Neues aus Kuba
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Der kubanische Vizepremier Ricardo Cabrisas ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Der langjährige Spitzenfunktionär galt als Architekt der Wirtschaftsdiplomatie der Insel und war über Jahrzehnte wichtigster Verhandlungsführer Havannas bei der Umschuldung seiner Auslandsschulden.
17.09.2025 07:09 Uhr
Der kubanische Vizepremier Ricardo Cabrisas Ruiz ist am 16. September 2025 im Alter von 88 Jahren gestorben. Präsident Miguel Díaz-Canel bestätigte den Tod des Politikers im sozialen Netzwerk X und sprach von einer „sehr traurigen Nachricht“ für Kuba. Über die Todesursache machte die Regierung keine Angaben. Cabrisas war eine Schlüsselfigur der Wirtschaftspolitik der Insel und prägte über Jahrzehnte die Beziehungen Havannas zu internationalen Partnern.
Cabrisas bekleidete seit den 1970er-Jahren nahezu ununterbrochen Spitzenpositionen in Regierung und Partei. Er war zweimal Minister für Außenhandel (1980–2000 und 2023/24), Vizepräsident des Ministerrats (2008–2019), Minister für Wirtschaft und Planung (2016–2018) und zuletzt Vizepremier. Im Parlament hatte er einen Sitz und war Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). Besondere Bedeutung erlangte Cabrisas als Chefverhandler der Auslandsschulden. Über Jahrzehnte führte er – meist fernab der Öffentlichkeit – Gespräche mit staatlichen und privaten Gläubigern. Noch im Januar 2025 leitete er in Paris erfolgreich die Neuverhandlung kubanischer Verpflichtungen im Club de Paris. Einen Monat später würdigte ihn die japanische Regierung mit dem „Großen Orden der Aufgehenden Sonne“, der zweithöchsten Auszeichnung des Landes für Ausländer. Bereits Anfang der 1970er-Jahre war Cabrisas Botschafter in Tokio gewesen. Seine Arbeit trug maßgeblich zu einem Kurswechsel Havannas im Umgang mit Krediten bei. Während Kuba in den 1980er- und 1990er-Jahren Zahlungsverpflichtungen häufig als neokolonialistisch kritisierte, setzte unter Raúl Castro ab 2008 ein pragmatischeres Schuldenmanagement ein. Cabrisas wurde zur treibenden Kraft dieser Neuorientierung. Raúl Castro lobte 2018 vor dem Parlament ausdrücklich die „unverkennbaren Ergebnisse“ des von Cabrisas geleiteten „geduldigen und arbeitsintensiven Prozesses der Umstrukturierung der Auslandsschulden“. Der 1937 in Havanna geborene Cabrisas studierte zunächst Politikwissenschaften und Medizin, ohne einen Abschluss zu erlangen. 1961 trat er in das neu geschaffene Außenhandelsministerium ein, durchlief diplomatische Posten in Uruguay und Kanada und stieg rasch auf. Seither verband ihn eine enge Beziehung zu Japan, aber auch zu Partnern wie Russland, China, Algerien, Angola oder der Türkei. Fotos aus fünf Jahrzehnten zeigen ihn beim Handschlag mit führenden Politikern dieser Länder – ein Hinweis auf seinen Einfluss, obwohl er in kubanischen Staatsmedien nur selten auftrat. In seinen letzten Jahren führte Cabrisas trotz hohen Alters weiterhin Schlüsselverhandlungen und übernahm erneut das Handelsministerium. Beobachter sehen in ihm den stillen Architekten der kubanischen Wirtschaftsdiplomatie, der es verstand, das international isolierte Land finanziell handlungsfähig zu halten und dessen außenwirtschaftliche Beziehungen abzusichern. Mit dem Tod von Ricardo Cabrisas verliert Kuba einen der letzten Veteranen der wirtschaftspolitischen Führungsriege, der seit den frühen 1970er-Jahren die internationale Position Havannas geprägt hat. Präsident Díaz-Canel kondolierte den Angehörigen und würdigte Cabrisas als „exemplarischen Mann, der sein ganzes Leben der Revolution gewidmet“ habe.
Quellen: EFE (https://t1p.de/puxua), El País (https://t1p.de/4pw07), Wikipedie (https://t1p.de/q7ynt)
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