Neues aus Kuba
Sonnenenergie für alle: Kubanischer Unternehmer eröffnet erste solidarische Solar-Tankstelle27/4/2026
27.04.2026 09:00 Uhr
In Villa Clara hat ein junger Unternehmer eine solarbetriebene Ladestation errichtet, die komplett unabhängig vom nationalen Stromnetz arbeitet. Die Anlage bietet 12 Stunden täglich kostenloses Kochen und Handyladen für die Bevölkerung, während E-Fahrzeugladungen kostenpflichtig sind. Ziel ist der Ausbau zu einer "Solinera" für Elektroautos.
Inmitten der schweren Energiekrise Kubas, die von tagelangen Stromausfällen geprägt ist, hat ein junger Unternehmer in der zentralen Provinz Villa Clara eine ungewöhnliche Solidaritätsinitiative gestartet: eine vollständig autarke Solarstation, die der Bevölkerung grundlegende Dienstleistungen bietet. Der 29-jährige Julio Ernesto Gomate Morales errichtete die Anlage in nur neun Tagen auf dem Gelände einer ehemaligen, baufälligen Wohnung. Staatliche Firmen halfen mit schwerem Gerät beim Abriss und der Vorbereitung des Grundstücks, auf dem Gomate das Gebäude praktisch aus dem Nichts hochzog.
Die Station ist komplett vom nationalen Stromnetz (SEN) abgekoppelt und versorgt die Anwohner täglich zwölf Stunden lang mit Energie. Mit 30 doppelten Anschlüssen, die von 60 Kilowatt Solarmodulen und 30 Kilowatt Batteriespeicher gespeist werden, können über 50 Geräte gleichzeitig betrieben werden. Das Angebot ist vielfältig: Während einige Nutzer ihre Elektroroller aufladen, kochen andere auf Induktionsplatten Reis in einem großen Topf. Besonders bemerkenswert ist das soziale Konzept: Das Laden von Handys und das Kochen sind kostenlos; nur für das Aufladen von Elektro-Dreirädern wird eine geringe Gebühr erhoben. Gomate, der sein Geschäft zunächst als Einzelunternehmer begann und später in ein lokales Entwicklungsprojekt (Proyecto de Desarrollo Local - PDL) umwandelte, sieht dies als einen Schritt zur Stärkung der Gemeinschaft. Die PDL-Rechtsform eröffnete ihm mehr unternehmerische Spielräume und erlaubte eine engere Zusammenarbeit mit den Bewohnern. Seine Ambitionen reichen jedoch weiter: Er plant, die Station zu einer richtigen „Solinera“ auszubauen – einer Tankstelle für Elektroautos, die mit Solarenergie betrieben wird. Die dafür notwendige Technologie werde bereits aus China importiert. Die aktuelle Treibstoffkrise belastet allerdings auch sein anderes Standbein: den Handel mit Reifen, Schmierstoffen und Batterien für Fahrzeuge. Gerade der Verkauf von Reifen, einer der gefragtesten Dienste seines Unternehmens, sei derzeit weitgehend zum Erliegen gekommen. Neben der Ladestation betreibt Gomate in Villa Clara bereits mehrere Geschäfte und Reparaturwerkstätten für Haushaltsgeräte. Weitere Filialen in Havanna und in östlichen Provinzen der Insel sind in Vorbereitung. Die Station in Santa Clara ist ein lebendiges Beispiel für den wachsenden Trend zur Photovoltaik auf Kuba, der sowohl vom Staat als auch von Privatunternehmen vorangetrieben wird. Die Energiekrise mit bis zu 20-stündigen täglichen Stromausfällen und mehreren nationalen Netzzusammenbrüchen innerhalb von 18 Monaten hat einen massiven Investitionsschub ausgelöst. Allein in der Provinz Villa Clara haben 185 staatliche Einrichtungen und 214 private Akteure in den letzten Monaten Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von rund 9,5 Megawatt installiert. Laut einer im Jahr 2025 veröffentlichten Studie des Unternehmensdienstleisters Auge haben 60 Prozent der befragten Führungskräfte cubanischer Mikro-, Klein- und Mittelbetriebe (Mipymes) in Solarmodule oder Notstromaggregate investiert. Die Sicherung der Energieversorgung ist für den jungen Privatsektor, der nach seiner Legalisierung im Jahr 2021 auf rund 10.000 Unternehmen angewachsen ist, überlebenswichtig. Die Palette reicht von Bäckereien über Softwareentwickler bis hin zu Lebensmittelgeschäften. Gomates Projekt vereint somit unternehmerischen Pioniergeist mit einem dringend benötigten sozialen Dienst in einer Zeit, in der selbst alltägliche Verrichtungen wie Kochen oder Kommunizieren zu einer Herausforderung geworden sind.
Quelle: Granma (https://t1p.de/y4vot), EFE (https://t1p.de/obzs5)
Autor: Leon Latozke
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