Neues aus Kuba
|
13.03.2026 08:00 Uhr
Kubas Energiekrise erreicht eine neue Dimension: Nun soll auch das staatliche Fernsehen drastisch sparen. Nach Berichten aus Cienfuegos könnte das tägliche Programm künftig auf nur noch acht Stunden reduziert werden.
Die anhaltende Energiekrise in Kuba zwingt nun auch die staatlichen Medien zu drastischen Einschnitten. Nach Informationen des Radiosenders Radio Ciudad del Mar aus Cienfuegos plant das kubanische Fernsehen, sein tägliches Programm auf lediglich acht Stunden zu reduzieren. Hintergrund sind die angespannte Stromversorgung und vor allem der Mangel an Diesel, der für den Betrieb von Notstromaggregaten benötigt wird. Unklar ist, ob sich die Mitteilung nur auf Cienfuegos oder auf das gesamte Land bezieht.
Die Maßnahme soll laut Angaben der Rundfunk- und Fernsehanstalt Radiocuba vor allem den Treibstoffverbrauch senken. Statt eines ganztägigen Programms will sich das Fernsehen künftig auf wenige als „prioritär“ eingestufte Sendefenster konzentrieren. Dazu zählen die Morgensendung „Buenos Días“, die Mittagsnachrichten „Noticiero del Mediodía“ sowie das Abendprogramm, das traditionell mit der politischen Diskussionssendung „Mesa Redonda“ beginnt und mit einer Telenovela endet. Alle übrigen Sendungen sollen vorerst entfallen. Dass selbst das staatlich kontrollierte Mediensystem zu solchen Maßnahmen greift, verdeutlicht die Tiefe der aktuellen Energieprobleme. In Kuba gelten Rundfunk und Fernsehen traditionell als strategisch wichtige Instrumente staatlicher Kommunikation. Entsprechend wurden sie bislang oft bevorzugt mit Ressourcen versorgt. Die nun angekündigten Einschränkungen zeigen, dass der Druck auf die Infrastruktur inzwischen auch diese Bereiche erreicht hat. Radiocuba begründete die Entscheidung offiziell mit der „Energiesituation des Landes und bestehenden Problemen bei der Treibstoffversorgung“. Techniker arbeiteten weiterhin daran, Lösungen zu finden, um die Übertragungen möglichst stabil zu halten. Gleichzeitig entschuldigte sich das Unternehmen für die Einschränkungen. Bereits in den vergangenen Monaten hatten Stromausfälle und technische Probleme den Sendebetrieb mehrfach beeinträchtigt. So berichtete Radiocuba im Januar über Unterbrechungen in der Provinz Ciego de Ávila, wo Diesel für Generatoren fehlte. In Holguín wiederum blieben mehrere Sender tagelang stumm, nachdem Geräte durch wiederholte Stromausfälle beschädigt worden waren. Wie fragil das nationale Stromnetz inzwischen ist, zeigte sich Anfang März erneut. Am 4. März führte der Ausfall des Wärmekraftwerks „Antonio Guiteras“ zu einem teilweisen Kollaps des landesweiten Stromsystems (SEN). In vielen Regionen brachen Radio- und Fernsehsignale für mehrere Stunden vollständig ab. Die Krise beschränkt sich allerdings nicht nur auf elektronische Medien. Auch das staatliche Pressesystem gerät zunehmend unter Druck. Ende Februar beschloss das Politbüro der Kommunistischen Partei, die Produktion gedruckter Zeitungen drastisch zu reduzieren. Die landesweiten Blätter „Granma“ und „Juventud Rebelde“ erscheinen seither nur noch einmal pro Woche, während zahlreiche Provinzzeitungen vorerst ganz auf gedruckte Ausgaben verzichten müssen. Für die Bevölkerung bedeutet dies eine weitere Einschränkung im Alltag. Millionen Kubaner verbringen bereits jetzt einen großen Teil des Tages ohne Strom. Ein reduziertes Fernsehprogramm dürfte daher für viele eher symbolischen Charakter haben. Entsprechend kritisch reagierten einige Nutzer in sozialen Netzwerken auf die Ankündigung. Ein Kommentator bezeichnete die Informationen als „unvollständig und undurchsichtig“. Ein anderer fasste die Situation sarkastisch zusammen: Man müsse sich gar nicht bemühen, das Programm zu kürzen – Strom gebe es ohnehin kaum. Die geplante Reduzierung der Sendezeit steht damit stellvertretend für eine tiefere strukturelle Krise: Selbst Institutionen, die lange als stabil galten, müssen sich zunehmend an die Realität eines überlasteten Stromsystems anpassen.
Quellen: 14ymediuo (https://t1p.de/cu9ob), Radio Cuidad del Mar (https://t1p.de/cu9ob)
Autor: Leon Latozke
Letzte Meldungen
0 Kommentare
Ihr Kommentar wird veröffentlicht, sobald er genehmigt ist.
Antwort hinterlassen |


RSS-Feed