Neues aus Kuba
|
Kuba reagiert auf akute Treibstoffknappheit mit drastischen Einschnitten im Tourismussektor. Hotels werden geschlossen, Urlauber verlegt, der Energieverbrauch soll sinken. Die Maßnahmen treffen eine Branche, die sich ohnehin seit Jahren im Niedergang befindet.
08.02.2026 07:45 Uhr
Kuba hat begonnen, Hotels zu schließen und internationale Gäste in andere Anlagen zu verlegen. Die Maßnahme ist Teil eines umfassenden Notfallplans der Regierung angesichts akuter Treibstoffknappheit, die Havanna auf den zunehmenden Druck der Vereinigten Staaten zurückführt. Betroffen sind vor allem touristische Zentren wie Varadero sowie die Ferieninseln an der Nordküste. Branchenquellen bestätigten, dass die Umverteilung der Touristen bereits angelaufen ist.
Vizepremierminister Óscar Pérez-Oliva Fraga erklärte im Staatsfernsehen, Ziel sei es, den Energieverbrauch im Tourismussektor zu senken, Anlagen „zu komprimieren“ und die laufende Hochsaison effizienter zu nutzen. Details nannte er nicht. Nach Angaben aus dem Sektor bedeutet die "Verdichtung“ jedoch konkret die temporäre Schließung einzelner Hotels. Auf Kuba aktive internationale Ketten wie Meliá, Iberostar oder Blue Diamond sind von den Maßnahmen betroffen. Der Schritt unterstreicht die prekäre Lage eines Sektors, der einst als Wachstumsmotor der kubanischen Wirtschaft galt. 2025 verzeichnete das Land mit 1,8 Millionen internationalen Besuchern das schwächste Ergebnis seit 2002 – abgesehen von den Pandemiejahren. Bereits im ersten Halbjahr war die durchschnittliche Hotelauslastung um sieben Prozentpunkte auf 21,5 Prozent gefallen. Der langfristige Trend zeigt klar nach unten: Seit dem Rekordjahr 2018 mit 4,7 Millionen Touristen hat sich der Zustrom mehr als halbiert. Zwar blieben Kanada und Russland die wichtigsten Herkunftsländer, doch auch dort schrumpften die Zahlen deutlich. Aus Kanada reisten 12,4 Prozent weniger Besucher an, aus Russland sogar fast 30 Prozent weniger. Gründe sind neben internationalen Sanktionen die anhaltende Wirtschaftskrise, Versorgungsengpässe, ein spürbarer Qualitätsverlust im Dienstleistungssektor sowie der Abbau von Flugverbindungen. Der Tourismussektor ist für die Regierung dennoch zentral. Er liefert dringend benötigte Devisen und trägt erheblich zum Bruttoinlandsprodukt bei – neben professionellen Dienstleistungen und Überweisungen aus dem Ausland. Umso schwerer wiegt, dass ausgerechnet dieser Bereich nun selbst zum Sparen gezwungen ist. Auslöser der aktuellen Zuspitzung ist die seit Mitte 2024 andauernde Energiekrise. Veraltete Thermokraftwerke fallen regelmäßig aus, während dem Staat die Devisen fehlen, um ausreichend Treibstoff zu importieren. Hinzu kam Anfang Januar ein weiterer Einschnitt: Die US-Militäraktion in Caracas bedeutete für Havanna den Verlust eines zentralen regionalen Verbündeten und damit auch eines wichtigen Energielieferanten. Ende Januar erhöhte US-Präsident Donald Trump den Druck zusätzlich. Eine neue Executive Order droht Ländern mit Strafzöllen, die weiterhin Öl an Kuba verkaufen. In Havanna spricht man von einem „Energiebelagerungszustand“. Als Reaktion beschloss die Regierung ein breit angelegtes Sparpaket: Benzin wird rationiert, Telearbeit ausgeweitet, Universitäten stellen teilweise auf Online- und Hybridunterricht um. Präsident Miguel Díaz-Canel knüpfte bei der Vorstellung des Plans bewusst an historische Erfahrungen an. Er verwies auf die „Option Null“ aus den 1990er-Jahren, als Kuba nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in sogenannten "Sonderperiode" zeitweise ohne Erdöl auskommen musste. Damals prägten Stromausfälle, Fahrrad- und Tiertransport, Holzkohleherde und strikte Rationierung den Alltag. Dass diese Erinnerung nun wieder bemüht wird, zeigt, wie ernst die Lage ist. Mit der Schließung von Hotels greift Kuba erstmals sichtbar in seinen wichtigsten Devisensektor ein – ein Signal dafür, dass die Energiekrise nicht nur Industrie und Haushalte trifft, sondern das wirtschaftliche Fundament des Landes insgesamt.
Quelle: CNN/EFE (https://t1p.de/2ithk)
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |

RSS-Feed