Neues aus Kuba
|
22.06.2026 07:00 Uhr
![]()
Ramiro Valdés, historischer Kommandant der kubanischen Revolution undlangjähriger Vizepremier, ist im Alter von 94 Jahren verstorben. Der Mitstreiter von Fidel Castro und Che Guevara war maßgeblich am Aufbau des sozialistischen Staates beteiligt.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Der kubanische Vizepremier Ramiro Valdés Menéndez, eine der letzten lebenden Legenden der Revolution von 1959, ist tot. Wie staatliche Medien meldeten, starb der 94-Jährige am Sonntagmorgen (21.) in Havanna. Eine offizielle Todesursache wurde nicht genannt, das staatliche Portal Cubadebate würdigte ihn als „Helden der Republik“ und pries seine „brillante und außergewöhnliche Dienstakte für das Vaterland“. Valdés gehörte zu jener schmalen Führungsriege, die mit Fidel Castro an der Spitze die Insel über sechs Jahrzehnte prägte und deren Reihen sich nun endgültig lichten.
Geboren am 28. April 1932 in Artemisa, im Westen der Insel, entstammte Valdés einer armen Familie mit fünf Kindern – eine Herkunft, die Biografen zufolge seinen strengen Charakter und seine Abneigung gegen öffentliches Rampenlicht formte. Er war einer der jungen Männer, die am 26. Juli 1953 die Moncada-Kaserne stürmten, jene erste bewaffnete Aktion gegen den Diktator Fulgencio Batista. Später schloss er sich der Expedition der Granma an und kämpfte in der Sierra Maestra an der Seite von Ernesto „Che“ Guevara. Nach der Machtübernahme 1959 stieg er schnell in die oberen Ränge des neuen Staates auf. Valdés’ Einfluss zeigte sich besonders im Aufbau des Sicherheitsapparates. Er war Mitbegründer des Staatssicherheitsdepartements (Departamento de Seguridad del Estado - DSE) und der Generaldirektion für Nachrichtendienste (Dirección General de Inteligencia - DGI), die für die Überwachung, Infiltration und Unterdrückung von Regimegegnern und Antikommunisten zuständig waren. Zweimal leitete er das Innenministerium: von 1961 bis 1968 und erneut von 1979 bis 1985. In seiner ersten Amtszeit trieb er die sogenannten Militärischen Einheiten zur Unterstützung der Produktion (Unidades Militares de Apoyo a la Producción -UMAP) voran, jene berüchtigten landwirtschaftlichen Arbeitslager, in denen tausende junger Männer – Homosexuelle, religiöse Menschen, Arbeitslose oder politisch Missliebige – zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden. Nach seiner Zeit im Innenministerium diente Valdés als erster Vize der Revolutionären Streitkräfte, als rechte Hand von Raúl Castro. 1980 stieg er sogar an die vierte Stelle in der Nomenklatura der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) auf, wo er für Ideologie zuständig war. Seine Karriere erlebte jedoch einen abrupten Bruch: 1986 wurde er ohne öffentliche Erklärung von all seinen wichtigen Posten in Partei und Regierung „befreit“. Längere Zeit blieb er im Schatten, wenn auch nicht völlig im Abseits, und leitete ein staatliches Technologieunternehmen. Die Verleihung des Titels „Held der Republik“ im Jahr 2001 galt als Zeichen seiner politischen Rehabilitierung. Der Aufstieg setzte sich 2003 mit der Rückkehr in den Staatsrat fort. Zwei Jahre später wurde er Minister für Informatik und Kommunikation. Der endgültige Höhepunkt seiner zweiten Karriere war die Ernennung zum Vizepräsidenten des Landes (2009) und die Wiederaufnahme in das Zentralkomitee der PCC (2011), dem er bis 2019 angehörte. Dies fiel zeitlich mit dem Rückzug von Raúl Castro aus den formalen Machtpositionen zusammen, der von 2006 bis 2018 Präsident war. Trotz seines hohen Alters blieb Valdés bis zuletzt aktiv. In den vergangenen Jahren überwachte er als Vizepremier sozioökonomische Projekte wie den Wohnungsbau, die Produktion von Baumaterialien, die Stromerzeugung und Industrieinvestitionen. Seine öffentlichen Auftritte waren stets selten – er galt als zurückhaltend und vermied Reden vor großen Menschenmengen. In den letzten Jahren jedoch zeigten ihn die Staatsmedien häufiger bei der Kontrolle von Bauprojekten. Privat war er ein begeisterter Sportler: Jahrzehntelang lief er täglich und betrieb Krafttraining. „Man muss bereit sein für das, was kommen mag“, pflegte er zu sagen. Seit Ende 2025 war Valdés vollständig aus der Öffentlichkeit verschwunden. Gerüchte über eine Erkrankung wurden nie bestätigt. Auffällig war sein Fehlen bei mehreren wichtigen Staatsakten, etwa der offiziellen Ankündigung von Kontakten mit den USA oder der Ehrung von 32 Kubanern, die bei einer US-Militäroperation in Venezuela ums Leben gekommen waren. Sein Tod markiert das Ende einer Ära: Er war einer der letzten Vertreter jener historischen Generation, die 1959 die Macht ergriff und Kubas Entwicklung für Jahrzehnte bestimmte.
Quelle: Cubadebate (https://t1p.de/1q2lz)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed