Neues aus Kuba
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22.06.2026 23:00 Uhr
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Claudia Sheinbaum kündigt Öllieferungen an Kuba über private Firmen an. Grundlage sind Kubas neue Marktreformen, die privaten und ausländischen Handel erlauben.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Seit Monaten kämpft Kuba mit einer Energiekrise, die das Land lähmt. Nun wagt Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum einen ungewöhnlichen Schritt – und testet damit gleichzeitig, wie ernst Donald Trump seine eigenen Drohungen meint.
Ein Land am Limit Wer in Havanna dieser Tage an einer Tankstelle vorbeifährt, sieht oft dasselbe Bild: geschlossene Zapfsäulen, wartende Menschen, leere Kanister. Kuba produziert selbst rund 40 Prozent des benötigten Erdöls – doch dieses schwefelhaltige Eigenöl taugt bislang ausschließlich zur Stromerzeugung. Benzin, Diesel, Kerosin: alles muss aus importierten Rohstoffen raffiniert werden. Versuche, heimisches Öl für Treibstoffe nutzbar zu machen, stecken noch in den Kinderschuhen. Die Folgen sind spürbar und weitreichend. Tägliche, stundenlange Stromausfälle gehören zum Alltag. Schulen und Betriebe arbeiten auf Sparflamme. Der öffentliche Nahverkehr fällt vielerorts aus. Operationen werden abgesagt, weil Krankenhäuser nicht verlässlich mit Strom versorgt werden können. Lebensmittel verderben mangels Kühlung. Eine Gesellschaft unter permanentem Ausnahmezustand. Ausgelöst wurde diese Zuspitzung durch eine Kette geopolitischer Ereignisse: Nachdem die USA Anfang Januar Venezuela angriffen und Präsident Nicolás Maduro festnahmen, brachen die ohnehin schon reduzierten venezolanischen Öllieferungen nach Kuba vollständig ein. Mexiko sprang vorübergehend als Ersatzlieferant ein – bis Donald Trump drohte, Strafzölle gegen jedes Land zu verhängen, das Kuba mit Öl versorgt.. Seitdem erreichte nur ein einziger Tanker die Insel – ein russisches Schiff mit 730.000 Barrel, aufgebraucht innerhalb weniger Wochen. Am 11. Juni verschärften die USA den Druck weiter: Der staatliche kubanische Erdölkonzern CUPET wurde mit direkten Sanktionen belegt. Die Konstruktion des Umwegs Die mexikanische Präsidentin kündigte am Montag (22.) an, die Öllieferungen wiederaufnehmen zu wollen – aber diesmal nicht über staatliche Unternehmen, sondern über private mexikanische Handelsfirmen. „Der Mechanismus würde über Privatunternehmen laufen, die über Genehmigungen für den Kraftstofftransport nach Kuba verfügen", erklärte sie. Einen konkreten Zeitplan nannte sie nicht. Der Schlüssel zu diesem Konstrukt liegt in Kubas jüngsten Wirtschaftsreformen, die das Parlament vergangene Woche verabschiedet hat. Premierminister Manuel Marrero kündigte dabei explizit an, dass privates und ausländisches Kapital künftig am Import und Vertrieb von Kraftstoffen beteiligt werden darf – einschließlich des Tankstellennetzes. Private Unternehmen können demnach eigene Tankstellen betreiben und direkt Verträge mit ausländischen Anbietern abschließen, ohne staatliche Zwischenhändler. Unter bestimmten Ausnahmegenehmigungen soll sogar US-amerikanisches Erdöl – in Isotanks gelagert – an private Abnehmer in Kuba geliefert werden können. Sheinbaum will genau diese Öffnung nutzen. Indem mexikanische Privatfirmen die Lieferungen abwickeln, umgeht Mexiko formell den direkten Staatshandel – jenen Kanal, auf den Trumps Drohungen bisher primär abzielten. Ob diese juristische Konstruktion politisch standhält, ist eine andere Frage. Ein Test mit ungewissem Ausgang... ...denn Trumps Drohungen richteten sich nicht gegen staatliche Ölkonzerne allein, sondern pauschal gegen jedes Land, das Kuba mit Energie versorgt. Die Unterscheidung zwischen privat und staatlich ist eine juristische, keine politische. Sie dürfte Washington kaum besänftigen – zumal Rubios Außenministerium die kubanischen Reformen bereits als „oberflächliche Rauchzeichen" abgetan hat. Für die USA bleibt das Ziel ein Systemwechsel in Havanna, keine wirtschaftliche Normalisierung. Und doch ist Mexiko kein beliebiger Gesprächspartner. Es ist der drittgrößte Handelspartner der Vereinigten Staaten. Ein ausgewachsener Zollkonflikt mit Mexiko hätte Konsequenzen, die weit über Kuba hinausreichen – für Lieferketten, für die Automobilindustrie, für Agrarexporte. Sheinbaum setzt also auf eine politische Asymmetrie: Washington kann es sich leisten, Kuba zu bestrafen. Ob es sich leisten kann, Mexiko dafür zu bestrafen, dass es Kuba nicht bestrafen will, ist weit weniger sicher. Doch es bleibt offen, ob Mexiko tatsächlich Öl nach Kuba schickt, wie viel und wann. Sheinbaum hat eine Absicht verkündet, keinen Plan. Und für Kuba, wo täglich die Lichter ausgehen, ist eine Absicht noch kein Diesel im Tank.
Quelle: AFP (https://t1p.de/zu7xs)
Autor: Leon Latozke
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