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Protestwelle in Kuba: Stromausfälle, Wassermangel und öffentliche Unzufriedenheit nehmen zu5/9/2025
Im August 2025 erreichte die Unzufriedenheit in Kuba einen neuen Höhepunkt: Mehr als 1.000 Protestaktionen wurden dokumentiert. Ursachen sind anhaltende Stromausfälle, Wassermangel, verschlechterte Gesundheitsversorgung und wachsende Ernährungsunsicherheit.
05.09.2025 05: 33 Uhr
Kuba verzeichnete im August 2025 einen Rekord an Protesten und Beschwerden, wie der monatliche Bericht des unabhängigen Beobachtungsstelle für Konflikte in Kuba (Observatorio Cubano de Conflictos - OCC) zeigt. Mehr als 1.000 Aktionen auf der Insel spiegeln die wachsende Frustration der Bevölkerung über anhaltende Stromausfälle, die zunehmende Knappheit von Trinkwasser und den Rückgang öffentlicher Dienstleistungen wider.
Die unabhängige Organisation mit Sitz in Kuba. wurde 2018 von der in den USA ansässigen Foundation for Human Rights in Cuba (FHRC) initiiert und spielt eine bedeutende Rolle bei der Dokumentation und Analyse sozialer Unruhen und Proteste in Kuba. Obwohl die Organisation nicht direkt von US-amerikanischen Institutionen finanziert wird, erhält die übergeordnete FHRC Unterstützung von solchen Stellen. Das OCC dokumentiert seit Jahren soziale Unruhen, Bürgerproteste und staatliche Repression. Laut dem Bericht setzen Kubanerinnen und Kubaner ihre Kritik an der Polizei- und Staatsmacht zunehmend öffentlich in Szene: durch Straßenproteste, Graffiti, Blockaden, Sit-ins vor Regierungsgebäuden und Aktivitäten in sozialen Medien. Die Zahl der Beschwerden über öffentliche Sicherheit habe sich verdoppelt, insbesondere in Zusammenhang mit Todesfällen, Gewalt, Kriminalität und vermissten Personen, was der Bericht als „alarmierend“ bezeichnet. Die Lebensbedingungen auf der Insel verschlechtern sich nach Angaben des Observatoriums täglich. Stromausfälle dauern oft viele Stunden, und die Wasserversorgung ist vielerorts unterbrochen, was das Alltagsleben massiv beeinträchtigt. Die Proteste führten teilweise zu kurzfristigen Verbesserungen, gleichzeitig kam es jedoch zu Festnahmen. Rolando Cartaya, FHRC-Direktor und Autor des Berichts, wies darauf hin, dass die Regierung weiterhin behauptet, kein Geld für den Kauf von Brennstoffen zur Stabilisierung der Stromversorgung oder für Medikamente zu haben – aktuell seien nur etwa 35 Prozent der benötigten Medikamente verfügbar. Laut Unterlagen eines staatlich kontrollierten Militärkonglomerats verfügt Kuba jedoch über Offshore-Konten in Höhe von rund 18 Milliarden US-Dollar. Die Protestformen waren vielfältig: Neben lautstarken Straßenaktionen wie Topf- und Pfannenkrawallen, Straßensperren und Demonstrationen vor Ämtern gab es auch verdeckte Aktionen, darunter antigovernment-Graffiti und Sabotage von staatlichem Eigentum, etwa der Telekommunikationsgesellschaft. Gleichzeitig reagierten Aktivisten, Intellektuelle und Bürgerinnen und Bürger auf staatliche Propaganda, die anlässlich des 99. Geburtstags von Fidel Castro am 13. August die Erinnerung an den Revolutionsführer zu nutzen versuchte. Auch im Bereich der öffentlichen Sicherheit stieg die Zahl der Vorfälle deutlich. Neben Morden und Gewalttaten, teilweise mit geschlechtsspezifischem Hintergrund, dokumentierte das Observatorium Vermisstenfälle und mindestens fünf Schusswaffenereignisse. Die Gesundheitsversorgung auf Kuba steht weiterhin unter Druck: Trotz der Entsendung von 605.000 kubanischen Gesundheitspersonal in 165 Länder, um Devisen zu erwirtschaften, fehlt es auf der Insel an Ärztinnen und Ärzten. Im August meldeten Bürger vermehrt Fälle medizinischer Vernachlässigung, Engpässe bei Medikamenten und Behandlungen sowie Überlastung in rund 20 Krankenhäusern. Die Lebensmittelsituation bleibt angespannt. Staatlich subventionierte Rationen schrumpfen, Lieferungen verzögern sich, und die Bevölkerung sieht sich wachsender Ernährungsunsicherheit ausgesetzt. Zwar wird ein durchschnittliches Monatseinkommen von 6.649 kubanischen Pesos (etwa 16 US-Dollar) angegeben, Berechnungen zeigen jedoch, dass Kubanerinnen und Kubaner etwa 30.000 Pesos (73 US-Dollar) pro Monat benötigen, um sich ausreichend ernähren zu können.
Quelle: OCC (https://t1p.de/43pjk)
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Text: Leon Latozke
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