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21.08.2026 10:00 Uhr
In Habana del Este hat eine weitere „Solinera" den Betrieb aufgenommen – eine Tankstelle, die statt Kraftstoff Solarstrom abgibt. Anwohner können dort auch Handys laden und Haushaltsgeräte benutzen.
In weiten Teilen Kubas ist der Strom inzwischen die Ausnahme, nicht die Regel. Ausfälle von mehr als 20 Stunden täglich sind Alltag, mancherorts bleibt das Netz länger als einen Tag am Stück tot. Verantwortlich dafür sind zwei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken: überalterte Wärmekraftwerke, die nach jahrzehntelangem Betrieb und ausbleibenden Investitionen immer wieder wegen Havarien und Wartungsarbeiten vom Netz gehen – und ein seit Januar verschärfter Mangel an Brennstoff. Kubanische Stellen führen ihn auf die US-Ölblockade und weitere Sanktionen Washingtons zurück; sowohl die Vereinten Nationen als auch die Regierung in Havanna stufen diese Maßnahmen als völkerrechtswidrig ein.
Unter diesen Bedingungen bekommt ein Bautyp Konjunktur, den es vor der Krise nicht gab: die „Solinera", ein Kunstwort aus „solar" und „gasolinera", dem spanischen Wort für Tankstelle. Ein Dach voller Module, ein Reiskocher am Pfeiler
Die jüngste dieser Anlagen hat auf dem Parkplatz der Strandanlagen von Playa del Megano im Havanner Stadtbezirk Habana del Este eröffnet. Mehrere Ladepunkte werden über ein mit Solarmodulen gedecktes Dach gespeist, wie die Nachrichtenagentur EFE die Konstruktion beschreibt. Elektrofahrzeuge sind dabei nur der eine Zweck. Demnach können auch Anwohner dort Geräte anschließen – vom Mobiltelefon bis zum Reiskocher. Genau darin liegt der praktische Nutzen in einem Viertel, in dem der Netzstrom täglich über Stunden fehlt.
Die Behörden ordneten die Eröffnung entsprechend ein. „Die Energiewende ist kein fernes Konzept, sie ist eine Realität, die bereits in Habana del Este angekommen ist", erklärten sie laut dem staatlichen Portal Cubadebate, das die Einweihung dokumentierte. Der neue Ladepunkt ermögliche der Bevölkerung einen wohnortnäheren Zugang zu sauberer Energie und fördere die Elektromobilität im Stadtteil. Rund zwei Dutzend Standorte, staatlich und privat
Havanna hatte zuvor bereits eine vergleichbare Anlage im Bezirk Cerro in Betrieb genommen. Sie erzeugte nach offiziellen Angaben binnen eines Monats mehr als 3.000 Kilowattstunden – rechnerisch der Monatsbedarf einiger weniger Haushalte. Außerhalb der Hauptstadt entstehen Solineras unter anderem in mehreren Gemeinden der Provinz Villa Clara sowie an der Autopista Nacional. Landesweit sind es rund zwei Dutzend, betrieben sowohl von staatlichen Einrichtungen als auch von privaten Akteuren; OnCuba beziffert den Bestand auf 25 Anlagen mit 15 weiteren im Aufbau.
Die Regierung strebt an, im laufenden Jahr 2026 einen Anteil von 15 Prozent erneuerbarer Energien – Photovoltaik, Wasserkraft und Wind – zu erreichen, bis 2030 sollen es 24 Prozent sein. Die Solineras sind Teil dieses angekündigten Umbaus der Energiematrix und werden von den Behörden auch so präsentiert. Gemessen am Bedarf des Landes bleiben sie vorerst jedoch ein punktuelles Angebot: Sie verschaffen einzelnen Vierteln Zugang zu Strom für Kleingeräte und Fahrzeuge, an der Grundlast und damit an den täglichen Abschaltungen ändern sie nichts. Autor: Leon Latozke
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