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Die Auszeichnung der kubanischen Dissidentin Berta Soler mit dem polnischen Solidarność-Lech-Walesa-Preis hat einen offenen Schlagabtausch zwischen Havanna und Warschau ausgelöst.
05.09.2025 05:02 Uhr
Ein diplomatischer Schlagabtausch zwischen Havanna und Warschau sorgt derzeit für Aufmerksamkeit. Auslöser ist die Entscheidung Polens, die kubanische Dissidentin Berta Soler – Mitgründerin und Leiterin der oppositionellen Frauenbewegung „Damas de Blanco“ – mit dem Solidarność-Lech-Walesa-Preis auszuzeichnen. Die Ehrung ist mit einer Million polnischer Zloty (rund 273.400 US-Dollar) dotiert und wird laut dem polnischen Außenministerium an Personen vergeben, die „durch den friedlichen Einsatz für Solidarität und Demokratie den Lauf der Geschichte verändern“.
Der kubanische Außenminister Bruno Rodríguez reagierte scharf auf die Entscheidung Warschaus. Von Peking aus, wo er den Staatspräsidenten Miguel Díaz-Canel bei dessen offizieller China-Reise begleitet, warf Rodríguez Polen in sozialen Netzwerken vor, sich den Interessen Washingtons zu beugen. Die USA hätten seit 66 Jahren versucht, Kuba zu unterwerfen, schrieb er und bezeichnete den Preis als Teil einer „korrupten und antikubanischen Agenda“ des US-Politikers Marco Rubio. Hintergrund ist, dass die Auszeichnung bei einer Veranstaltung verkündet wurde, an der auch der amerikanische Außenminister teilnahm. Der polnische Chefdiplomat Radosław Sikorski wies diese Vorwürfe öffentlich zurück. Er betonte, die Vergabe des Preises sei eine rein polnische Initiative, vollständig aus nationalen Mitteln finanziert und unabhängig von den Vereinigten Staaten. Sikorski unterstrich zudem, dass die Auszeichnung Menschen vorbehalten sei, die „friedlich für Freiheit und Demokratie kämpfen“ – Rechte, die auch den Kubanerinnen und Kubanern zustünden. Mit dieser Klarstellung reagierte er auf den Vorwurf aus Havanna, bei der Preisverleihung handele es sich um ein US-finanziertes Projekt gegen Kuba. Berta Soler selbst äußerte sich nach Bekanntgabe der Entscheidung gegenüber der Nachrichtenagentur EFE erfreut. Sie sehe den Preis als Anerkennung von 22 Jahren Engagement für politische Gefangene und die Rechte aller Kubanerinnen und Kubaner. Ihre Bewegung entstand 2003 in Reaktion auf die „Primavera Negra“, eine Welle von Repressionen gegen Dissidenten und unabhängige Journalistinnen und Journalisten. Damals waren 75 Regimekritiker zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Die Ehefrauen, Mütter und weitere Angehörige der Inhaftierten begannen daraufhin, sich sonntags in weißen Kleidern zu Gottesdiensten zu versammeln und anschließend friedliche Märsche für die Freilassung der Gefangenen zu organisieren. Mit diesen Auftritten in Weiß wurden die „Damas de Blanco“ zu einem Symbol des zivilen Widerstands auf der Insel. Die Gruppe erhielt bereits 2005 den Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Europäischen Parlaments. Der Solidarność-Lech-Walesa-Preis reiht sich damit in eine Serie internationaler Auszeichnungen ein, die den Protest der „Damas de Blanco“ gegen Menschenrechtsverletzungen in Kuba würdigen.
Quelle: Bruno Rodriguez/X (https://t1p.de/wyyd2), EFE (https://t1p.de/fsmp5)
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Text: Leon Latozke
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