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Tausende Kubaner sollen als Söldner an der Seite Russlands im Krieg gegen die Ukraine kämpfen. Während Havanna jede Verantwortung zurückweist, mehren sich Hinweise auf ein organisiertes Rekrutierungsnetzwerk, das in diesem Umfang kaum ohne stillschweigende Duldung funktionieren könnte.
30.08.2025 08:35 Uhr
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Wie die Washington Times berichtet, kämpfen derzeit schätzungsweise 7.000 kubanische Staatsbürger als Söldner aufseiten Russlands im Krieg gegen die Ukraine. Nach Nordkorea stellt Kuba damit das größte ausländische Kontingent an Kämpfern in den Reihen der russischen Streitkräfte. Die kubanische Regierung bestreitet jede Beteiligung und verweist auf geltendes Recht, das Söldnertum unter Strafe stellt. Gleichwohl deuten zahlreiche Hinweise auf eine organisierte Rekrutierung hin, die in diesem Umfang kaum ohne stillschweigende Duldung der politischen Führung in Havanna funktionieren könnte. Besonders brisant erscheint diese Entwicklung vor dem Hintergrund der gemeinsamen Geschichte Kubas und der Ukraine. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hatte Havanna über Jahre hinweg tausenden ukrainischen Kindern kostenlose medizinische Versorgung gewährt und damit international Anerkennung gewonnen. Heute jedoch, so betont der ukrainische Sondergesandte für Lateinamerika, Ruslan Spirin, stünden Kubaner an der Front und beteiligten sich am Töten eben jener Menschen, deren Leid die Insel einst gelindert hatte. Spirin spricht von einem symbolträchtigen Verrat an einer historischen Solidarität, die nun ins Gegenteil verkehrt werde.
Nach Informationen der Zeitung haben bis zu 20.000 Kubaner Verträge mit russischen Stellen unterzeichnet, von denen rund 7.000 tatsächlich in die Ukraine entsandt wurden. Ein Teil von ihnen arbeitet in Unterstützungsfunktionen, doch eine wachsende Zahl wird auch in Kampfhandlungen eingesetzt. Nach ukrainischen Schätzungen sind bereits 200 bis 300 Kubaner im Krieg gefallen. In russischen Medien werden die Kämpfer teils propagandistisch in Szene gesetzt, etwa mit Bildern, die Kubaner beim Beschriften von Munition mit spanischen Sprüchen zeigen. Für die russische Seite sind sie nicht nur militärisch, sondern auch symbolisch nützlich, da sie sich leicht in die staatliche Erzählung eines international unterstützten Krieges einfügen lassen. Die Motive für die Teilnahme sind vor allem ökonomischer Natur. Während das durchschnittliche Jahreseinkommen in Kuba kaum 300 Dollar erreicht, lockt Russland mit Soldzahlungen von bis zu 2.000 Dollar im Monat. Viele junge Männer lassen sich von solchen Summen anwerben, die für kubanische Verhältnisse astronomisch hoch erscheinen. Häufig, so wird berichtet, erfolgt die Rekrutierung über Versprechen regulärer Arbeitsplätze oder gar einer späteren russischen Staatsbürgerschaft. Nicht wenige finden sich jedoch an der Front wieder, ohne die Risiken realisiert zu haben. Damit reiht sich das Phänomen in eine lange Geschichte kubanischer Arbeitsmigration ein, die seit Jahrzehnten neben Ärzten, Sporttrainern und anderen Fachkräften zunehmend auch militärische Komponenten umfasst. Das kubanische Strafrecht stellt die Teilnahme an Söldnereinsätzen ausdrücklich unter Strafe. Der Katalog reicht bis hin zur Todesstrafe, deren Anwendung seit 2003 jedoch faktisch ausgesetzt ist. Offiziell weist Havanna deshalb alle Vorwürfe zurück und betont, dass keine Staatsbürger im Auftrag der Regierung entsandt würden. Beobachter halten es indes für unwahrscheinlich, dass tausende Kubaner ohne stillschweigende Zustimmung der Sicherheitsorgane in russische Militärstrukturen integriert werden könnten. Die politische Führung, so die Einschätzung vieler Experten, profitiert indirekt von der Entwicklung, da die Entsendung von Männern ins Ausland den sozialen Druck im eigenen Land mindert und gleichzeitig die ohnehin enge Partnerschaft mit Moskau festigt. Der zeitliche Zusammenhang mit der jüngsten Intensivierung der russisch-kubanischen Beziehungen verstärkt