Neues aus Kuba
|
29.04.2026 09:00 Uhr
![]()
Die kubanische Energie- und Treibstoffkrise erzwingt kreative Lösungen: In den Straßen Havannas fahren nun Triciclos mit Solarpanels auf dem Dach. Der Umbau, der von einem jungen Team angeboten wird, verspricht eine signifikant höhere Autonomie.
Abbildung: Symbolbild/Screenshot. Bildquelle: Joven cubano lidera emprendimiento de triciclos eléctricos con páneles solares. Rechte beim Uploadenden.
Inmitten der schweren Energiekrise, die Kuba seit Monaten lähmt, entwickelt ein junger Unternehmer in Havanna eine vielversprechende Alternative: Er stattet Elektro-Dreirädern mit Solarmodulen aus, um ihre Reichweite zu erhöhen. Das Projekt des 21-jährigen Yadán Pablo Espinosa zielt darauf ab, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren, die auf der Insel knapp und teuer geworden sind. „Die Installation, die wir vornehmen, ermöglicht es dem Solarpanel, während der Fahrt konstante und direkte Energie an den Motor des Triciclos zu liefern, unterstützt durch die Batterie. Wenn das Fahrzeug anhält, lädt die vom Panel aufgenommene Energie die Batterie auf“, erklärt Espinosa gegenüber der Nachrichtenagentur EFE. Seit Januar hat sich das chronische Treibstoffdefizit des Landes durch die US-Ölblockade dramatisch verschärft. Tankstellen haben den Verkauf von Kraftstoffen eingestellt, die Industrie liegt brach, und auf den Straßen Havannas sind motorisierte Fahrzeuge zur Seltenheit geworden. Die Hauptstadt wird daher zunehmend von kreativen Elektrofahrzeugen wie den Triciclos dominiert, die nun auch mit Solardächern ausgestattet werden.
Espinosa begann vor weniger als einem Monat gemeinsam mit seinem Vater, drei Brüdern und einem Freund in Arroyo Naranjo, einem Randbezirk der kubanischen Hauptstadt, mit der Installation der Solarmodule. Seitdem haben sie bereits über fünfzehn Panels mit einer Leistung von 550 bis 650 Watt montiert. Das Team bietet den Kunden einen Komplettservice mit allen notwendigen Werkzeugen und fertigt die Halterungen aus Eisen selbst an – die Panels dienen zugleich als praktische Dachabdeckung für die Triciclos. „Das Solarpanel ist sehr gut, weil es beim Laden hilft“, berichtet Yoandis Castro, eine 47-jährige Kundin, die im Werkstatt von Espinosa auf die Montage ihres Panels wartet. Sie ist im Gütertransport für Märkte tätig und plant, ihre Flotte von Elektrofahrzeugen zu erweitern – ebenfalls mit Solartechnik. Ähnlich argumentiert Orlando Muñoz, ein 62-jähriger Fahrer, der an der belebten Kreuzung der Avenidas 100 und Boyeros in Havanna Passagiere befördert. Sein Triciclo, wie die Dreirader in Kuba heißen, habe mit Solarpanel „eine bessere Leistung“, sagt er: „Es hilft mir, dass die Batterie nicht stirbt und die Ladung während der Arbeit länger hält.“ Die kubanische Regierung hatte Anfang Februar angekündigt, sich auf eine „akute Treibstoffknappheit“ aufgrund des US-Drucks vorzubereiten. Die Folge: Fernbusverbindungen wurden auf ein Viertel reduziert, der Nahverkehr nahezu eingestellt. Verkehrsminister Eduardo Rodríguez erklärte Mitte März, dass selbst Dialysepatienten auf Taxis oder elektrische Triciclos ausweichen müssen. Ein russischer Tanker, die Anatoli Kolodkin, lieferte am 31. März rund 100.000 Tonnen Rohöl – genug für nur 15 Tage Treibstoffversorgung. Das letzte ausländische Schiff war am 9. Januar eingetroffen. Durch Maßnahmen in Kuba und den USA gelangte zwar auch importierter Treibstoff – etwa 30.000 Barrel bis Februar – über den Privatsektor ins Land, doch Experten sehen darin nur eine geringe Entlastung. Kuba benötigt täglich etwa 100.000 Barrel Rohöl, fördert aber nur rund 40.000 Barrel im Inland. Die Raffination dieser Rohstoffe läuft derzeit nicht im großen Maßstab, sodass die Insel auf Importe von raffineriefähigem Rohöl oder Kraftstoffen wie Benzin, Diesel und Kerosin angewiesen bleibt. Die Solar-Triciclos bieten unter diesen Umständen einen kleinen, aber wachsenden Lichtblick für den Alltag vieler Kubaner.
Quelle: EFE (https://t1p.de/mh386)
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed