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11.09.2026 07:00 Uhr
Zum ersten Mal seit 1966 vergeht die Atlantik-Hurrikansaison bis weit in den September hinein, ohne dass sich ein einziger Hurrikan gebildet hätte. Verantwortlich sind ein historisches El-Niño-Ereignis und Saharastaub – doch die gefährlichste Phase der Saison steht laut NHC noch bevor.
Abbildung: Archivbild von Hurrikan Melissa 2025 (Bildquelle Melissa 2025-10-28 1430Z, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons)
Die atlantische Hurrikansaison 2026 hat einen Rekord aufgestellt, den es seit Beginn der Satellitenbeobachtung so noch nicht gab: Bis zum 11. September wurde weder im Atlantik selbst noch in der Karibik oder im Golf von Mexiko ein einziger Hurrikan registriert. Das US-amerikanische Hurrikanzentrum (NHC) erklärte, man habe damit offiziell die bisherige Bestmarke der Satelliten-Ära (seit 1966) übertroffen, die zuvor die Hurrikane Gustav (2002) und Humberto (2013) gehalten hätten – beide hatten sich erst am 11. September gebildet. Nach Angaben von Hurrikanforscher Philip Klotzbach von der Colorado State University, sei derart spätes Ausbleiben des ersten Hurrikans zuletzt 1941 vorgekommen sei – also noch vor Beginn der Satellitenbeobachtung, aber innerhalb belastbarer historischer Aufzeichnungen.
Eine historisch ruhige Bilanz
Die Zahlen zeigen, wie außergewöhnlich die Lage ist. Meteorologen messen die Gesamtstärke einer Hurrikansaison mit einem Wert, der berücksichtigt, wie viele Stürme es gibt, wie stark sie sind und wie lange sie andauern. Dieser Wert liegt 2026 bislang bei nur 4,4 – im Schnitt der vergangenen Jahrzehnte stand zu diesem Zeitpunkt der Saison ein Wert von 60,5 zu Buche. Anders ausgedrückt: Die bisherige Sturmaktivität liegt bei nur etwa 7 Prozent dessen, was normalerweise zu erwarten wäre, wie der Hurrikanforscher Klotzbach vorrechnete.
Auch die reine Anzahl macht den Unterschied deutlich: Normalerweise hätten sich bis zu diesem Datum schon acht Stürme mit Namen und drei Hurrikane gebildet. 2026 gab es bislang nur fünf tropische Stürme – Arthur, Bertha, Cristobal, Dolly und Edouard –, und keiner von ihnen wurde stark genug, um offiziell als Hurrikan zu gelten (dafür braucht es Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 km/h). Ganz anders sieht es im Pazifik aus, wo El Niño die Sturmaktivität normalerweise verstärkt statt bremst: Dort wurden bereits 13 Stürme gezählt, darunter fünf Hurrikane und drei besonders starke – eine Bilanz, die schon fast einer kompletten Durchschnittssaison entspricht. El Niño und Saharastaub bremsen die Hurrikanbildung
Der Hauptgrund für die Ruhe ist ein besonders starkes El-Niño-Ereignis. Bei El Niño erwärmt sich das Wasser im tropischen Pazifik stark – ein natürliches Klimaphänomen, das aber weltweit Wetterfolgen hat. Die US-Wetterbehörde NOAA geht davon aus, dass dieses El Niño zu den stärksten seit 1950 gehören könnte.
Für den Atlantik bedeutet das: Der Wind weht in großer Höhe anders als sonst. Fachleute sprechen von Windscherung – gemeint ist, dass Windgeschwindigkeit und Windrichtung sich zwischen den unteren und oberen Luftschichten stark unterscheiden. Genau das verhindert die Bildung von Hurrikanen: Ein Sturm braucht ungestörte, gleichmäßige Bedingungen, um sich aufzubauen. Unterschiede in Geschwindigkeit und Richtung des Windes auf verschiedenen Höhen reißewn aufziehende Sturmsysteme auseinander, bevor sie sich organisieren könnten. Dazu kommt ein zweiter Faktor: In der vergangenen Woche zog eine große Menge Saharastaub über weite Teile des Atlantiks. Diese trockene Luft aus der Wüste entzieht den Stürmen zusätzlich die Feuchtigkeit, die sie zum Wachsen brauchen – auch das erschwert die Bildung neuer Hurrikane. Das kubanische Meteorologie-Institut (INSMET) hatte im Mai eine insgesamt weniger aktive Saison prognostiziert, gleichzeitig aber eine Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent für einen direkten Hurrikan-Treffer und von 75 Prozent für den Einschlag mindestens eines tropischen Sturms auf der Insel veranschlagt – Werte, die bis zum Ende der Saison am 30. November weiterhin gültig bleiben. Ausgefallene Radartechnik erschwert die Überwachung
Die anhaltende Ruhe im Atlantik trifft zudem auf ein geschwächtes kubanisches Frühwarnsystem. Ein kubanischer Meteorologe machte Anfang September öffentlich publik, dass sämtliche acht Wetterradare des Landes durchgehend ausgefallen seien und auch auf der offiziellen INSMET-Website keine aktuellen Radarbilder abrufbar gewesen seien. Die Radaranlagen dienen der Verfolgung von Niederschlag und der Entwicklung tropischer Systeme in Echtzeit. Der Meteorologe brachte die Störungen mit den anhaltenden Stromausfällen und der allgemeinen Wirtschaftskrise des Landes in Verbindung und kritisierte zugleich veraltete Angaben auf der Institutsseite. Das INSMET äußerte sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen.
Die Saison ist noch nicht vorbei
Das NHC warnte trotz der ungewöhnlichen Ruhe vor verfrühter Entwarnung: Etwa die Hälfte der üblichen Sturmaktivität einer Saison falle statistisch auf die Zeit nach dem 11. September, zudem habe es in der gesamten Satelliten-Ära noch keine Saison ohne mindestens zwei Hurrikane gegeben. Ein spät beginnender Jahrgang könne demnach dennoch folgenreiche Stürme hervorbringen. Die Hurrikansaison im Atlantik endet offiziell am 30. November.
Autor: Leon Latozke
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