Neues aus Kuba
Tanker mit russischem Treibstoff auf dem Weg nach Kuba ändert Kurs Richtung Trinidad und Tobago22/3/2026
20.03.2026 19:00 Uhr
Ein mit russischem Diesel beladener Tanker hat kurz vor Kuba überraschend den Kurs geändert. Statt die dringend benötigte Energieversorgung der Insel zu stützen, steuert die „Sea Horse“ nun Trinidad und Tobago an.
Die ohnehin angespannte Energieversorgung in Kuba hat einen weiteren Rückschlag erlitten. Ein Tanker mit dringend benötigtem Dieselkraftstoff aus Russland, der ursprünglich Kurs auf die Karibikinsel genommen hatte, hat am Freitag (20,) seine Route kurzfristig geändert und steuert nun Trinidad und Tobago an, wie aus von EL PAÍS ausgewerteten Schiffsdaten hervorgeht. Nach Angaben von Schiffsverfolgungsdiensten war das Schiff „Sea Horse“ mit bis zu 200.000 Barrel Diesel beladen – eine Menge, die für die Stabilisierung der kubanischen Stromversorgung von erheblicher Bedeutung gewesen wäre.
Über Wochen hinweg galt die Lieferung als Hoffnungsschimmer für die Regierung in Havanna. Internationale Beobachter verfolgten die Bewegungen des Tankers aufmerksam, da er potenziell gegen bestehende US-Sanktionen verstoßen hätte. Das Schiff, das unter der Flagge Hongkongs fährt, hatte im Februar zunächst Kuba als Ziel im automatischen Identifikationssystem (AIS) angegeben. Später wurde das Ziel auf „Karibisches Meer“ geändert, ohne dass sich der tatsächliche Kurs zunächst veränderte. Noch Mitte der Woche bewegte sich der Tanker offenbar weiter in Richtung der kubanischen Westküste. Die erwartete Ankunft wurde für das Wochenende oder den darauffolgenden Montag prognostiziert. Zuvor hatte das Schiff mehrere Wochen im Sargassomeer im Atlantik verharrt – ein ungewöhnlicher Zwischenstopp, der bereits Spekulationen ausgelöst hatte. Die nun erfolgte Kursänderung deutet darauf hin, dass sich die geopolitischen Rahmenbedingungen kurzfristig verschärft haben. Ein möglicher Auslöser ist die jüngste Entscheidung der Vereinigten Staaten, Kuba ausdrücklich von einer temporären Lockerung bestimmter Sanktionen auszunehmen. Diese Maßnahme betrifft insbesondere den Export russischer Energieprodukte. Während Washington in anderen Fällen Ausnahmen zulässt, um globale Energieflüsse angesichts der Spannungen im Nahen Osten zu stabilisieren, bleibt Kuba von diesen Erleichterungen ausgeschlossen. Die US-Behörde für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) untersagte jüngst ausdrücklich den Verkauf, die Lieferung oder das Entladen russischer Ölprodukte in mehreren sanktionierten Regionen – darunter auch Kuba. Diesel ist ein zentraler Energieträger für die dezentralen Generatoren, die einen erheblichen Anteil der Stromproduktion auf Kuba sicherstellen. Schätzungen zufolge stammen rund 40 Prozent der Elektrizität aus solchen Anlagen. Darüber hinaus ist Diesel essenziell für den Transportsektor sowie die Landwirtschaft – zwei Bereiche, die bereits stark unter Versorgungsengpässen leiden. Hinweise aus der maritimen Analysebranche deuten zudem darauf hin, dass die Ladung der „Sea Horse“ unter ungewöhnlichen Umständen zustande kam. Demnach wurde der russische Diesel Anfang Februar vor der Küste Zyperns mittels einer sogenannten Ship-to-Ship-Transfer-Methode umgeladen. Der Kurswechsel der „Sea Horse“ ist kein Einzelfall. Seit Beginn der US-Maßnahmen ändern viele Tanker ihre Routen. Ein Beispiel ist der „Ocean Mariner“, der zuletzt im Januar 86.000 Barrel aus Mexiko nach Kuba brachte, später jedoch mehrfach umgeleitet wurde. Auch ein kubanischer Tanker kehrte kürzlich leer zurück, nachdem er versucht hatte, Gas in Jamaika zu laden. Für Kuba bedeutet die Umleitung der „Sea Horse“ vor allem eines: Die Aussicht auf eine kurzfristige Entlastung der Energiekrise rückt erneut in weite Ferne.
Quelle: EL PAÍS (https://t1p.de/tbqjo)
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