Neues aus Kuba
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16.06.2026 23:00 Uhr
EnviosCuba, eine wichtiger Online-Shop für kubanische Exilanten, um Lebensmittel und Haushaltswaren auf die Insel zu schicken, hat den Betrieb eingestellt. Die Plattform ist mit dem Militärkonglomerat GAESA verflochten.
Der wirtschaftliche Druck auf Kuba verschärft sich. Einer der größten Online-Lieferdienste, über den Exil-Kubaner Lebensmittel und Waren an ihre Angehörigen auf der Insel schicken konnten, hat seinen Betrieb eingestellt. Die Plattform EnviosCuba gab auf ihrer Website bekannt, dass sie ihre Dienste aus „Gründen, die außerhalb unserer Kontrolle liegen“, nicht mehr fortsetzen könne. Ob es sich um eine vorübergehende oder dauerhafte Schließung handelt, ließ das Unternehmen offen, ebenso wie die genauen Ursachen. Bereits bearbeitete Bestellungen sollen noch ausgeliefert werden, und ein Kundenservice für Rückfragen bleibe vorerst bestehen.
Die Bedeutung dieser Entscheidung ist für viele kubanische Familien kaum zu überschätzen. In einem Land, in dem das monatliche Durchschnittseinkommen bei weniger als zehn US-Dollar liegt, sind die von Verwandten im Ausland gesendeten Güter oft überlebenswichtig. Im Gegensatz zu traditionellen Geldüberweisungen, den sogenannten Remesas, ermöglichten Dienste wie EnviosCuba die gezielte Bestellung und Lieferung konkreter Produkte – von Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln über Haushaltsgeräte bis hin zu Baumaterial wie Zement. Die Plattform ist mit dem Militärkonglomerat GAESA verbunden, das weite Teile der kubanischen Wirtschaft kontrolliert, darunter Luxushotels, den Hafen von Mariel, die größte Geschäftsbank Tankstellen und Supermärkte. Die Verbindung zu GAESA läuft über CIMEX, die staatliche Handelskette, sowie über im spanischen Palma de Mallorca registrierte Firmen wie Nactws SL, Lorengrave SL und Venta Online de Repuestos SL. Diese Gesellschaften stehen mit der Familie Graverán in Verbindung, die seit Jahren die E-Commerce- und Überweisungsnetzwerke von GAESA im Ausland betreibt. Das Geschäftsmodell erlaubt es Kubanern im Ausland, für Waren zu zahlen, die im Inland geliefert werden, und generiert so einen wertvollen Devisenstrom, der direkt in die Kassen des Militärkonzerns fließt. Die Schließung erfolgt in einem politisch angespannten Kontext. Erst wenige Wochen zuvor, am 1. Mai, hatte US-Präsident Donald Trump eine Executive Order unterzeichnet, die die Sanktionen gegen Kuba drastisch verschärft. Betroffen sind nun auch Personen und Einrichtungen, die in Schlüsselsektoren der kubanischen Wirtschaft tätig sind. Der zeitliche Zusammenhang ist auffällig. Anfang Juni verkündete Kuba zudem, dass die Kreditkartengesellschaften Visa und Mastercard ihre Transaktionen auf der Insel nicht mehr abwickeln würden. Die kubanische Zentralbank erklärte, dies sei die Folge der Einstellung der Geschäftsbeziehungen einer ausländischen Bank zu Fincimex, einem weiteren Finanzunternehmen, das dem GAESA-Netzwerk angehört und diese Zahlungen bislang als einziger Dienstleister auf der Insel ermöglicht hatte. EnviosCuba selbst hat nicht öffentlich bestätigt, ob die Betriebseinstellung direkt mit den US-Sanktionen, den Zahlungsproblemen oder anderen Gründen zusammenhängt. Während dieser prominente Dienst ausfällt, bleiben andere Plattformen wie Supermarket23, Katapulk, Cubamax und MallHabana vorerst aktiv. Doch der Ausfall von EnviosCuba ist ein weiterer Riss im ohnehin brüchigen Versorgungssystem Kubas. Er zeigt, wie empfindlich die Überlebensstrategie vieler Familien auf Lieferungen aus dem Ausland reagiert – und wie der wirtschaftliche Krieg zwischen Washington und Havanna direkt in den Küchen der Insel ankommt.
Quelle: Miami Herald (https://t1p.de/w5n7s)
Autor: Leon Latozke
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