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Kuba steht laut einem aktuellen Bericht der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (PAHO/WHO) vor einer beispiellosen Krise: Wirtschaftliche Engpässe, Personalmangel im Gesundheitswesen und Materialknappheit verschärfen sich durch Naturkatastrophen wie Hurrikane und Erdbeben.
17.09.2024 09:04 Uhr
Abbildung: Behandlungszimmer in Kuba nach Hurrikan. Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Die Panamerikanische Gesundheitsorganisation (PAHO/WHO) hat in einem aktuellen Lagebericht die dramatische Zuspitzung der Gesundheits- und Versorgungssituation in Kuba beschrieben. Wie aus einem jetzt veröffentlichten „Situation Report“ hervorgeht, sieht sich das Land einer seltenen Kombination von Naturkatastrophen und strukturellen Problemen gegenüber, die das Gesundheitssystem und die öffentliche Versorgung massiv belasten.
Seit Jahren kämpft Kuba mit einer schweren wirtschaftlichen Krise. Inflation, Mangel an Medikamenten und medizinischen Verbrauchsmaterialien sowie die anhaltende Abwanderung von Fachpersonal haben das Gesundheitswesen zunehmend geschwächt. Verschärft wird die Lage Laut PAHO durch eine außergewöjnliche Serien von Naturkatastrophen. Innerhalb kurzer Zeit trafen zwischen Oktober und Dezember 2024 zwei Hurrikane – „Oscar“ (Kategorie 1) und „Rafael“ (Kategorie 3) – sowie zwei Erdbeben der Stärke 5,9 und 6,8 auf die Insel. Die Naturkatastrophen hinterließen eine Schneise der Verwüstung, überfluteten Krankenhäuser und zerstörten wichtige Infrastruktur wie Strom- und Wasserversorgung. Nach Angaben der Gesundheitsorganisation wurden 385 medizinische Einrichtungen in unterschiedlichem Ausmaß beschädigt. Sieben Provinzen waren von schwerer Wasserknappheit, betroffen, besonders Artemisa mit 83 Prozent und Havanna mit 80 Prozent Versorgungsausfall. In Mayabeque, Guantánamo und Granma kommen weitreichende Stromausfälle und Infrastrukturprobleme hinzu. Die wiederholten landesweiten Abschaltungen des Stromnetzes erschweren die Notfallmaßnahmen zusätzlich. Besonders alarmierend ist nach Darstellung der PAHO das Risiko neuer Krankheitsausbrüche. Inmitten laufender Dengue- und Oropouche-Epidemien erhöhen Überschwemmungen, mangelnder Zugang zu sauberem Trinkwasser und schlechte hygienische Bedingungen in Notunterkünften die Gefahr von Magen-Darm-Erkrankungen, Atemwegsinfektionen und weiteren durch Vektoren übertragenen Krankheiten. Zwar halte das kubanische Gesundheitssystem trotz knapper Ressourcen grundlegende Dienstleistungen und epidemiologische Überwachung aufrecht, doch fehlten Reagenzien und Labormaterialien für Diagnosen ebenso wie Antibiotika, andere Arzneimittel und Basisausstattung für den Betrieb von Gesundheitseinrichtungen. Besondere Aufmerksamkeit widmet PAHO der Ausbreitung des Oropouche-Virus. Diese in Südamerika bislang seltene Infektionskrankheit wird durch Mücken übertragen. Nach Angaben des kubanischen Gesundheitsministeriums, die PAHO zitiert, wurden bis zum 30. Januar 2025 insgesamt 23 639 Verdachtsfälle und 626 bestätigte Infektionen registriert. Unter den bestätigten Fällen traten 76 Erkrankungen mit Guillain-Barré-Syndrom, 25 mit Enzephalitis und 15 mit Meningoenzephalitis auf. Obwohl seit Ende 2024 keine bestätigten Fälle mehr gemeldet wurden, verdeutlicht der jüngste Ausbruch die Notwendigkeit, die epidemiologische und entomologische Überwachung sowie präventive Maßnahmen in der Bevölkerung zu verstärken. Die Organisation unterstützt nach eigenen Angaben Kuba mit Hilfslieferungen und fachlicher Expertise, um die medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten und Ausbrüche zu verhindern. Mit ihrem Lagebericht zeichnet die Panamerikanische Gesundheitsorganisation ein düsteres Bild: Die gleichzeitige wirtschaftliche, infrastrukturelle und gesundheitliche Krise stelle Kuba vor „beispiellose Herausforderungen“. Wie PAHO betont, seien koordinierte internationale Unterstützung und eine Stärkung der öffentlichen Gesundheitssysteme entscheidend, um die Auswirkungen der Katastrophen abzufedern und weitere gesundheitliche Notlagen zu verhindern.
Quelle: PAHO (https://t1p.de/ycp29)
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Text: Leon Latozke
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