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03.076.2026 23:00 Uhr
Washington setzt seit sechs Monaten auf eine Strategie maximalen diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Drucks gegenüber Kuba. Das Land ist dabei mit einem Ölembargo, Sekundärsanktionen sowie einer verstärkten militärischen Drohkulisse konfrontiert.
Abbildung: Symbolbild
Die Politik des maximalen Drucks der Vereinigten Staaten gegen Kuba wurde am 3. Januar eingeleitet, unmittelbar nach der Festnahme von Nicolás Maduro in Caracas. „Wenn ich in Havanna wäre, wäre ich besorgt", sagte US-Außenminister Marco Rubio damals. Seitdem hat Washington die rhetorischen, wirtschaftlichen und militärischen Drohungen gegen die Insel kontinuierlich verschärft. Präsident Donald Trump hat mehrfach von einer „Übernahme" Kubas gesprochen, das er als „gescheiterten Staat" bezeichnet, und immer wieder die militärische Karte ausgespielt. Ein zentraler Schritt war eine Exekutivanordnung vom 29. Januar, die die Blockade kubanischer Ölimporte vollendete, nachdem bereits die Lieferungen aus Venezuela unterbrochen worden waren. Dies hat die Stromausfälle drastisch verschlimmert: Die Kubaner haben im Schnitt nur noch ein bis zwei Stunden Strom pro Tag.
Am 1. Mai folgte eine weitere Anordnung Trumps, die Sekundärsanktionen gegen jedes ausländische Unternehmen vorsieht, das Geschäftsbeziehungen zum kubanischen Staat unterhält. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Die kanadische Bergbaufirma Sherritt, das größte private Investment auf der Insel, kündigte ihren Rückzug an. Mehrere internationale Hotelketten zogen sich zurück, die beiden größten Reedereien, die kubanische Häfen anliefen, stellten ihre Dienste ein, und die Bank, die die Transaktionen von Visa und Mastercard abwickelte, gab das Geschäft auf. Am 13. März räumte Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel erstmals offiziell Gespräche zwischen beiden Regierungen ein. Trump hatte zuvor wochenlang behauptet, es gebe Kontakte, und Havanna gedrängt, einer Einigung zuzustimmen. Als Ansprechpartner auf kubanischer Seite trat dabei Raúl Guillermo Rodríguez Castro in Erscheinung, ein Enkel des früheren Präsidenten Raúl Castro. Er bekleidet kein offizielles Amt, gilt aber als enger Vertrauter seines Großvaters, der weiterhin die politische Leitfigur des Landes ist. Bislang fanden mindestens vier persönliche Treffen statt. Zwei davon waren politischer Natur, eines in Havanna und eines im karibischen Staat St. Kitts und Nevis; über deren Inhalte ist nichts bekannt. Ein weiteres Treffen befasste sich mit Sicherheitsfragen, an dem der CIA-Direktor John Ratcliffe teilnahm, und ein viertes mit Verteidigungsthemen, das an der Grenze zur US-Basis Guantánamo stattfand und bei dem der Chef des US-Südkommandos, Francis Donovan, zugegen war. Washington hat öffentlich immer wieder grundlegende politische und wirtschaftliche Veränderungen gefordert, während die kubanische Regierung betont, diese Bereiche fielen in ihre nationale Souveränität und seien nicht verhandelbar. Havanna verabschiedete in weniger als einer Woche ein umfangreiches Paket von Wirtschaftsreformen, das, falls es umgesetzt wird, die größte Transformation der kubanischen Wirtschaft seit mindestens 15 Jahren darstellen würde. Díaz-Canel versicherte jedoch, die Wende habe nichts mit den USA zu tun. Die US-Administration hat im Laufe der Monate verschiedene Argumente für ihren Druck angeführt. Am häufigsten wird die schwere Krise genannt, verbunden mit der These, dass eine Wirtschaftsreform nur durch eine Änderung des politischen Systems möglich sei. Zudem wird behauptet, Kuba stelle sein Territorium „Gegnern" der USA – gemeint sind Russland und China – für Militärbasen und Geheimdienstzentren zur Verfügung. Auch Menschenrechtsverletzungen werden als Rechtfertigung genannt; es gibt in Kuba mehr als tausend politische Gefangene. Der Druck hat in Kuba, das sich seit 2020 in einer schweren strukturellen Krise befindet, offenkundige soziale Kosten verursacht. Die Stromausfälle machen ein normales Alltagsleben unmöglich und legen die Wirtschaft lahm. Schulen haben das Schuljahr verkürzt, der öffentliche Nahverkehr ist praktisch zum Erliegen gekommen, Krankenhäuser arbeiten am Limit, die Industrie steht still, und Banken, Staatsämter und Telekommunikationsdienste funktionieren mangels Strom kaum. In den Straßen Havannas türmen sich Berge von Müll, weil die Müllwagen kein Benzin haben. Die Proteste haben in den letzten Wochen zugenommen. Es handelt sich meist um nächtliche Topfschlagen und Müllverbrennungen durch Gruppen von Dutzenden Menschen, die friedlich bleiben, aber gelegentlich niedergeschlagen werden. Diese Aktionen sind weder nachhaltig noch politisch klar organisiert. Autor: Leon Latozke
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