Neues aus Kuba
|
01.08.2026 08:00 Uhr
![]()
Kolumbiens scheidender Präsident Gustavo Petro hat Havanna zu seiner letzten Auslandsreise als Staatschef gemacht – ein bewusst gesetztes politisches Zeichen.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Es ist eine Reise mit Symbolkraft: Kolumbiens scheidender Präsident Gustavo Petro hat am Freitagabend Havanna besucht – als letzte offizielle Auslandsstation seiner Amtszeit. Kurz nach 19 Uhr Ortszeit landete er auf dem Flughafen José Martí, wo ihn Kubas Vizeaußenministerin Josefina Vidal empfing. Von dort ging es weiter zur Plaza de la Revolución, wo Petro traditionsgemäß am Denkmal für Nationalheld José Martí einen Blumenkranz niederlegte, bevor er sich mit seinem kubanischen Amtskollegen Miguel Díaz-Canel im Regierungspalast traf.
Dass Petro ausgerechnet Kuba als letztes Reiseziel wählte, ist kein Zufall. Wie er selbst kurz zuvor in einem Beitrag auf X erklärte, sei "das angegriffene Kuba" für die "nationale Souveränität und den Kampf ums Überleben in der Karibik" von zentraler Bedeutung. Wörtlich schrieb er: "Von Kuba aus will ich mich gegen einen Krieg in der Karibik stellen." Weder Raketen noch eine Invasion noch die Blockade seien Lösungen für die Probleme der Menschheit, so der linke Staatschef. Ein Gegenentwurf zum designierten Nachfolger
Der Besuch hat auch eine innenpolitische Dimension. Petros gewählter Nachfolger, der rechtsextreme Abelardo de la Espriella, hat bereits angekündigt, die kolumbianische Botschaft in Havanna umgehend zu schließen und die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abzubrechen – mit der Begründung, man wolle keinerlei "Verbindung zu Tyranneien". Petros Abschiedsvisite lässt sich damit auch als deutliche Distanzierung von diesem außenpolitischen Kurswechsel lesen.
Für Petro, den ersten linken Präsidenten Kolumbiens, war Kuba während seiner vierjährigen Amtszeit mehr als nur ein politisches Referenzland der lateinamerikanischen Linken – eine Rolle, die die Insel seit dem Sieg der Revolution 1959 für viele in der Region spielt. Havanna diente seiner Regierung ab 2022 erneut als Gastgeber für die wiederaufgenommenen Verhandlungen mit der Guerilla ELN im Rahmen seiner "Paz Total"-Strategie – ein Prozess, den auch De la Espriella nach eigener Ankündigung rückabwickeln will. Zuvor war Havanna bereits Schauplatz der historischen Friedensverhandlungen mit der FARC gewesen. Petro hatte sich zudem wiederholt bei Washington dafür eingesetzt, Kuba von der Liste der Terrorismus fördernden Staaten zu streichen, mit dem Argument, dies erschwere die Friedensgespräche. Einer der letzten Verbündeten in der Region
Laut kubanischem Außenministerium sollten bei dem Treffen mit Díaz-Canel "die Fortschritte in den bilateralen Beziehungen" besprochen werden, mit Schwerpunkt auf Wirtschaft, Handel, Investitionen und Kooperation, aber auch regionale und internationale Themen. Havanna betonte in einer Mitteilung die "historischen freundschaftlichen Beziehungen" zwischen beiden Ländern, die auf gegenseitigem Respekt und Dialog beruhten.
Petro gehört neben der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum zu den wenigen verbliebenen Staatschefs Lateinamerikas, die sich seit Beginn des harten Kurses Washingtons gegenüber Kuba im Januar 2026 öffentlich für die Insel eingesetzt haben. Er hat wiederholt die Ölblockade und die jüngsten Sanktionen gegen Kuba kritisiert und mehrere Lieferungen humanitärer Hilfe geschickt, um die schwere Krise auf der Insel abzufedern. Mit Petros Abgang verliert Havanna einen seiner letzten verlässlichen Partner in der Region. Ganz Lateinamerika rückt derzeit nach rechts und sucht die Nähe zur US-Regierung unter Donald Trump – eine Entwicklung, die sich durch die Festnahme Nicolás Maduros in Venezuela zusätzlich verschärft hat. Kuba findet sich damit zunehmend isoliert wieder. Kritik an militärischer Eskalation in der Karibik
In einem ausführlichen X-Beitrag mit dem Titel "Warum reise ich nach Kuba?" begründete Petro seinen Besuch mit dem Regierungsprogramm, für das er 2022 gewählt worden sei, sowie mit der kolumbianischen Verfassung von 1991, die den "Weltfrieden und insbesondere den Frieden in der Karibik und Lateinamerika" als Auftrag festschreibe – gestützt durch Kolumbiens damaligen Vorsitz im UN-Sicherheitsrat.
Er stellte den friedenspolitischen Kurs seiner Regierung explizit gegen die aggressive Haltung anderer Staaten gegenüber Ländern, die sich "am stärksten gegen den Völkermord in Gaza" ausgesprochen hätten – darunter neben Kuba auch Palästina, Südafrika, Algerien, Malaysia und Haiti. Petro prangerte zudem die Folgen militärischer Operationen in der karibischen Region an: Raketenangriffe gegen mutmaßliche Drogenhändler im Karibischen Meer hätten "einfache Menschen" getötet. Nach Angaben, die er auf US-Geheimdienstquellen zurückführte, seien dabei 261 Menschen ums Leben gekommen, davon rund 50 Kolumbianer. Eine Debatte über "Invasionen und Raketen" gegen Kuba wies Petro entschieden zurück. Er erinnerte daran, dass die Insel 2.000 kolumbianische Ärzte ausgebildet, zum Frieden mit der FARC beigetragen und mit ihrem eigenen Corona-Impfstoff Hunderttausende Menschen weltweit gerettet habe. Die genannten Zwangsmaßnahmen gegen Kuba bezeichnete er als "weitverbreitete Menschenrechtsverletzungen" und rief zu einem internationalen Dialog auf Augenhöhe auf. Dritte Kuba-Reise seiner Amtszeit
Ursprünglich hatte Petro geplant, in die USA zu reisen, um an einer UN-Konferenz zur Rohstoff-Governance sowie an einer Veranstaltung der Organisation Amerikanischer Staaten teilzunehmen. Nachdem jedoch klar wurde, dass der Präsident des Kongo nicht zu dem multilateralen Gipfeltreffen erscheinen würde, entschied er sich, diese Agenda zu streichen und seinen Reiseplan entsprechend anzupassen.
Der aktuelle Besuch ist bereits Petros dritte offizielle Kuba-Reise während seiner Amtszeit – nach einem Aufenthalt im Juni 2023 zum Abschluss der dritten Verhandlungsrunde mit der ELN und einem weiteren im September desselben Jahres anlässlich des Gipfeltreffens der G77 plus China. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
August 2026
|


RSS-Feed