Neues aus Kuba
|
02.08.2026 08:00 Uhr
US-Außenminister Marco Rubio bezeichnet Kuba als "Spionage-Supermacht" und stützt sich dabei auf einen umstrittenen Bericht des State Department.
Abbildung: Das KI-generierte Symbolbild zeigt keine reale Szene.
Marco Rubio hat in einem Interview mit Fox News eine steile These aufgestellt: Kuba sei die einzige Nation, die systematisch und dauerhaft Spione in die USA einschleuse. Der US-Außenminister bezeichnete die sozialistische Karibikinsel als "Superpower der Spionage und Einflussoperationen" – trotz gerade einmal 9,5 Millionen Einwohnern. Die Aussage fiel nicht isoliert, sondern flankiert einen 100-seitigen Bericht des State Department mit dem Titel "Kuba: Die Hauptstadt des Kommunismus im 21. Jahrhundert", der am 20. Juli veröffentlicht wurde.
Zwei reale Fälle als Beleg
Rubio stützt seine These auf zwei tatsächlich verurteilte Spione. Da ist zum einen Ana Belén Montes, eine Analystin der Defense Intelligence Agency, die zehn Tage nach dem 11. September 2001 verhaftet und zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde. Die frühere Spitzenbeamtin für Spionageabwehr Michelle Van Cleave sagte einst aus, Montes habe "praktisch alles kompromittiert, was wir über Kuba wussten". Sie kam im Januar 2023 frei. Der zweite Fall ist der frühere US-Botschafter Manuel Rocha, der 2024 gestand, seit 1973 verdeckt als kubanischer Agent gearbeitet zu haben – er wurde zu 15 Jahren Haft und 500.000 Dollar Strafe verurteilt.
Diese Fälle sind juristisch dokumentiert und unbestritten. Sie belegen, dass Kubas Geheimdienst Dirección de Inteligencia (DI) tatsächlich Personen mit Zugang zu sensiblen Informationen rekrutieren konnte. Vom Spionagefall zur politischen Liste
Problematischer wird es dort, wo der Bericht weit über klassische Spionage hinausgeht. Er verknüpft dokumentierte Geheimdienstfälle mit offener politischer Betätigung und ideologischer Sympathie – und stellt beides auf eine Stufe. Konkret nennt das Dokument 43 Personen und Organisationen, die angeblich Verbindungen zu Kubas "Subversionskampagne" hätten: New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani, Los Angeles' Bürgermeisterin Karen Bass, die Kongressabgeordnete Maxine Waters, die Journalistin Amy Goodman, der Streamer Hasan Piker, Ben-&-Jerry's-Mitgründer Ben Cohen – sogar der 2020 getötete George Floyd wird in den Zusammenhang gerückt. Auch Organisationen wie die Democratic Socialists of America (DSA), CODEPINK, Black Lives Matter und die Amazon Labor Union tauchen auf. Der DSA widmet der Bericht mehr als drei Seiten – brisant, weil ihr auch Senator Bernie Sanders sowie die Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib angehören.
Bemerkenswert: Der Bericht selbst verweist affirmativ auf die "Blacklists" und McCarthy-Prozesse der 1950er-Jahre als historisch wirksames Mittel, das die Communist Party USA zum Kollabieren gebracht habe. Kritiker von links bis liberal – etwa bei Novara Media, ZNetwork oder in einem Kommentar der Philadelphia Tribune – sprechen deshalb offen von einer "modernen Schwarzen Liste" und einer Neuauflage der Red-Scare-Rhetorik. Ihr Hauptargument: Sympathie für Kuba, Kritik am Embargo oder Kubareisen seien kein Beweis dafür, dass Havanna die Politik dieser Personen steuere. Einfluss sei nicht gleich Kontrolle, Solidarität nicht gleich Subversion. Politischer Kontext und Zeitpunkt
Der Bericht erschien eine Woche nach einem von Rubio einberufenen Gipfeltreffen von 66 Staaten zum Thema "politischer Terrorismus", bei dem er Linke als "heranrückende Finsternis" und "Feinde der Zivilisation" bezeichnete. Kubas Außenminister Bruno Rodríguez wies den Bericht als "neueste Lüge" zurück und warf Washington vor, damit den "grausamen und kriminellen Wirtschaftskrieg" gegen die Insel zu rechtfertigen. Präsident Miguel Díaz-Canel sprach von "Neo-McCarthyismus". Auch das Magazin Forbes bewertete Teile des Berichts als "aufwieglerisch".
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Die Trump-Regierung hat in den vergangenen Monaten mehrfach signalisiert, den Druck auf Kuba zu erhöhen – nach der Festnahme von Venezuelas Machthaber Nicolás Maduro Anfang Januar gilt Rubio, Sohn kubanischer Einwanderer, als einer der einflussreichsten Akteure der Regierung in der Lateinamerika-Politik. Zudem stehen im Herbst die Midterm-Wahlen an, bei denen die Republikaner das Bild einer von "radikalem Linksextremismus" bedrohten Nation zu nutzen versuchen. Fazit: Rubios Kernbehauptung – dass Kuba erfolgreich Spione in US-Institutionen eingeschleust hat – ist durch die Fälle Montes und Rocha faktisch belegt. Die weitergehende Erzählung, wonach eine breite Palette heutiger linker Politiker, Aktivisten und Organisationen Teil desselben kubanischen "Subversionsnetzwerks" seien, stützt sich dagegen auf ideologische Verbindungslinien statt auf Beweise für gesteuerte Einflussnahme – und wird selbst von US-Medien wie Forbes als überzogen eingestuft.
Quelle: Fox News (https://t1p.de/61stf)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
August 2026
|


RSS-Feed