|
03.10.2025 09:00 Uhr
Southcom-Kommandeur Francis L. Donovan hat die US-Marinestation Guantánamo besucht und dort unbemannte Boote inspiziert. Der Stützpunkt im Osten Kubas soll zum ersten Trainings- und Einsatzstandort des neuen Kommandos für autonome Kriegsführung werden.
Abbildung: Bulkeley Hall, das Verwaltungs- und Kommandogebäude der US-Marinestation Guantánamo Bay, aus der Luft. Hier soll der erste Standort für autonome Kriegsführung des Southcom entstehen. (Archivbild © US Navy, gemeinfrei)
Der Kommandeur des Südkommandos der US-Streitkräfte (Southcom), Marinekorps-General Francis L. Donovan, hat die US-Marinestation Guantánamo Bay im Osten Kubas besucht. Dabei habe er den Einsatz unbemannter Systeme in Augenschein genommen, die dort für Missionen der Joint Task Force Western Hemisphere bereitstünden, teilte Southcom auf der Plattform X mit. DEmnach entsteht auf dem Stützpunkt der erste Trainings- und Unterstützungsstandort des neuen Southcom-Kommandos für autonome Kriegsführung.
Unbemannte Boote in der Bucht Auf den von Southcom verbreiteten Bildern sind mehrere kompakte, unbemannte Überwasserfahrzeuge zu sehen. Organisatorisch gehören sie zum Southcom Autonomous Warfare Command (SAWC). Guantánamo soll als Schnittstelle dienen, an der Einsatzerfahrungen in Ausbildung und Weiterentwicklung der Technik zurückfließen. Das Pentagon fasst unter dem Begriff autonome Kriegsführung ein breites Spektrum zusammen: von ferngelenkten Drohnen bis zu Systemen, die mithilfe künstlicher Intelligenz eigenständig navigieren oder Ziele erfassen. Wo die in Guantánamo stationierten Boote auf dieser Skala einzuordnen sind, geht aus den US-Angaben nicht hervor. Ein Kommando im Aufbau Donovan hatte die Gründung des SAWC am 21. April 2026 angeordnet. Nach der damaligen Mitteilung soll das Kommando nach vollständigem Aufbau autonome, halbautonome und unbemannte Plattformen einsetzen, um Bedrohungen in allen Einsatzbereichen zu begegnen. Taktische Missionen sollen dabei mit langfristigen strategischen Zielen verknüpft werden. Als Aufgaben nannte Southcom die Zerschlagung von Kartellnetzwerken, konventionelle Abschreckung und Katastrophenhilfe. Einen Zeitpunkt für die volle Einsatzbereitschaft nannte das Kommando nicht. Donovan begründete die Wahl der Region mit deren vielfältigem Gelände und wechselnden Einsatzbedingungen, die sie zu einem idealen Innovationsraum machten. Bereits wenige Tage nach der Gründung testete Southcom nach eigenen Angaben KI-gestützte unbemannte Systeme in Key West, rund 150 Kilometer von der kubanischen Küste entfernt. Vor dem Kongress hatte Donovan im März erklärt, er wolle mit autonomen Systemen und Mensch-Maschine-Teams unter anderem die Letalität der US-Kräfte und ihrer Partner deutlich erhöhen. Pentagon bündelt Drohnenprogramme Der Ausbau in Guantánamo ist Teil eines größeren Umbaus im US-Verteidigungsministerium, das unter Minister Pete Hegseth inzwischen als „Kriegsministerium“ firmiert. Berichten zufolge plant Hegseth eine eigene Führungsstruktur auf Vier-Sterne-Ebene für Drohnen, Robotik und künstliche Intelligenz, flankiert von einer Studiengruppe zu künftigen Konflikten. Hegseth schuf im Juli 2026 eine zentrale Stelle, die nahezu alle unbemannten und autonomen Programme des Pentagons steuern soll. Ihr unterstellt sind unter anderem die Defense Autonomous Warfare Group (DAWG) und eine interinstitutionelle Task Force zur Drohnenabwehr. Mit der DAWG arbeitet Southcom beim Aufbau des SAWC eng zusammen. Signale Richtung Havanna Donovans Besuch fällt in eine Phase wachsenden Drucks der Regierung von Präsident Donald Trump auf Kuba. Bereits Ende Mai war der Southcom-Chef in Guantánamo gewesen. Damals traf er am Rand des Stützpunkts den kubanischen Generalstabschef Roberto Legrá Sotolongo zu einem kurzen Austausch über Sicherheitsfragen. Beobachter werteten dies seinerzeit als Versuch, eine militärische Eskalation zu vermeiden. Inzwischen schlägt Washington wieder schärfere Töne an. Southcom erinnerte in den sozialen Netzwerken daran, dass die 82. Luftlandedivision der US-Armee binnen 18 Stunden nach Alarmierung weltweit verlegt werden könne, ausdrücklich auch nach Kuba. Die in Fort Bragg stationierte Division gilt als schnelle Eingreiftruppe der US-Armee. Am 30. September sagte Trump bei einer Veranstaltung zum Hispanic Heritage Month über Außenminister Marco Rubio, man solle darauf achten, was dieser mit Kuba vorhabe. Konkreter wurde der Präsident nicht, und auch aus dem Außenministerium kam keine Präzisierung. Rubio selbst erklärte wenige Tage zuvor in einem Fernsehinterview, das kubanische Regime sei bereits gefallen. Zugleich mahnte er die kubanische Führung, Reformen nicht auf die Zeit nach Trumps Präsidentschaft zu vertagen. Ob die Stationierung unbemannter Systeme in Guantánamo vor allem der Drogenbekämpfung in der Karibik dient oder auch als Instrument des Drucks auf Havanna gedacht ist, lässt sich aus den offiziellen Angaben nicht ablesen. Southcom selbst stellt den Stützpunkt als logistisches und operatives Drehkreuz für die gesamte Hemisphäre dar. Für die kubanische Führung dürfte dennoch ins Gewicht fallen, dass Washington an der Ostspitze der Insel ein Testfeld für Kriegsführung der nächsten Generation aufbaut, während es militärische Einsatzbereitschaft demonstriert und die Sanktionen verschärft. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Achiv
Archiv
September 2026
|


RSS-Feed