diesen Eindruck. Russland hat Kuba in den vergangenen Monaten mit Treibstofflieferungen und finanzieller Hilfe unterstützt: 60 Millionen Dollar in Form von Krediten für Ölimporte sowie zwei Millionen Dollar in bar. Für ein Land, das unter schwerer Energieknappheit und regelmäßigen Stromausfällen leidet, war diese Unterstützung ein überlebenswichtiger Beitrag. Parallel dazu wurden die politischen Kontakte intensiviert, und Moskau positioniert sich erneut als strategischer Partner Havannas, ähnlich wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Tatsächlich ist die militärische Präsenz Kubas in Konflikten jenseits der eigenen Grenzen kein neues Phänomen. Schon in den 1960er-Jahren kämpften kubanische Guerillakämpfer unter Che Guevara im Kongo, und in den 1970er- und 1980er-Jahren entsandte Havanna zehntausende Soldaten nach Angola, Äthiopien und weitere afrikanische Staaten. Historiker wie Todd Carter sehen Parallelen zwischen den damaligen Einsätzen, die eng mit sowjetischer Unterstützung und geopolitischen Interessen verknüpft waren, und der heutigen Beteiligung im Ukraine-Krieg. Auch damals verbanden ideologische Loyalität und ökonomische Abhängigkeit die karibische Insel mit der Politik Moskaus. Neu ist jedoch die Rolle privater Militärfirmen. Einige der kubanischen Kämpfer sollen über Strukturen der inzwischen als „Africa Corps“ firmierenden Wagner-Gruppe nach Russland gelangt sein. Diese Miliz war zuletzt in verschiedenen afrikanischen Staaten aktiv und knüpft damit an eine Tradition transnationaler Kriegseinsätze an, die Kuba in früheren Jahrzehnten selbst geprägt hatte. Welche Folgen die Rückkehr tausender Veteranen nach Kuba haben könnte, ist schwer abzusehen. Bereits in der Vergangenheit hat die Regierung kampferfahrene Offiziere nicht selten als Bedrohung empfunden. Prominentes Beispiel ist der General Arnaldo Ochoa, der 1989 unter dem Vorwurf des Drogenhandels hingerichtet wurde. Viele Beobachter vermuten, dass die eigentliche Motivation darin bestand, einen populären und einflussreichen Militär auszuschalten, dessen Karriere und Bekanntheit den Machthabern gefährlich wurden. Ein ähnliches Szenario könnte sich wiederholen, sollte eine große Zahl an Söldnern mit Fronterfahrung auf die Insel zurückkehren. Zudem ist denkbar, dass manche von ihnen gar nicht nach Kuba zurückkehren, sondern ihre Dienste in anderen Konflikten anbieten. Afrika, wo Söldnertraditionen tief verwurzelt sind und wo russische Strukturen bereits aktiv sind, gilt als ein naheliegendes Ziel. Die politische Dimension geht über die kubanische Innenlage hinaus. Die Präsenz tausender Kubaner im Ukraine-Krieg verleiht dem Konflikt eine globale Komponente, die über die bisherigen Allianzen hinausweist. Während Russland auf der internationalen Bühne zunehmend isoliert ist, verschafft die Unterstützung aus Ländern wie Kuba und Nordkorea dem Kreml Argumente, seine Kriegsführung als von Teilen der Welt getragen darzustellen. Gleichzeitig wirft die Rekrutierung von Kubanern ein Schlaglicht auf die prekäre ökonomische Lage der Insel, die Menschen dazu bringt, ihr Leben für einen fremden Krieg zu riskieren. Ob und wie lange dieser Einsatz anhält, hängt nicht zuletzt vom weiteren Verlauf des Krieges ab. Internationale Verhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und westlichen Staaten haben zuletzt wieder vorsichtige Hoffnungen auf eine Annäherung geweckt. Sollte es zu einem Waffenstillstand kommen, stellt sich die Frage, wie mit tausenden kubanischen Söldnern verfahren wird und welche Folgen ihre Rückkehr oder Weitervermittlung an andere Kriegsschauplätze für Kuba haben könnte. Klar ist bereits jetzt: Die Beteiligung so vieler kubanischer Staatsbürger an einem der blutigsten Kriege Europas seit Jahrzehnten stellt einen markanten Einschnitt dar und verknüpft die Zukunft der Karibikinsel enger denn je mit den geopolitischen Interessen Russlands.
Quelle: Washington Times (https://t1p.de/vz1zr)
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Text: Leon Latozke
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