Neues aus Kuba
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31.07.2026 08:00 Uhr
Ein letztes Zeichen der Solidarität: Kurz vor Amtsübergabe reist Petro nach Havanna – sein Nachfolger will die Beziehungen zu Kuba brechen.
Abbildung: Fotografía oficial de la Presidencia de Colombia, Gustavo Petro 2025, Zuschnitt KUBAKUNDE, CC0 1.0
Es ist die letzte diplomatische Geste eines Präsidenten, der sein Land in den vergangenen vier Jahren außenpolitisch neu positioniert hat: Kolumbiens scheidender Staatschef Gustavo Petro reist an diesem Freitag für rund 48 Stunden nach Kuba, wo er mit seinem Amtskollegen Miguel Díaz-Canel zusammentreffen wird. Es ist die dritte Kuba-Reise Petros als Präsident – und die letzte vor der Amtsübergabe an seinen Nachfolger Abelardo de la Espriella am 7. August.
Das kubanische Außenministerium bestätigte den offiziellen Besuch für den Zeitraum vom 31. Juli bis 1. August und sprach von einer Gelegenheit, das „gemeinsame Bekenntnis zur lateinamerikanischen und karibischen Integration, zu Frieden, Multilateralismus und nachhaltiger Entwicklung" zu bekräftigen. Beide Länder verbinde eine enge, auf gegenseitigem Respekt beruhende Freundschaft, hieß es aus Havanna. Abgesagte USA-Reise
Ursprünglich hatte Petro vergangene Woche noch eine Reise in die Vereinigten Staaten geplant, mit einem Auftritt bei der OAS sowie einer UN-Konferenz zur Ressourcen-Governance. Diese sagte er kurzfristig ab – offiziell, weil die Abwesenheit des kongolesischen Präsidenten das Konferenzniveau protokollarisch herabgestuft habe. Auf X begründete Petro die Entscheidung jedoch weit grundsätzlicher: Er habe die geplante Reise durch einen Ort ersetzt, der für die „nationale Souveränität und den Kampf ums Leben in der Karibik" von zentraler Bedeutung sei – „das angegriffene Kuba".
In einer längeren Wortmeldung griff der linke Präsident indirekt seinen designierten Nachfolger an, ohne ihn namentlich zu nennen. Die künftige kolumbianische Außenpolitik werde sich „auf die Diktate von Tel Aviv reduzieren, die bestimmen, mit wem wir diplomatische Beziehungen unterhalten – ganz nach den Interessen der Völkermörder". Das werde Kolumbien auf den „kleinen Kreis der Freunde des Genozids" beschränken, während die Menschheit gegen den „menschlichen Holocaust in Gaza" stehe. De la Espriella kündigt Bruch an
Der Hintergrund: De la Espriella, der sich als enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump positioniert, hat angekündigt, 14 kolumbianische Botschaften weltweit zu schließen – darunter jene in Havanna und Managua. „In meiner Regierung wird es keinerlei Verbindung zu Tyranneien geben", erklärte er in einer seiner wochenendlichen Videoansprachen im Stil präsidialer Ansprachen. Parallel plant er die Wiederaufnahme der Beziehungen zu Israel samt Eröffnung einer Botschaft in Jerusalem – nachdem Petro die diplomatischen Beziehungen zu Israel aus Protest gegen den Krieg in Gaza abgebrochen hatte.
Kubas Außenministerium reagierte scharf auf die angekündigte Kehrtwende. Die Ankündigungen entfernten sich von den „historischen Beziehungen der Freundschaft und Verbundenheit zwischen Kuba und Kolumbien". Sollte der Bruch tatsächlich vollzogen werden, offenbare dies die „klare Unterordnung der kommenden kolumbianischen Regierung unter die von den USA seit jeher geförderte Politik der Spaltung und Konfrontation zwischen unseren Nationen" – sowie ihre Verbindungen zu den „übelsten und vulgärsten" Strömungen der antikubanischen Politik in den Vereinigten Staaten. Kuba als Vermittler im Friedensprozess
Die Beziehungen zwischen Bogotá und Havanna sind historisch eng verwoben – nicht zuletzt durch Kubas Rolle als Gastgeber und Garant kolumbianischer Friedensverhandlungen. Nach der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen 1993 war Havanna Schauplatz der Gespräche zwischen der Regierung Juan Manuel Santos und der FARC, die Ende 2016 im historischen Friedensabkommen mündeten. Auch die – letztlich gescheiterten – Verhandlungen mit der ELN-Guerilla fanden zeitweise in Kuba statt, zuletzt unter Petro selbst, nachdem sie zuvor in Caracas und Mexiko-Stadt stattgefunden hatten.
Selbst konservative kolumbianische Präsidenten pflegten traditionell gute Beziehungen zu Kuba: César Gaviria in den frühen 1990er-Jahren, Andrés Pastrana und – trotz seines rechten Profils – auch Álvaro Uribe, unter dem Kuba eine wichtige Vermittlerrolle bei der Freilassung von Entführungsopfern und in der Venezuela-Krise übernahm. Die einzige Ausnahme bildete bislang Iván Duque (2018–2022), der zeitgleich mit Trumps erster Amtszeit regierte und die diplomatische Tradition Kolumbiens unterbrach, ohne jedoch die Botschaft zu schließen. Petro selbst hatte seine Außenpolitik in den Dienst seiner „paz total" gestellt – dem inzwischen weitgehend gescheiterten Versuch, mit sämtlichen bewaffneten Gruppen gleichzeitig zu verhandeln. De la Espriella hingegen tritt mit betont militaristischem Ton auf, verspricht eine harte Sicherheitslinie und hat jede Verhandlungsoption mit bewaffneten Gruppen kategorisch ausgeschlossen. Dritter Besuch als Präsident
Petro war bereits im Juni 2023 anlässlich des Abschlusses der dritten ELN-Verhandlungsrunde sowie im September desselben Jahres zum G77+China-Gipfel in Kuba. Der aktuelle Besuch fällt in eine Zeit, in der die kubanische Führung seit Januar mit einer massiven Verschärfung des US-Drucks konfrontiert ist – einer Kombination aus Ölembargo, neuen einseitigen Zwangsmaßnahmen und militärischen Drohgebärden.
Autor: Leon Latozke
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