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Kuba erlebte den schwersten Stromausfall seiner Geschichte: 64 Prozent der Insel waren zeitweise ohne Strom. Die Krise, die seit 2024 besteht, hat sich durch US-Sanktionen gegen Ölimporte weiter verschärft.
11.02.2026 08:50 Uhr
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Kuba hat am Dienstag (10.) den bislang schwersten Stromausfall seiner jüngeren Geschichte erlebt. Nach Angaben der staatlichen Unión Eléctrica (UNE) waren im Spitzenlastzeitraum am Abend zeitweise mehr als 64 Prozent des Landes gleichzeitig ohne Strom. Damit wurde der bisherige Höchstwert von 63 Prozent, der erst am 31. Januar registriert worden war, erneut übertroffen.
Für die Hauptnachfragezeit hatte die UNE eine verfügbare Erzeugungskapazität von lediglich 1.134 Megawatt (MW) prognostiziert, während der Bedarf bei rund 3.100 MW lag. Das Defizit von 1.966 MW wurde durch gezielte Abschaltungen in Höhe von knapp 2.000 MW ausgeglichen, um einen unkontrollierten Netzzusammenbruch zu verhindern. Faktisch bedeutete dies stundenlange Stromausfälle in 64 Prozent des Landes. Die Energiekrise, die Kuba seit Mitte 2024 erfasst hat, hat sich zuletzt dramatisch zugespitzt. Die Regierung macht dafür vor allem den verschärften Druck der USA verantwortlich. Hintergrund sind Maßnahmen Washingtons gegen die Öllieferungen an die Insel, darunter eine am 29. Januar von Präsident Donald Trump unterzeichnete Exekutivanordnung, die Drittstaaten von Rohölexporten nach Kuba abhalten soll. Präsident Miguel Díaz-Canel hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, die dezentrale Stromerzeugung auf Motorenbasis – bislang rund 40 Prozent des Energiemixes – stehe seit vier Wochen vollständig still, da Treibstoff fehle. Auch die thermischen Kraftwerke arbeiten nur eingeschränkt. Sechs der 16 betriebsbereiten Einheiten sind außer Betrieb, darunter zwei der drei leistungsstärksten Anlagen. Die Thermokraft decken im Durchschnitt etwa 40 Prozent der Stromproduktion. Die Kombination aus technischen Ausfällen und fehlendem Treibstoff hat das staatlich organisierte Energiesystem an seine Grenzen gebracht. Die Regierung reagierte mit drastischen Notmaßnahmen: Der Verkauf von Diesel im Einzelhandel wurde gestoppt, Benzin stark rationiert, an den Flughäfen fehlt Kerosin. Staatliche Einrichtungen reduzierten ihre Öffnungszeiten, Telearbeit wurde ausgeweitet, öffentliche Dienstleistungen auf das Notwendigste beschränkt. Kuba produziert nach offiziellen Angaben lediglich rund ein Drittel seines Energiebedarfs selbst. Unabhängige Experten verweisen dagegen auf strukturelle Ursachen. Das seit 1959 vollständig staatliche Energiesystem leide unter chronischer Unterfinanzierung; für eine grundlegende Sanierung seien Investitionen zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar erforderlich. Die Regierung spricht hingegen von „energetischer Erstickung“ durch US-Sanktionen. Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Seit 2020 ist die kubanische Wirtschaft laut offiziellen Zahlen um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Die anhaltenden, teils täglichen Stromausfälle gelten zudem als zentraler Auslöser der größten Proteste der vergangenen Jahre. Mit dem nun erreichten Rekordwert hat die Energiekrise eine neue Eskalationsstufe erreicht.
Quelle: EFE (https://t1p.de/irph8)
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