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Kuba plant einen tiefgreifenden Wandel im Tourismussektor: Erstmals sollen Hotels der Insel nicht nur von internationalen Ketten betrieben, sondern an diese vermietet werden. Mit dem neuen Modell will die Regierung Einnahmen in Devisen steigern und den angeschlagenen Tourismussektor beleben.
17.10.2025 08:30 Uhr
Abbildung: Escla, Hotel Iberostar Selection La Habana, im Volksmund "Torre K", Zuschnitt KUBAKUNDE, CC BY 3.0
Die kubanische Regierung hat einen markanten Kurswechsel im Tourismussektor beschlossen. Erstmals sollen internationale Hotelketten nicht nur die Verwaltung, sondern auch die Miete staatlicher Hotels übernehmen dürfen. Nach Informationen der spanischen Nachrichtenagentur EFE wird die spanische Kette Iberostar den Anfang machen. Ab dem 1. Januar 2026 übernimmt sie das Iberostar Origin Laguna Azul in Varadero als erstes Hotel des Landes unter einem Mietmodell, das die Rolle ausländischer Betreiber deutlich erweitert.
Bislang hatte der Staat über das Tourismusministerium und den Militärkonglomerat GAESA sämtliche touristischen Infrastrukturen kontrolliert. Ausländische Unternehmen durften Hotels zwar betreiben, mussten sich dabei aber strikt an staatliche Vorgaben halten. Investitionen, Personalentscheidungen, Menüplanung oder Lohnstrukturen unterlagen bürokratischer Kontrolle. Mit dem neuen Modell will die Regierung unter Premierminister Manuel Marrero, früher selbst Tourismusminister, mehr wirtschaftliche Dynamik in eine Branche bringen, die seit Jahren stagniert. Die Entscheidung fällt in einer Phase anhaltender wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Kuba leidet unter einer tiefen Versorgungskrise, hohen Inflationsraten und einem Mangel an Devisen, die für den Import von Lebensmitteln und Treibstoff benötigt werden. Der Tourismus, neben medizinischen Dienstleistungen und Auslandsüberweisungen eine der wichtigsten Einnahmequellen, hat sich von den Einbrüchen während der Pandemie nicht erholt. Während 2018 rund 4,7 Millionen Besucher gezählt wurden, erwartet die Branche für dieses Jahr nur etwa 1,8 Millionen Gäste – deutlich weniger als 2024 und weit entfernt von den Höchstwerten vor der Krise. Mit dem neuen Pachtmodell verfolgt die Regierung zwei Ziele. Einerseits sollen direkte Einnahmen in Devisen durch die Vermietung staatlicher Hotelanlagen erzielt werden. Andererseits hofft Havanna, dass größere betriebliche Freiheiten der ausländischen Ketten zu besserem Service, effizienterem Management und steigender Attraktivität der Unterkünfte führen. Dies soll die Besucherzahlen langfristig wieder erhöhen. Nach Angaben von EFE handelt es sich zunächst um Pilotprojekte, deren Ergebnisse über eine mögliche Ausweitung auf weitere Häuser entscheiden sollen. Für die internationalen Betreiber bedeutet das neue System einen erheblichen Zugewinn an Handlungsspielraum. Erstmals können sie Personal selbst einstellen, Gehälter direkt zahlen und betriebliche Entscheidungen eigenständig treffen. Bisher mussten sie die vom Staat festgelegten Löhne in Peso Cubano entrichten – auf einem Niveau, das angesichts der Inflation kaum ausreicht. Vertreter beteiligter Unternehmen sprechen von einer notwendigen Modernisierung, die Planungssicherheit und marktorientierte Gestaltung ermögliche. Eigentümer der Hotels bleibt weiterhin der Staat, der das sozialistische Eigentumsmodell formal beibehält. Bereits im Frühjahr hatte Kuba zwei Absichtserklärungen mit chinesischen Partnern für den traditionsreichen Hotelkomplex Copacabana in Havanna unterzeichnet. Weitere Verhandlungen mit internationalen Ketten laufen, doch über Mietpreise und Vertragsdetails wurde bisher nichts bekannt. Die Bedingungen werden individuell festgelegt; ein einheitliches Regelwerk existiert nicht. Beobachter sehen in dieser Öffnung einen vorsichtigen Versuch, marktwirtschaftliche Elemente in einen zentral gelenkten Sektor einzuführen, ohne die staatliche Kontrolle grundsätzlich aufzugeben. Die Regierung will auf diese Weise dringend benötigte Devisen beschaffen und zugleich das angeschlagene Image der Tourismusbranche verbessern. In den vergangenen Jahren hatte die Servicequalität stark gelitten, was sich negativ auf die Zufriedenheit der Gäste und die Auslastung der Hotels auswirkte. Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Konkurrenz in der Karibik. Während Reiseziele wie Cancún in Mexiko oder Punta Cana in der Dominikanischen Republik nach der Pandemie deutliche Zuwächse verzeichnen, bleibt Kuba weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Neben den wirtschaftlichen Schwierigkeiten belasten auch US-Sanktionen, Energieengpässe und bürokratische Hemmnisse die Branche. Mit der Vermietung von Hotels an internationale Ketten signalisiert die Regierung in Havanna den Willen, pragmatischer zu handeln. Der Staat behält die Kontrolle über das Eigentum, gibt aber operative Verantwortung ab – ein Schritt, der für das sozialistische System Kubas ungewöhnlich ist. Ob das Experiment gelingt, hängt davon ab, ob die gewährte unternehmerische Freiheit in der Praxis Bestand hat und ob es gelingt, die Einnahmen tatsächlich zu steigern. Für die kubanische Wirtschaft ist der Schritt von erheblicher Bedeutung: Er könnte zum Muster für eine vorsichtige Öffnung weiterer Sektoren werden, falls sich das Modell als tragfähig erweist.
Quelle: EFE (https://t1p.de/y2fga)
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Text: Leon Latozke
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