Neues aus Kuba
Spanische Hotelriesen ziehen sich komplett aus Kuba zurück: Was Urlauber jetzt wissen müssen22/7/2026
22.07.2027 08:00 Uhr
US-Sanktionen gegen GAESA zeigen Wirkung: Spaniens Hotelkonzerne kappen ihre letzten Verbindungen zu Kuba. Was bedeutet das für Urlauber?
Am Dienstag (21.) haben gleich drei der größten spanischen Hotelketten ihren vollständigen Rückzug aus Kuba erklärt. Meliá, Iberostar und Barceló – jahrzehntelang die tragenden Säulen des kubanischen Massentourismus – beenden ihre Präsenz auf der Insel. Für die ohnehin kriselnde kubanische Tourismusbranche ist das ein historischer Einschnitt.
Der spanische Konzern Meliá beendet zum 24. Juli sämtliche Hotelmanagement-, Vermarktungs- und Markenaktivitäten auf Kuba. Meliá war bis vor kurzem noch mit 35 Häusern auf der Insel vertreten, zuletzt schrumpfte das Angebot bereits auf sechs geöffnete Hotels – zwei in Havanna, drei in Varadero, eines in Cienfuegos. Iberostar hat ebenfalls angekündigt, ihre letzten sechs verbliebenen Häuser auf der Insel bis auf Weiteres zu schliessen. Noch zu Jahresbeginn 2026 betrieb Iberostar Cuba 18 Hotels, geführt als eigenständige Organisation mit direkter Anbindung an die spanische Zentrale. Der Niedergang vollzog sich in Etappen: Neue US-Sanktionen, die seit dem 5. Juni 2026 ausländische Unternehmen treffen, die mit dem kubanischen Militärkonglomerat GAESA und dessen Tourismussparte Gaviota S.A. kooperieren, zwangen Iberostar zunächst zum Rückzug aus zwölf Häusern. Die verbliebenen sechs Hotels ohne Gaviota-Verbindung sind nun ebenfalls dicht. Auch Barceló zog nach eigenen Angaben vollständig ab. US-Sanktionen als Auslöser, Wirtschaftskrise als Nährboden
Der gemeinsame Auslöser des Rückzugs ist die im Juni verschärfte US-Sanktionspolitik gegen kubanische Staatsunternehmen. Internationale Hotelkonzerne müssen seither abwägen, ob ein Engagement auf der Insel wirtschaftlich und rechtlich noch tragbar ist – die meisten haben sich inzwischen dagegen entschieden. Hinzu kommt die tiefe strukturelle Krise Kubas selbst: anhaltende Stromausfälle, akuter Treibstoffmangel und Versorgungsengpässe bei Lebensmitteln und Medikamenten erschweren den Hotelbetrieb ohnehin erheblich.
Für Urlauber bedeutet der Rückzug der internationalen Ketten nicht zwangsläufig, dass alle betroffenen Häuser komplett schließen. Ein Großteil der Anlagen gehört ohnehin kubanischen Staatsunternehmen und soll unter neuer, einheimischer Leitung weiterbetrieben werden. Ob Service, Ausstattung und Qualitätsstandards ohne internationales Management auf bisherigem Niveau bleiben, ist allerdings fraglich. Auch Reiseveranstalter ziehen sich zurück
Die Folgen der anhaltenden Krise auf Kuba sind auch bei deutschen Reiseveranstaltern und Buchungsportalen spürbar, führen jedoch zu unterschiedlichen Reaktionen. Der Spezialveranstalter DIAMIR zog bereits drastische Konsequenzen: Das Unternehmen erklärte unmissverständlich, dass es keine Buchungen für Kuba-Reisen mehr entgegennimmt und sich keine Reisegäste des Veranstalters mehr im Land befinden.
Bei großen Buchungsportalen und Veranstaltern wie Tui.com, Dertour, Opodo, Booking.com und Check24 ist die Lage differenzierter. Zwar war das Angebot dort zeitweise wegen US-Sanktionen oder lokaler Engpässe stark eingeschränkt oder nicht abrufbar, mittlerweile lassen sich über diese Plattformen jedoch wieder Unterkünfte und Pauschalreisen finden. Als etablierte und verlässliche Alternative für Individualreisende gilt weiterhin Airbnb, das über ein umfangreiches Angebot an privaten Unterkünften (Casas Particulares) verfügt. Auch bei den Fluggesellschaften setzt sich der Rückzug fort: Condor, Iberia, Air France, Air Canada, WestJet, Air Transat und World2Fly haben ihre Verbindungen nach Havanna bereits eingestellt oder ausgesetzt. Air Europa ist derzeit die letzte größere europäische Airline mit regelmäßigen Direktflügen, muss wegen Kerosinmangels in Havanna aber inzwischen einen Tankstopp in Punta Cana einlegen. Was bedeutet das für bereits gebuchte Reisen?
Wer bereits eine Kuba-Reise gebucht hat, sollte frühzeitig beim Veranstalter nachfragen und sich den aktuellen Stand schriftlich bestätigen lassen. Fällt ein wesentliches Reiseelement weg – etwa weil das gebuchte Hotel schließt –, muss der Veranstalter in der Regel eine gleichwertige Alternative anbieten. Ist diese nicht zumutbar, können je nach Einzelfall Ansprüche auf kostenlose Stornierung oder Reisepreisminderung bestehen. Individualreisende sollten zusätzlich direkt mit Fluggesellschaft und Unterkunft Kontakt aufnehmen, da sich Flugzeiten und Serviceangebote kurzfristig ändern können.
Das Auswärtige Amt rät inzwischen ausdrücklich von nicht notwendigen Reisen nach Kuba ab. Wer die Insel dennoch besuchen möchte, muss sich auf improvisierte Bedingungen einstellen: Stromausfälle, ausfallende Ausflüge und eingeschränkte Verpflegung gehören inzwischen zum touristischen Alltag. Ein klassischer, sorgenfreier Karibikurlaub mit verlässlicher Infrastruktur ist auf Kuba derzeit kaum zu haben – wer das sucht, findet in der Dominikanischen Republik, Mexiko oder Jamaika deutlich bessere Bedingungen. Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |
Dossiers
Mediathek
Anzeige (M2) Anzeige (G4) Archiv
August 2026
|


RSS-Feed