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25.09.2026 09:00 Uhr
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Knapp 22 Minuten lang hat Kubas Außenminister Bruno Rodríguez in New York Fragen zu den Beziehungen mit den USA beantwortet. Er erhob schwere Vorwürfe, bot Dialog an und wich bei den heikelsten Punkten aus.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Ein Minister im Verteidigungsmodus. Bildquelle: Video. Rechte beim Uploadenden.
Der Ort war symbolträchtig: die Ständige Vertretung Kubas bei den Vereinten Nationen in Manhattan, zwei Tage nachdem Donald Trump die Insel vor der Generalversammlung einen „gescheiterten Staat“ genannt hatte. Rodríguez, seit 2009 Außenminister und Mitglied des Politbüros, beantwortete die Fragen überwiegend auf Spanisch und zeigte sich dabei betont kontrolliert. Nur an einzelnen Stellen wurde er scharf.
Seine Grundlinie wiederholte er mehrfach: Kuba sei ein friedliches Nachbarland, keine Bedrohung für die nationale Sicherheit einer nuklearen Supermacht, und jederzeit zu einem ernsthaften Dialog bereit. Die eigentliche Bedrohung sei die Blockade. Trumps Rede wertete er als Ausdruck eines Anspruchs auf eine Art Pax Americana, vergleichbar der Pax Romana. Diese Ordnung existiere nicht, Washington wolle sie aber durchsetzen. Die Logik der Gegenfrage Auffällig war eine rhetorische Figur, mit der Rodríguez den Vorwurf des Staatsversagens umzudrehen versuchte: Wäre Kuba tatsächlich ein gescheiterter Staat, fragte er, welchen Nutzen hätten dann eine vollständige Blockade der Treibstofflieferungen und die im Mai verhängten extraterritorialen Sekundärsanktionen? Der Aufwand Washingtons beweise gerade die Stabilität, die soziale Geschlossenheit und die Ressourcen des Landes. Den Auszug der kubanischen Delegation während Trumps Rede bezeichnete er als herkömmliches diplomatisches Protestsignal. Er selbst sei nicht im Saal gewesen. Gespräche ja, Details nein Beim Thema Verhandlungen wurde der Minister sichtbar zurückhaltend und zeitweise gereizt. Als der Interviewer Außenminister Marco Rubio zum vierten Mal erwähnte, merkte Rodríguez an, dies falle ihm auf. Er bestätigte, dass es „einige Episoden“ von Gesprächen zwischen Vertretern beider Regierungen gegeben habe. Sie hätten wenig Fortschritt gebracht, und schuld daran seien das mangelnde Verständnis und die restriktive Haltung der US-Seite. Wer auf amerikanischer Seite spricht, ob CIA-Direktor John Ratcliffe, dessen Havanna-Besuch öffentlich bekannt ist, oder ob Raúl Castros Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro eine Rolle spielt, ließ er ausdrücklich offen. Er dürfe nicht ins Detail gehen, wiederholte er zweimal. Bedingungen für Gespräche nannte er dagegen klar: Völkerrecht, gegenseitiger Respekt, Souveränität und keine Einmischung in innere Angelegenheiten. Die Forderung aus Washington, Kuba auf einen „unumkehrbaren“ Kurs im US-Interesse zu bringen, wies er zurück. Kuba müsse als gleichberechtigter Staat behandelt werden. Das Venezuela-Szenario Auf die Frage, ob Kuba ein Vorgehen wie gegen Nicolás Maduro fürchte, etwa gegen den im Mai angeklagten Ex-Präsidenten Raúl Castro, antwortete Rodríguez mit einem knappen Nein. Die Lagen seien nicht vergleichbar. Den US-Einsatz in Venezuela im Januar, bei dem nach seinen Worten 32 kubanische Leibwächter Maduros getötet wurden, nannte er einen völkerrechtswidrigen Akt. Kuba nehme die Drohungen dennoch ernst, bereite sich auf jedes Szenario vor und stärke seine Verteidigungsfähigkeit unter Beteiligung der ganzen Bevölkerung. Einen Angriff auf ein kleines Nachbarland könne Washington nicht rechtfertigen. Dabei verwies er auf den US-Stützpunkt Guantánamo, der Kuba gegen den Willen seiner Bevölkerung aufgezwungen sei. Energiekrise: Ursachen und Gegenmaßnahmen Den größten Raum nahm die Ölblockade ein, die Rodríguez als Äquivalent einer Seeblockade und damit als Kriegsakt einstufte. Kuba