinz Matanzas, verfügen alle vier über ihre äußere Ummantelung. Es läuft die letzte Phase der mechanischen Arbeiten, bevor die Außenbeschichtung aufgetragen wird. Tank 88, der von kubanischen Arbeitern gebaut wird, ist zu 60 Prozent fertiggestellt. Die übrigen drei entstehen unter chinesischer Federführung. Sie sollen künftig in größerem Abstand zueinander stehen, verteilt auf zwei Ebenen des Geländes. Damit reagiert man auf Sicherheitsmängel des alten Konzepts: Das Feuer 2022 war nach offiziellen Angaben durch einen Blitzschlag ausgelöst worden und hatte sich aufgrund der engen Tankanordnung unkontrolliert ausgebreitet. Investor des Projekts ist das staatliche Unternehmen Empresa Comercializadora de Combustibles. Die Anlage wird mit modernen Blitzschutzsystemen und einer komplett erneuerten Infrastruktur ausgestattet. Neben den Tanks entstehen zwei Kilometer neue Umzäunung sowie sieben Kilometer Zufahrtsstraße. Auch die Bauausführung erfolgt in Teilen unter neuen technischen Standards: Hunderte Meter Naht müssen an den Blechringen geschweißt werden, was zum Teil sechs Schweißdurchgänge erfordert. Doch ungeachtet des technischen Aufwands stellt sich die Frage nach der Wirkung des Projekts. Die Energiekrise, in der sich Kuba seit Jahren befindet, wird nicht durch neue Lagertanks gelindert. Denn mehr Lagerkapazität ersetzt keine fehlenden Energieimporte. Der Brand von 2022 hatte rund 200.000 Kubikmeter Speichervolumen vernichtet – ein gravierender Verlust für ein Land, das auf Importe angewiesen ist und keine nennenswerte eigene Ölproduktion betreibt. Die aktuelle Versorgungslage ist angespannt. Die einst umfangreichen Ölimporte aus Venezuela – zu Spitzenzeiten über 90.000 Barrel pro Tag – sind eingebrochen. Im ersten Quartal 2025 lagen sie bei lediglich 8.000 Barrel täglich. Zwar konnte Mexiko mit seinem staatlichen Konzern Pemex teilweise aushelfen: Rund 21.600 Barrel pro Tag lieferte die Tochter Gasolinas Bienestar nach offiziellen Angaben zuletzt auf die Insel. Doch auch diese Mengen reichen bei weitem nicht aus, um die Versorgung dauerhaft zu stabilisieren. Hinzu kommt: Der Wiederaufbau in Matanzas erfolgt nicht autark. Das Projekt steht exemplarisch für die zunehmende technische und wirtschaftliche Abhängigkeit Kubas von China. Während der Tank 88 von kubanischen Arbeitskräften gefertigt wird, stammen Planung, Material und Personal der übrigen drei Tanks aus der Volksrepublik. Schon in der Vergangenheit war China ein wichtiger Partner für Infrastrukturprojekte auf der Insel – von Telekommunikation bis Transport. Nun dehnt sich diese Rolle zunehmend auf den Energiesektor aus. Kuba steht damit vor einem strukturellen Dilemma: Ohne ausreichende eigene Energiequellen bleibt das Land abhängig von externen Lieferungen und Partnern. Neue Lagertanks schaffen zwar die Möglichkeit, künftig günstiger einkaufen oder Treibstoffspenden länger lagern zu können. Doch ohne stabile Bezugsquellen und die nötigen Devisen bleibt auch die modernste Infrastruktur weitgehend wirkungslos. Der Wiederaufbau in Matanzas ist daher ein notwendiger Schritt – aber kein Durchbruch. Solange sich an den grundlegenden Rahmenbedingungen nichts ändert, bleibt die Versorgungslage fragil. Die neuen Tanks bieten etwas mehr Spielraum, aber keine Lösung.
Quelle: Giron (https://t1p.de/idl2r)
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Text: Leon Latozke
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