Neues aus Kuba
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Die traditionelle Wallfahrt zu San Lázaro gehört zu den wichtigsten religiösen Ereignissen Kubas. Doch Dengue- und Chikungunya-Epidemien, wirtschaftliche Not und die massive Auswanderung haben die Pilgerzahlen spürbar sinken lassen. Händler, Gläubige und Anwohner berichten von leeren Wegen und ausbleibenden Einnahmen.
17.12.2025 23:30 Uhr
Die schwere Gesundheits- und Wirtschaftskrise in Kuba zeigt sich zunehmend auch im religiösen Alltag des Landes. Am 17. Dezember, dem traditionellen Festtag des San Lázaro, einer der wichtigsten Volksheiligen Kubas, fiel die Pilgerfahrt zum Heiligtum von El Rincón bei Havanna in diesem Jahr deutlich schwächer aus als gewohnt. Beobachter, Gläubige und Händler führen dies auf eine Mischung aus Epidemien, Migration und wirtschaftlicher Not zurück.
Der San-Lázaro-Brauch zählt zu den tief verwurzelten religiösen Traditionen Kubas und verbindet katholische Frömmigkeit mit afrokubanischen Glaubensvorstellungen. Verehrt wird San Lázaro als Schutzheiliger der Kranken, Armen und Ausgegrenzten. In der Santería entspricht er dem Orisha Babalú Ayé, der sowohl für Krankheit als auch für Heilung steht. Seit Jahrzehnten pilgern jedes Jahr Zehntausende Gläubige zu dem auf dem Gelände einer ehemaligen Leprakolonie errichteten Heiligtum. Viele von ihnen erfüllen sogenannte promesas (Gelübde): Sie gehen barfuß, ziehen schwere Steine hinter sich her oder bewegen sich auf Knien oder auf allen Vieren fort. Diese extremen Formen der Buße sollen Dank für eine Heilung ausdrücken oder um göttliche Hilfe bitten. Doch selbst langjährige Teilnehmer berichten von einem stetigen Rückgang der Besucherzahlen. Lázaro, der seit 26 Jahren regelmäßig pilgert, sieht einen Wendepunkt in der Corona-Pandemie: Viele Menschen seien erkrankt oder körperlich nicht mehr in der Lage, den beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen, erklärte der Pilger gegenüber der Nachrichtenagentur EFE. Andere verweisen auf die massive Auswanderung der vergangenen Jahre. Hunderttausende Kubaner haben die Insel angesichts von Inflation, Versorgungsengpässen und täglichen Stromausfällen verlassen – ein Aderlass, der sich auch bei religiösen Großereignissen bemerkbar macht. Hinzu kommt in diesem Jahr eine angespannte gesundheitliche Lage. Kuba kämpft derzeit mit einer starken Ausbreitung von Dengue- und Chikungunya-Fieber. Nach offiziellen Angaben haben die Epidemien bislang mindestens 52 Todesopfer gefordert. Viele Menschen fürchten eine Ansteckung und meiden größere Menschenansammlungen. Straßenhändler entlang des Pilgerwegs berichten von deutlich geringerer Nachfrage. Zwar sind die traditionellen Verkaufsstände mit religiösen Figuren, Kerzen und Essen weiterhin präsent, doch die Kundschaft bleibt aus. Für die Anwohner von El Rincón, die seit Generationen vom Wallfahrtstag leben, ist dies ein spürbarer Einschnitt. Händler wie der seit 30 Jahren tätige William sehen die Angst vor den Krankheiten als Hauptgrund für die Zurückhaltung. Andere, wie die 65-jährige Verkäuferin Magaly González, verweisen zusätzlich auf heftige Regenfälle und darauf, dass ein Teil der Gläubigen den Besuch auf das Wochenende verlegt habe. Dennoch bleiben die Umsätze weit hinter den Erwartungen zurück. Die schwächere Wallfahrt zu San Lázaro steht damit exemplarisch für die derzeitige Lage Kubas: Gesundheitskrisen, wirtschaftliche Unsicherheit und gesellschaftliche Veränderungen greifen ineinander und verändern selbst tief verwurzelte Traditionen. Der Glaube an den Wundertäter mag ungebrochen sein – doch immer weniger Kubaner können oder wollen ihn unter den aktuellen Bedingungen öffentlich leben.
Quellen: DelMinuto/EFE (https://t1p.de/z0tlt), arte/YouTube (https://t1p.de/cvbkn)
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