Neues aus Kuba
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Ein ungewöhnlicher Hilfstransport verbindet die Schweizer Stadt Winterthur mit einer Kirche in Havanna. Sieben demontierte Kirchenbänke der Zwinglikirche werden nach Kuba verschifft – ergänzt durch medizinische Hilfsgüter und Alltagsmaterialien.
06.12.2025 08:22 Uhr
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Ein Hilfstransport aus Winterthur befindet sich derzeit auf dem Weg nach Kuba. Unter den Gütern befinden sich sieben Kirchenbänke der reformierten Zwinglikirche im Mattenbachquartier, die künftig in einer evangelischen Gemeinde in Havanna eingesetzt werden sollen. Die Aktion ist Ergebnis einer ungewöhnlichen Kooperation zwischen einer Schweizer Kirchgemeinde, einer spanischsprachigen Diasporagemeinde und kubanischen Kontakten – und sie steht zugleich vor dem Hintergrund der anhaltenden sozialen und wirtschaftlichen Krise auf der Insel.
Ausgangspunkt war ein pragmatisches Anliegen der Kirchgemeinde Mattenbach. Um im hinteren Teil der Zwinglikirche Raum für kleinere Veranstaltungen zu schaffen, wurden mehrere Bänke entfernt. Anstatt das Holzmobiliar einzulagern oder zu entsorgen, suchte man nach einer Möglichkeit, es weiterzuverwenden. Ein Ideenwettbewerb brachte zahlreiche Vorschläge hervor. Entscheidenden Einfluss hatte jedoch Enrique Fundora, ein Exilkubaner, der die spanischsprachigen Gottesdienste der Iglesia Evangélica Hispana in Winterthur besucht. Fundora war gemeinsam mit seiner Frau vor vier Jahren aus Kuba geflohen. Auslöser waren Repressionen im Zuge der landesweiten Proteste im Sommer 2021. Damals reagierte das Regierung auf Demonstrationen gegen Versorgungsengpässe, Inflation und den pandemiebedingten Einbruch des Tourismus mit massiven Festnahmen. Schätzungen zufolge wurden rund 5000 Menschen verhaftet. Auch Personen, die sich für politische Gefangene einsetzten, gerieten ins Visier der Behörden. Fundora zählte zu ihnen. Seine Verbindungen zu evangelischen Gemeinden in Kuba rissen nach der Flucht nicht ab. Über diese Kontakte entstand der Vorschlag, die demontierten Kirchenbänke nach Kuba zu senden, wo viele Gemeinden unter chronischem Materialmangel leiden. Pfarrer Alfredo Diez, Leiter der Iglesia Evangélica Hispana, koordinierte das Projekt gemeinsam mit Fundora. Diez betont, dass die Bänke „einen angemessenen Ort“ erhalten sollen und in einer Kirche eingebaut werden – nicht in öffentlichen Einrichtungen oder privaten Räumen. Da die Bänke allein keinen Schiffscontainer füllen, wurde die Aktion erweitert. Ein Verein in der Nähe von Biel stellte weitere Hilfsgüter bereit, darunter Rollstühle, Krücken, Velos, Windeln, Leintücher und medizinisches Material. Der Container wurde vollständig beladen und anschließend per Lkw nach Rotterdam gebracht, wo die Verschiffung nach Kuba organisiert wurde. Für das Land, in dem Versorgungslücken im Gesundheits- und Sozialbereich an der Tagesordnung sind, stellen solche Transporte eine wichtige Ergänzung zu staatlichen Lieferketten dar. Die Iglesia Evangélica Hispana zählt etwa 180 Mitglieder, überwiegend aus der lateinamerikanischen Community im Kanton Zürich. Die Gemeinde nutzt die Zwinglikirche sonntags nach dem reformierten Gottesdienst. Die Kooperation beider Gemeinden im Rahmen der Hilfslieferung gilt als unbürokratische Lösung, die zugleich die internationale Vernetzung der Diaspora zeigt. Der Transport von Winterthur nach Havanna erhält damit eine Bedeutung, die über eine einfache Sachspende hinausgeht. Er verweist auf die schwierige Lage in Kuba, die Belastungen für religiöse Gemeinschaften und die anhaltende Rolle der Exilgemeinden in Europa. Für die kubanische Partnerkirche bedeutet die Lieferung eine seltene materielle Entlastung – und für die Initiatoren in der Schweiz ein Zeichen praktischer Solidarität in Zeiten begrenzter Ressourcen.
Quelle: Tagesanzeiger Winterthur (https://t1p.de/avy1s)
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Text: Leon Latozke
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