Neues aus Kuba
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08.05.2026 11:00 Uhr
Sherritt verlässt Kuba. Das kanadische Unternehmen gab die sofortige Einstellung seiner Joint Ventures bekannt und beginnt mit der Evakuierung der Mitarbeiter. Die Entscheidung trifft Kubas angeschlagene Wirtschaft hart, insbesondere den strategischen Nickel- und Kobaltsektor.
Die kanadische Bergbaugesellschaft Sherritt International hat ihren jahrzehntelangen Einsatz in Kuba abrupt beendet. Am 7. Mai 2026 gab das Unternehmen die sofortige Aussetzung seiner direkten Beteiligung an den Joint Ventures auf der Insel bekannt. Damit reagiert Sherritt auf eine neue Sanktionswelle der Trump-Administration, die mit einer am 1. Mai erlassenen Exekutivverordnung die Beschränkungen gegen geschäftliche Verbindungen mit Kuba drastisch verschärft hat. Drei Vorstandsmitglieder – Brian Imrie, Richard Moat und Brett Richards – traten umgehend zurück.
Sherritt selbst wurde zwar noch nicht offiziell auf die Sanktionsliste Washingtons gesetzt, doch das Unternehmen erklärte, die neuen Rahmenbedingungen machten einen normalen Geschäftsbetrieb „materiell unmöglich". Die Firma leitete bereits die Rückführung ihrer Mitarbeiter aus Kuba ein und forderte ihre kubanischen Partner auf, Personal aus Kanada abzuziehen. Die Entscheidung trifft Havanna hart: Sherritt galt jahrzehntelang als einer der wichtigsten ausländischen Partner des kubanischen Staates und war über das Joint Venture Moa Nickel S.A. in Moa, Holguín, tätig – einem strategischen Standort für die Nickel- und Kobaltförderung. Diese Produktionsstätte war eine der wichtigen Devisenquellen Kubas. Doch die wirtschaftliche Lage Kubas hatte sich für Sherritt bereits lange vor dem aktuellen Schritt als untragbar erwiesen. Im Mai 2025 meldete das Unternehmen für das erste Quartal Verluste von 40,6 Millionen Dollar und führte diese direkt auf die kubanische Wirtschaftskrise zurück. Der Verfall des Stromnetzes beschleunigte den Niedergang: 2024 erreichte die Nickelproduktion nur 83,3 Prozent der geplanten Menge. Grund waren permanente Blackouts, Treibstoffmangel und industrielle Pannen. Die ständigen Stromausfälle reduzierten nicht nur die Kapazität der Fabriken, sondern beeinträchtigten auch die Kobaltförderung, mit der Kuba einen Teil seiner Schulden bei Sherritt beglich. Die Verschuldung Kubas gegenüber dem kanadischen Unternehmen hatte sich dramatisch entwickelt. Lag die anerkannte Schuld 2019 noch bei 150 Millionen Dollar, war sie bis Mitte 2025 auf rund 344 Millionen Dollar angewachsen. Mangels Liquidität einigten sich beide Seiten 2023 auf ein Zahlungssystem, das auf Kobaltlieferungen basierte. Doch der Rückgang der Energie- und Minenproduktion führte zu teilweisen Vertragsverletzungen im Jahr 2024 und verschärfte die finanziellen Spannungen weiter. Auch im Energiesektor zeigten sich die Probleme. Sherritt war über das Joint Venture Energás an der Gasverstromung beteiligt. Die Überbeanspruchung dieser Anlagen zur Stabilisierung des maroden nationalen Stromnetzes ließ ihre Leistung drastisch sinken. Gleichzeitig häuften sich Bürgerbeschwerden über Umweltbelastungen und Gaslecks in Gebieten wie Santa Cruz del Norte. Für Kuba bedeutet der Abzug Sherritts eine tiefe Zäsur. Der Partner, der jahrzehntelang als Symbol westlicher Investitionen auf der Insel galt, ist nun dem Druck aus Washington und der inneren wirtschaftlichen Erosion erlegen.
Quelle: Sheritt (https://t1p.de/c4eyk)
Autor: Leon Latozke
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