habe seit vielen Monaten keine einzige Treibstofflieferung erhalten. Das Land fördere zwar etwas eigenes Rohöl und habe beeindruckend in Photovoltaik investiert, die tagsüber mehr als die Hälfte der Stromerzeugung decke. Die Krise des Energiesystems sei aber in erster Linie Folge der Blockade und der Unmöglichkeit, Ersatzteile und Investitionen für die Kraftwerke zu beschaffen. Die Frage, ob nicht auch fehlendes Privateigentum oder die Kontrolle der Tourismuseinnahmen durch militärnahe Strukturen zur Krise beigetragen hätten, beantwortete er nur zum Teil. Es sei schwer nachzuweisen, dass effiziente Energiesysteme allein von Privateigentum abhängen. Frühere Engpässe räumte er ein, die heutige Lage sei aber grundlegend anders. Auf den Vorwurf zu den Tourismuseinnahmen ging er nicht ein. Dass das Land unter diesen Bedingungen relativ stabil funktioniere, sei ein Verdienst der Regierung und der Beteiligung der Bevölkerung. Schwere Vorwürfe, schwache Belege Bei Fragen nach den humanitären Folgen fragte, wurde der Ton des Ministers am schärfsten. „Es ist schmerzhaft, sehr schmerzhaft“, sagte Rodríguez. Die Blockade sei kollektive Bestrafung und nach internationalen Konventionen Völkermord. Das Leid sei kein Nebeneffekt, sondern Zweck der Politik, wie freigegebene US-Dokumente seit 1960 zeigten. Gemeint sein dürfte ein Memorandum des US-Außenministeriums vom April 1960, das Hunger und Verzweiflung als Mittel zum Sturz der Regierung beschreibt. Als Belege nannte er die Säuglingssterblichkeit, die von historisch etwa vier auf 9,9 pro 1.000 Lebendgeburten gestiegen sei, eine auf 65 Prozent gesunkene Überlebensrate krebskranker Kinder und bereits bezahlte Dialyse-Materialien, die in den USA festgehalten würden. Die genannte Sterblichkeitsrate von 9,9 bezieht sich auf das Jahr 2025, und der Anstieg setzte 2018 ein, also Jahre vor der Ölblockade vom Januar 2026. Kritiker bemängeln außerdem die Erhebungsmethode der kubanischen Statistik. Für die Zahlen zu Krebs und Dialyse liegen keine unabhängigen Belege vor. Einparteiensystem: „keine Plutokratie“ Die Frage nach Mehrparteienwahlen wies Rodríguez zurück. Kuba fühle sich mit seiner per Volksabstimmung bestätigten Verfassung wohl. Im Parlament säßen mehrheitlich Frauen und sogar direkt gewählte Studierende, ohne Vermittlung einer Partei. Es gebe keine Milliardäre und keine Sitze, die mit Werbegeld gekauft würden. Zudem pflegten die USA enge Beziehungen zu Staaten mit ganz anderen Systemen. Warum gelte für Kuba ein anderer Maßstab? Zweimal „Lüge “Zweimal griff der Minister zum härtesten Vokabular. Rubios Einstufung Kubas als Sicherheitsbedrohung und einen Bericht des US-Außenministeriums, wonach Havanna eine Einflusskampagne in der US-Innenpolitik betreibe, quittierte er mit dem Satz, man lüge erneut. Die US-Außenpolitik stütze sich auf Lügen, weil ihr nach über 60 Jahren Blockade die Argumente fehlten. Werben um die US-Öffentlichkeit Rodríguez richtete sich dabei erkennbar auch an ein amerikanisches Publikum. US-Bürger sollten frei nach Kuba reisen dürfen, um sich selbst ein Bild zu machen, und US-Firmen könnten von den laufenden Wirtschaftsreformen profitieren. Diese Reformen seien jedoch eine eigenständige Entscheidung Kubas und kein Zugeständnis. Die Blockade müsse aufgehoben und die „Energiekriegsführung“ beendet werden. Das Interview zeigt eine doppelte Strategie: Maximale Anklage nach außen, bei gleichzeitigem Angebot an Washington, im Stillen weiterzureden. Offen bleibt, was in den bestätigten, aber nicht beschriebenen Gesprächen auf dem Tisch liegt. Gleichzeitig verschärft Washington den Druck: Das US-Außenministerium erwägt Auflagen für die kubanische Delegation, die im Oktober zur jährlichen Embargo-Abstimmung nach New York zurückkehren will. Rückhalt sucht Havanna derweil bei Moskau.
Quelle: NBC News/YouTube
Autor: Leon Latozke
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