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Kuba erlebt nach einer russischen Öllieferung eine vorübergehende Besserung der Stromversorgung. Die 700.000 Barrel Rohöl, die trotz US-Blockade im März eintrafen, werden derzeit in Cienfuegos raffiniert. Die Erleichterung ist jedoch befristet: Das Land benötige acht solcher Lieferungen pro Monat, um den Bedarf zu decken.
Nach monatelangen, stundenlangen Stromausfällen, die die zehn Millionen Einwohner Kubas an den Rand der Erschöpfung gebracht haben, zeichnet sich eine vorübergehende Besserung ab. Auslöser ist eine Lieferung von russischem Rohöl, die Ende März im Hafen von Matanzas angelandet wurde. Der unter russischer Flagge fahrende Tanker „Anatoly Kolodkin“ transportierte etwa 700.000 Barrel der Sorte Urals, wie aus Kreisen der kubanischen Energiebehörde verlautete. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte die Lieferung aus humanitären Gründen genehmigt, obwohl die USA zuvor den Treibstofffluss nach Kuba massiv eingeschränkt hatten.
Seit dem 17. April wird das russische Rohöl in der Raffinerie von Cienfuegos verarbeitet. Benzin, Diesel und Heizöl gelangen seither in den Kreislauf der Insel. Die ersten Auswirkungen sind für viele Kubaner spürbar: In verschiedenen Stadtteilen Havannas sind die Stromabschaltungen drastisch zurückgegangen. „Putins Schiff hat die Lage verbessert, und wir sind dankbar dafür“, sagt Yani Cabrera, eine 45-jährige Privatunternehmerin aus der Hauptstadt gegenüber der Nachrichtenagentur REUTERS. Auch die russische Botschaft auf Kuba feierte die Ankunft des Treibstoffs auf ihren Social-Media-Kanälen mit einem lauten „Hurra!“ und veröffentlichte Drohnenaufnahmen des nun wieder hell erleuchteten Havanna bei Nacht.
Doch die Erleichterung ist trügerisch. Energieminister Vicente de la O Levy warnte am Mittwochabend im staatlichen Fernsehen eindringlich davor, die Lieferung als nachhaltige Lösung zu betrachten. „Sie wird uns nicht viel Zeit kaufen“, sagte der Minister. Um den Strom- und Industriebedarf des Landes zu decken, wären monatlich acht Schiffe dieser Größe nötig, so de la O Levy. Von der russischen Ladung sei nur noch für wenige Tage Treibstoff übrig – bis Ende April. Russland hat zwar eine weitere Lieferung angekündigt, aber noch kein entsprechendes Schiff auf den Weg geschickt.
Die Öllieferung erfolgt in einer Phase intensiver politischer Spannungen. Kuba führt derzeit Gespräche mit der Trump-Administration, die nach eigenen Angaben bald „Veränderungen“ für die Insel plane. Die USA fordern seit Langem eine Öffnung der staatlich gelenkten Wirtschaft, Entschädigungen für enteignete US-Unternehmen aus der Zeit unter Fidel Castro sowie die Durchführung freier und fairer Wahlen. Havanna lehnt eine Änderung seines sozialistischen Regierungsmodells kategorisch ab. Der Druck auf Kuba hatte sich Anfang des Jahres noch einmal verschärft, als die USA die venezolanischen Öllieferungen stoppten, nachdem sie den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar gestürzt hatten. Trump drohte zudem jedem Land mit drastischen Strafzöllen, das Rohöl nach Kuba verschiffen würde. Auch Mexiko, ein weiterer wichtiger Lieferant, stellte daraufhin seine Exporte ein. Die Treibstoffknappheit führte landesweit zu drei massiven, stundenlangen Blackouts, die den Flugverkehr vieler ausländischer Airlines zum Erliegen brachten. Die kubanische Bevölkerung bleibt trotz der vorübergehenden Entspannung tief verunsichert. „Das russische Schiff wird unser Problem nicht lösen, aber es hat eine Erleichterung gebracht“, sagt Ester Isasis, eine 70-jährige Rentnerin aus Havanna. Sie kocht noch immer über Holzkohle, weil es an Kochgas fehlt. Ihre Bilanz ist ernüchternd: „Wir leben immer noch unter großer Anspannung.“
Quelle: REUTERS (https://t1p.de/ujo5k)
Autor: Leon Latozke
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