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United Airlines stellt ab September 2025 ihre einzige reguläre Kuba-Verbindung zwischen Houston und Havanna ein. Als Gründe nennt die Fluggesellschaft eine schwankende Nachfrage und verschärfte US-Reiserestriktionen.
25.07.2025
United Airlines wird ab dem 2. September 2025 ihre bislang einzige regelmäßige Flugverbindung nach Kuba einstellen. Die tägliche Route zwischen dem Houston George Bush Intercontinental Airport und dem Flughafen José Martí in Havanna wird vorerst ausgesetzt. Als Gründe nennt das Unternehmen eine anhaltend schwache und stark saisonabhängige Nachfrage sowie eine zunehmend restriktive US-Reisepolitik gegenüber der Insel.
Die Maßnahme wurde dem US-Verkehrsministerium (Department of Transportation, DOT) bereits angezeigt. Die Verbindung Houston–Havanna wurde seit ihrer Einführung 2016 mit Boeing 737-800 betrieben und war zuletzt die einzige kommerzielle Linienverbindung von einem US-Flughafen außerhalb Floridas nach Kuba. Mit der Einstellung verliert insbesondere der südliche und mittlere Westen der USA einen direkten Zugang zur Karibikinsel. Nachfrage bricht ein In ihrer Begründung verweist die Fluggesellschaft auf eine ausgeprägte Volatilität bei der Buchungslage auf der Kuba-Strecke. Während der Hochsaison seien die Auslastungszahlen zufriedenstellend, in den Zwischenzeiten jedoch deutlich unter dem wirtschaftlich tragfähigen Niveau. Die täglichen Flüge ließen sich daher außerhalb der Hauptreisezeiten kaum mehr kostendeckend betreiben. Diese Entwicklung steht nicht isoliert da. Bereits im Juni hatte American Airlines beim DOT die temporäre Aussetzung ihrer Verbindung zwischen Miami und Santiago de Cuba beantragt – ebenfalls wegen ausbleibender Nachfrage. Die Marktstruktur im US-Kuba-Verkehr ist stark konzentriert: American Airlines dominiert mit einem Sitzplatzanteil von über 68 Prozent und fliegt derzeit sechs kubanische Städte von Miami aus an. Southwest Airlines und Delta Air Lines bedienen mit deutlich geringerer Frequenz ausschließlich Verbindungen nach Havanna. United kam zuletzt auf einen Marktanteil von lediglich sieben Prozent. Politischer Kurswechsel unter Trump Neben wirtschaftlichen Erwägungen sind auch politische Rahmenbedingungen ausschlaggebend für die Entscheidung. Ende Juni unterzeichnete US-Präsident Donald Trump ein sicherheitspolitisches Memorandum, das eine deutliche Verschärfung der bisherigen Kuba-Politik vorsieht. Ziel sei es, die kubanische Regierung stärker unter Druck zu setzen und substanzielle Reformen zu erzwingen. Das Memorandum hebt die von der Vorgängerregierung unter Joe Biden eingeleiteten Lockerungen auf und stellt sich explizit gegen die Annäherungspolitik der Obama-Ära. In der Praxis bedeutet das neue Regelwerk unter anderem eine Einschränkung von Visa für kubanische Staatsangehörige. Die Einreise unter den gängigen Kategorien – darunter Besuchs-, Studien- und Austauschvisa – wird künftig nur noch in Ausnahmefällen und mit stark begrenzter Gültigkeit erlaubt. Der touristische Reiseverkehr bleibt für US-Bürger ohnehin verboten. Zwar existieren weiterhin zwölf gesetzlich definierte Ausnahmetatbestände, etwa für familiäre Besuche oder humanitäre Zwecke, doch die Unsicherheit unter potenziellen Reisenden wächst. Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft Die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen schlagen auch auf die kubanisch-amerikanische Gemeinschaft durch. Die Möglichkeit zur Familienzusammenführung wird durch die eingeschränkte Visavergabe und den Rückbau der Flugverbindungen zunehmend erschwert. Dabei spielen Flüge zwischen den USA und Kuba für viele Familien eine zentrale Rolle – sei es zur persönlichen Begegnung oder für medizinische und soziale Unterstützung. Beobachter berichten zudem von einer zunehmenden Kommerzialisierung des Frachtverkehrs auf Passagierflügen. So seien Maschinen teilweise mit nur wenigen Fluggästen, aber voll beladenen Frachträumen unterwegs. In sozialen Medien wurde etwa über einen Flug berichtet, der mit lediglich sechs Passagieren startete, während das Ladeabteil mit zahlreichen Gepäckstücken gefüllt war – gebucht durch Agenturen, die Sitzplätze einzig für den Gepäcktransport nutzen. Nur noch nicht-ziviler Charterverkehr Mit dem vorläufigen Rückzug aus dem regulären Linienverkehr stellt United Airlines sämtliche zivil nutzbaren Verbindungen nach Kuba ein. Die verbleibende wöchentliche Charterverbindung zwischen Jacksonville (Florida) und der US-Militärbasis Guantánamo auf der Insel dient ausschließlich dem Personal der Militärbasis und ist für reguläre Passagiere nicht zugänglich. Die Entwicklung markiert einen Rückschritt in den bilateralen Beziehungen zwischen Washington und Havanna. Während unter der Obama-Regierung ab 2016 der kommerzielle Luftverkehr wiederaufgenommen wurde und United neben Houston auch Verbindungen von Newark, Washington D.C. und Chicago plante, steht nun erneut ein Abbau der Verbindungen bevor. Bereits während der Corona-Pandemie war der Verkehr zwischenzeitlich vollständig eingestellt worden, United nahm die Verbindung nach Havanna erst im November 2022 wieder auf – nun folgt erneut eine Aussetzung. Unsichere Perspektiven Ob die Route wie vorgesehen 2026 wieder in Betrieb genommen wird, hängt nicht nur von der Nachfrage, sondern maßgeblich vom politischen Kurs der US-Regierung ab. Bis dahin bleibt der Luftverkehr zwischen beiden Ländern volatil. Für Kuba bedeutet die Entscheidung einen weiteren Einschnitt in die ohnehin eingeschränkten internationalen Anbindungen. Für viele Menschen auf beiden Seiten der Meerenge wird der direkte Austausch dadurch noch schwieriger.
Quelle: Aviation Week (https://t1p.de/j3oup)
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Text: Leon Latozke
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